Autorenlesung mit Marianne Ach
Das Öl im Getriebe der Welt

Marianne Ach liest dem interessierten Publikum verschiedene Episoden aus ihren Büchern vor. Bild: pbls
Vermischtes
Tirschenreuth
16.03.2016
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Während eine Frau früher weit unter dem Mann stand, kann sie heute ein selbstbestimmtes Leben führen. Als Frau wird man trotz allem nie aufhören dürfen, für seine Rechte zu kämpfen. Eine Schriftstellerin greift den Wandel des Frauenbildes in einer Lesung in Tirschenreuth auf.

Marianne Ach las in der Stadtbücherei zum Thema "Der Wandel des Frauenbildes" aus ihren Büchern vor. Zum dritten Mal war die Autorin schon nach Tirschenreuth gekommen. Die Leiterin der Stadtbücherei Cornelia Kolzenburg hatte die Lesung gemeinsam mit der Frauen-Union organisiert.

Die Schriftstellerin schildert mit "Winterherzen" ihre Kindheit. Sie erfährt von der Mutter, dass der Vater gefallen ist. Sogleich wird ihr aufgetragen "Du musst dir ganz schnell das Kindsein abgewöhnen." Während eines erbarmungslosen Winters, beschreibt sie die Strenge in der eigenen Familie. Die Großmutter hatte ihren Mann im ersten Weltkrieg verloren und so lebten nun die beiden Witwen mit Marianne Ach und ihrer Schwester in einem Haushalt.

Wahrheitsneurotikerin


In der Lesepause erzählt die Autorin von ihrer sehr gläubigen und zudem "wahrheitsfanatischen" Großmutter. "Ich bin ein Wahrheitsneurotiker", beschreibt sich Marianne Ach selbst und führt das auch auf ihre Großmutter zurück. Aber auch an harte Strafen in ihrer Kindheit erinnert sich Marianne Ach. Die Zuhörerinnen können sich gut in die Kindheit der Autorin hineinversetzen. Eine Frau erzählt von dem früheren Spruch: "Wenn man den Kindern zeigt, dass man sie liebt, dann werden sie frech".

Die Autorin liest weiter. Im Vergleich stehen nun zwei Episoden zum Thema Abtreibung. Ihr Buch "Der Blechsoldat" schildert das damalige Leben der Dienstmagd Sofie und ihrer Tochter. Nachdem sie missbraucht wurde, kam zunächst nur eine gefährliche Abtreibung durch eine "Engelmacherin" in Frage. Doch schlussendlich entscheidet sich die Dienstmagd, ihre Tochter, Margarete, zu behalten. Doch das Mädchen kommt ins Heim und darf erst mit 12 Jahren und auch nur einmal im Jahr die Mutter besuchen. Sofie, so erfahren die Zuhörerinnen, war die Großtante der Autorin und Margarete in ihrem Leben "eine ganz wichtige Person".

Die zweite Episode beschreibt eine "moderne" Mutter im dritten Monat. Sie sucht einen Arzt auf und will eine Abtreibung. Der Arzt geht nicht wirklich auf den Wunsch ein. Er fordert sie auf, noch einmal nachzudenken und die Leute auf der Straße zu beobachten. Der Arzt verlässt das Zimmer und als er es wieder betritt, ist die Frau verschwunden.

Sorge vor Rückschritt


Die aufkommende Diskussion beschäftigt sich mit dem steigenden Selbstbewusstsein der Frauen. Sie würden sich heute nicht mehr alles gefallen lassen. Doch die Sorge einiger Frauen, dass das Frauenbild des Islam nach Deutschland überschwappen könne, kommt schnell auf. Eine Zuhörerin, die sich mit Entwicklungshilfe beschäftigt, weiß, dass oft die Mütter die Kinder zwingen, weiter so zu sein wie es die Tradition will. Außerdem wird befürchtet, dass die Frauen wieder Rückschritte machen könnten. Der Satz "Die Frauen sind das Öl im Getriebe der ganzen Welt" findet bei allen Anwesenden Zuspruch.

Über das Thema Abtreibung herrschen unterschiedliche Meinungen. Es sei zwar jeder Frau selbst überlassen, wie sie mit ihrem Leben umgeht, aber in der heutigen Zeit würde man viel Unterstützung bekommen. Aus diesem Grund müsse kein Baby mehr abgetrieben werden. Einig ist man sich, dass die Frauen nie aufhören dürften für ihre Rechte zu kämpfen.

Marianne Ach liest die Geschichte "Wörter für die Liebe" vor. Sandra streift durch Griechenland und will sich am nächsten Abend mit einem Junggesellen treffen, der schon viele Frauen hatte. Daraufhin sucht sie verschiedene Wörter für die Liebe. Die Autorin steckte ihre eigenen Beobachtungen in diese Erzählung.

Leben im Kloster


Nach der letzten Episode wird die niveauvolle Sprache der Schriftstellerin gelobt. Marianne Ach erklärt jedoch, dass sich ihre Sprache gewandelt hätte. Ihre ersten drei Bücher wären metaphernreicher gewesen. Anschließend erzählt sie von ihrem Leben im Kloster und vom Finden ihrer inneren Freiheit. Die Zuhörerinnen sind sich einig, weiter dafür zu kämpfen, dass erhalten bleibt, was einst für Frauen erlangt wurde.
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