Beschäftigte in Krankenhaus und Pflegeheim gegen Parasiten behandelt
Keine Krise wegen Krätze

Krankenhausleiterin Claudia Kost und Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Egginger sind erleichtert: Sämtliche Krätze-Fälle scheinen lokalisiert und behandelt zu sein. Bild: as
Vermischtes
Tirschenreuth
02.05.2016
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Allein schon der Gedanke an Krätze löst Juckreiz aus. Im Landkreis ist diese Hautkrankheit aufgetreten, die viele fälschlicherweise für ausgerottet halten. Aber kein Grund zur Panik: Scabies, so der medizinische Fachausdruck, ist zwar unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich und gut behandelbar. Alle bestätigten Verdachtsfälle - 15 Pflegekräfte im Krankenhaus Tirschenreuth und etliche Beschäftigte im Seniorenheim Wiesau - sind nicht mehr ansteckend.

So viele wie lange nicht


"Alles im grünen Bereich, wir haben die Lage im Griff", sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Gerhard Strobl. "Es haben sich etliche Fälle bestätigt, die ebenso wie die Infektionsquelle in Behandlung sind. Es besteht keine Gefahr der Weiterverbreitung." Die Krätze ist meldepflichtig, wenn sie in Gemeinschaftseinrichtungen wie Heimen, Kindergärten oder Schulen auftritt. Einzelfälle kommen immer mal wieder vor, bestätigt Dr. Strobl. "So viele hatten wir allerdings schon lange nicht mehr. Aber das passiert halt mal bei Parasiten, ähnlich wie bei Kopfläusen." Infektionsquelle war offenbar eine ältere Dame, die vom Wiesauer Seniorenheim ins Krankenhaus Tirschenreuth kam.

Dr. Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, schildert dem "Neuen Tag" die Vorgeschichte. Demnach verlegte man die eigentlich wegen einer anderen Krankheit aufgenommene Patientin, die man von Anfang an auch wegen unklarer Hautprobleme isoliert behandelt habe, an die Uniklinik Regensburg. Von dort kam Donnerstag vergangener Woche die Bestätigung: "scabies norvegica", eine besonders ansteckende Form der Krätze. Zu dem Zeitpunkt klagten bereits etliche Mitarbeiter über juckende Hauterscheinungen. "Wir haben sofort alle Mitarbeiter mit unklaren Symptomen zu Hautärzten geschickt. Alle sind sofort anbehandelt worden. Die Salbe wirkt schnell. Nach 12 bis 24 Stunden ist das Personal wieder einsatzfähig." Lediglich am Wochenende brauchte das Krankenhaus Tirschenreuth noch personelle Verstärkung aus anderen Häusern des Unternehmens, am Montag herrschte wieder Normalbetrieb. "Man muss offen damit umgehen", bekräftigt Egginger und hat mit Krankenhausleiterin Claudia Kost am Montagnachmittag das Personal über den Stand der Dinge informiert.

Nie absolute Sicherheit


Für Besucher des Krankenhauses dürfte sich gar keine Ansteckungsgefahr ergeben haben, sagen die beiden Vertreter der Kliniken AG. Normalerweise sei Scabies nicht so leicht durch Händeschütteln oder Kleiderkontakt übertragbar, sondern brauche längeren Hautkontakt. Aber diese spezielle Form könne sich trotz Mundschutz und Handschuhen schon mal ans Personal haften, und sei es beim Bettenaufschütteln. "Bei dieser hochansteckenden Form gibt es keine 100-prozentige Sicherheit", bedauert der Ärztliche Direktor. Gleichwohl werde der Fall mit den Betriebsärzten und der Stabsstelle Hygiene hausintern weiter analysiert.
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