Bevölkerungsschwund etwas gebremst

Vermischtes
Tirschenreuth
01.02.2016
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Schade, dass die Asylbewerber in der Erstaufnahme nicht dazuzählen. Wiesau wäre sonst auf einen Schlag um 100 bis 200 Bürger reicher. Aber grundsätzlich schlägt sich der Zuzug von Flüchtlingen positiv in der Einwohnerstatistik nieder.

In einem Jahr 189 Bürger weniger, heißt es in der jüngsten Auflistung unterm Strich. Zum Stichtag 30. Juni 2015 lebten exakt 73 084 Kinder, Frauen und Männer im Landkreis. Dabei erfasst das Landesamt für Statistik und Datenerhebung auch Asylbewerber, sobald sie in der jeweiligen Gemeinde in einer dezentralen Einrichtung oder Gemeinschaftsunterkunft gemeldet sind.

Sehr unterschiedlich entwickelte sich die Bevölkerungszahl in den einzelnen Gemeinden - wobei der Zuzug von Asylbewerbern nicht immer die schlüssige Erklärung ist. So freut sich Kastl um einen Zuwachs von 10 Bürgern, Kulmain verzeichnet 14 mehr. In beiden Kommunen wohnt bisher kein einziger Flüchtling. Anders ist das in Kemnath. Hier ergab sich in einem Jahr ein stattlicher Zuwachs um 41 Bürger, in Immenreuth um 12. Traditionell profitiert der westliche Landkreis vom angrenzenden Truppenübungsplatz Grafenwöhr und bauwilligen Angehörigen der Streitkräfte.

Stabil in Ebnath


Auch in Brand (plus 15) und Bärnau (plus 11) gab es Zuwachs. Beide Gemeinden haben überproportional viele dezentrale Unterkünfte für Asylbewerber. Beachtlich ist die Bevölkerungsentwicklung in Plößberg: 30 Bürger mehr waren es zwischen Juni 2014 und Juni 2015. Damals war das umstrittene Flüchtlingsheim mit 150 Plätzen noch gar nicht im Gespräch. Positiv fiel die Bilanz auch in Erbendorf (plus 9), Reuth und Krummennaab (jeweils plus 6) sowie Pullenreuth (plus 3) aus. Genau gleich blieb die Einwohnerzahl in Ebnath, sehr stabil in Falkenberg.

Minus schon mal größer


Zahlenmäßig am meisten Federn lassen musste die Kreisstadt. 89 Bürger weniger tun weh, ebenso die 55 in Mitterteich. Prozentual stark ins Gewicht fallen die 33 Einwohner weniger in Pechbrunn. 31 waren es in Waldsassen. Die übrigen Gemeinden tragen Verluste zwischen 9 und 19 Bürgern - etwa Wiesau. Aber auch hier ist zu beobachten: Der Bevölkerungsschwund ging schon mal rasanter voran. Nur 189 Leute weniger in einem Jahr, das gab es zuletzt 2001. Seitdem hatte man im Landkreis regelmäßig ein Minus von rund 500 Bürgern jährlich hinzunehmen.

Zweitwohnungssteuer schmerztDas Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung arbeitet mit den Zahlen, die auf der Basis der Volkszählung von 2011 fortgeschrieben werden. Der kontinuierliche Rückgang von Einwohnern schmerzt in vielerlei Hinsicht - auch in finanzieller. Nicht zuletzt sind die Einwohnerzahlen Grundlage für Schlüsselzuweisungen und andere wichtige Umlageberechnungen, die sich im Haushalt jeder Gemeinde niederschlagen. In der jeweiligen Einwohnerbilanz tauchen alle auf, die mit Hauptwohnsitz dort gemeldet sind. Die Zweitwohnungssteuer, die besonders beliebte Arbeits- und Ausbildungsregionen erheben, wirkt sich auf die Bevölkerungsentwicklung in der nördlichen Oberpfalz oft nachteilig aus: Viele Studenten und Wochenend-Heimkehrer melden ihren Erstwohnsitz notgedrungen in der "Boomtown" an, denn die Steuer macht ein bis zwei Monatsmieten im Jahr aus. (as)
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