Berührende Erlebnisse

Der Klassenzusammenhalt ist spürbar: Die Schüler von Marianne Stangl (Mitte rechts) freuen sich über ihren verdienten Preis. Mit im Bild 3. Bürgermeister Norbert Schuller (oben links), Schulamtsdirektor Wolfgang Kraus (vorne, Zweiter von rechts), Rektor Willi Trisl (oben rechts), Anne Flögel (vorne links) und Kaspar Becher vom Kriegsgräberverbund (vorne rechts) Bild: pjug
Vermischtes
Tirschenreuth
22.07.2016
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"How many roads must a man walk down before you can call him a man?" Mit Bob Dylans "Blowin in the Wind" lieferte Martin Hauk am Montag die passende Begleitmusik, denn auch die Schüler der Klasse "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ) der Mittelschule haben einen langen Weg auf sich genommen, um vor Krieg und Gewalt nach Deutschland zu fliehen.

Umso mehr freute sich die Klasse von Förderlehrerin Marianne Stangl über das Preisgeld von 3000 Euro durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die 25 Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren hatten sich beim Preisausschreiben "Krieg-Flucht-Vertreibung heute - neue Mitschüler/-innen in unserer Klasse" bayernweit durchgesetzt und den 1. Preis gewonnen. Auf Plakaten haben sich die jungen Leute selbst, ihre Familien und den Weg nach Deutschland vorgestellt. Nicht nur die in Wort und Bild festgehaltenen Erlebnisse der jungen Menschen berührten ungemein, sondern es wurden auch die Hürden, die die Flüchtlinge im Alltag überwinden müssen, in ihrer ganzen Bandbreite schonungslos dargestellt.

Nach der Begrüßung durch Rektor Wilhelm Trisl sprach 3. Bürgermeister Norbert Schuller der Klasse seinen Glückwunsch zu ihrer eindrucksvollen Dokumentation aus und freute sich, dass sich gerade Tirschenreuth mit dieser Auszeichnung schmücken darf. "Ich glaube, wenn es einen Ort gibt, der diesen Preis verdient hat, ist es Tirschenreuth", so Schuller, der bei seiner Rede auch auf das erfolgreiche 13-jährige Bestehen der Gemeinschaftsunterkunft Tirschenreuth einging. Schulamtsdirektor Wolfgang Kraus betonte, wie wichtig der Frieden sei, gerade mit Blick auf die jüngsten Ereignisse. Kraus ging dabei auf das Zitat von Politiker Jean-Claude Juncker ein: "Wer an Europa zweifelt, muss über einen Soldatenfriedhof gehen, um zu wissen, wie wichtig der Frieden ist."

Gedenken an Opfer


Nach einer Schweigeminute im Gedenken an alle Opfer von Krieg, Gewalt und Vertreibung durften sich die Schüler der DaZ-Gruppe selbst vorstellen. Die Jugendlichen aus Serbien, Syrien, der Ukraine, dem Irak, Armenien und Tschechien erzählten jeweils über ihre Familien und ihren Hintergrund, aber auch darüber, was sie an Deutschland schätzen und was sie aus ihrer Heimat vermissen. Von ihren Angehörigen im Publikum unterstützt, fühlten sich die Mädchen und Jungen in ihrer neuen Gemeinschaft sichtbar wohl. Nach einem weiteren Musikstück durften Marianne Stangl und einige Schülerinnen die Gewinnurkunde entgegen, die von einem sichtlich bewegten Kaspar Becher, Geschäftsführer des Volksbundes für den Bezirk Oberpfalz, überreicht wurde. Becher lobte die sachliche und dennoch hochemotionale Dokumentation menschlicher Schicksale und zeigte sich von der Reife der Schüler tief beeindruckt. Mit dem Preisgeld, so Stangl, werde man professionelle Übersetzer für die Schule engagieren, um Missverständnisse im Alltag zu verhindern und weiterhin zwischenmenschliche Brücken zu bauen. Die Schule plant auch die Anschaffung von mehrsprachigen Tastaturen, um das Arbeiten mit Medien im Unterricht zu erleichtern. Außerdem lag es den Schülern besonders am Herzen, einen Teil des Geldes für soziale Zwecke an ihre Heimatländer zu spenden.

Nationalhymne


Zum Abschluss sangen drei Schülerinnen die Nationalhymne ihres Heimatlandes Syrien. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit gemütlichem Beisammensein, wobei hier die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch rege genutzt wurde.
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