Ausländerfeindliche Beschimpfung oder hitzige Rangelei?
Schlägerei auf den Gleisen

Vermischtes
Tirschenreuth
25.04.2016
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Faustschläge ins Gesicht, Fußtritte und rechtsradikale Beschimpfungen oder doch nur eine hitzige Rangelei unter Kollegen an einem heißen Arbeitstag? Ganz klar ist nach der Verhandlung vor dem Amtsgericht Tirschenreuth nicht, was sich im August vergangenen Jahres auf den Bahngleisen bei Reuth abgespielt hat.

Es ist der 12. August 2015, die Sonne brennt vom Himmel und das Thermometer klettert weit jenseits der 30 Grad Marke. An der Strecke unweit des Bahnhofes Reuth sind zu dieser Zeit mehrere Gruppen Gleisbauarbeiter aus Sachsen-Anhalt zu Gange.

Angriff oder Abwehr?


Was als normaler Arbeitstag beginnt, endet für einige letztendlich mit einer polizeilichen Vernehmung und einer Fahrt in Krankenhaus. Am Nachmittag dieses Tages kommt es zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Bei den Beteiligten handelt es sich um zwei Brüder aus dem Landkreis Jerichow und zwei Arbeiter mit Migrationshintergrund.

Der Kläger, der damals als selbstständiger Gleisbauarbeiter bei Reuth eingesetzt war, trug nach eigener Aussage einen Bruch des Brustbeins und andere Verletzungen davon, die ihn heute noch belasten und wegen denen er auch sein Gewerbe abmelden musste.

Die beiden Brüder aus den neuen Bundesländern, die jetzt wegen Körperverletzung in Tirschenreuth vor Gericht stehen, schildern die Situation anders. Der Kläger habe sie immer wieder angeschnauzt, sie sollten schneller arbeiten, und sich auch beim Vorarbeiter über sie beschwert. Nachdem dann der Hauptangeklagte eine Flasche Wasser aus dem Auto geholt habe, hätte der ausländische Kollege ihn tätlich angegriffen. Der Angeklagte habe sich lediglich verteidigt und nicht aktiv zugeschlagen. Nachdem es zur Eskalation kam, gingen beide zu Boden und der Bruder des Angeklagten und ein weiterer Kollege kamen hinzu, um die Kämpfenden zu trennen.

Genau beschreiben können beide Angeklagten den Tathergang allerdings nicht mehr. Auf den Vorwurf der rechtsradikalen Beschimpfungen und rassistischen Parolen, die gefallen sein sollen, reagieren sie zurückweisend: "Wir sind politisch neutral."

Zeuge in Frankreich


Der Kläger bestätigt, dass er sich über die Arbeitsmoral der Brüder beschwert habe. Als er den Betroffenen direkt damit konfrontieren wollte, habe der ihn geschubst, gepackt und zu Boden geworfen. Dort habe er mit der Faust auf ihn eingeprügelt und ihm schwere Verletzungen zugefügt. Auch der zweite Bruder habe ihn mit Füßen getreten. Nur das Eingreifen des anderen Kollegen mit Migrationshintergrund habe noch Schlimmeres verhindert.

Die Hilferufe des Mannes hingegen wurden nach seiner Aussage von den übrigen Gleisarbeitern ignoriert: "Ich finde es schade, dass die deutschen Kollegen mir nicht geholfen haben."

Im Krankenhaus in der Kreisstadt wurde der Geschädigte untersucht, doch der Bruch des Brustbeines wurde erst bei einer CT in Sachsen-Anhalt festgestellt. Der Kläger hat am nächsten Tag zwar noch gearbeitet, allerdings wurde er mit einer leichteren Tätigkeit beauftragt. Das wiederum konnte ein Zeuge so nicht bestätigen. Auch die übrigen Zeugen, die vors Tirschenreuther Amtsgericht geladen waren, wollten keine rassistischen Beschimpfungen gegen den Kläger gehört haben.

Leider konnte der Mann, der dem Geschädigten zu Hilfe gekommen war, nicht zur Verhandlung erscheinen. Dieser hält sich vermutlich zurzeit in Paris auf und soll nun ausfindig gemacht werden. Auch müssen noch die Aussagen der Polizisten angehört werden. Das soll nun in einer zweiten Verhandlung am 9. Mai geschehen.
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