Blaualgen im Rothenbürger Weiher
Gefundenes Fressen für Bakterien

Mindestens einmal im Monat testet die Hygiene-Kontrolleurin Nadine Tretter das Gewässer auf Gefahren.
Vermischtes
Tirschenreuth
08.09.2016
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In der Kühlbox wird die Weiterentwicklung gestoppt.

Sie sind grün und ziehen schleimige Fäden. Sie vermehren sich explosionsartig und trüben gewaltig den Badespaß. Schilder am Rothenbürger Weiher weisen auf die Gesundheitsrisiken hin, die von Cyanobakterien ausgehen können.

Grund zur Panik gäbe es nicht, erklärt die Hygiene-Kontrolleurin Nadine Tretter vom Gesundheitsamt. Alle freien Gewässer, die offiziell als EU-Badegewässer ausgewiesen sind, werden turnusmäßig auf alle möglichen Mikroorganismen getestet, die gesundheitsschädlich sein können. Dazu gehören auch die Cyanobakterien. "Ein gesunder Erwachsener wird kaum Schaden nehmen, wenn er hier badet. Selber würde ich aber im Moment nicht in das Gewässer gehen", sagt sie.

Von Mai bis September werden die Badegewässer überwacht. Im Landkreis sind neben dem Rothenbürger noch das Kösseinebad in Waldershof, der Plößberger Weiher, die Kipp in Wiesau und der Erlenweiher in Thumsenreuth als EU-Badegewässer ausgewiesen. "Außer im Rothenbürger gibt es heuer keine Probleme", weiß Tretter.

Nur fünf Minuten


Nicht länger als fünf Minuten braucht die Expertin, um entsprechende Wasserproben zu nehmen. Vier Kunststoffflaschen à 250 Milliliter füllt sie mit der grüner Brühe ab, beschriftet und verstaut sie in der Kühlbox. Sie füllt noch ein entsprechendes Formular aus und bringt die Proben gleich zur Post. Im Labor der Bayerischen Landesanstalt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim werden die Proben mikroskopisch auf gesundheitsschädliche Substanzen untersucht.

Vor etwa zwei Wochen landete das Schreiben des Gesundheitsamtes auf dem Tisch des Leiters des Ordnungsamtes, Helmut Völkl. Darin die Aufforderung, am Rothenbürger Weiher entsprechende Warnschilder aufzustellen. "Wir haben das auf dem kurzen Dienstweg erledigt", erklärt Völkl, der bei der Stadtverwaltung angerufen und die Aufforderung an die Kommune weitergegeben hat. Ein Prozedere, das sich bereits im Vorjahr bewährt hat.

Für den Bauhofleiter Herbert Schertler also nichts Außergewöhnliches. Den Text, der auf den Warnschildern auf die Gefahren hinweist, hat das Gesundheitsamt per E-Mail geliefert. Am Bauhof wurde er in entsprechender Größe ausgedruckt und laminiert, damit die Hinweistafeln auch wetterfest sind. Drei Warnschilder entlang der Liegewiese machen die Badegäste aufmerksam.

Zur Gefährlichkeit der unappetitlichen Suppe sagt Nadine Tretter, dass Cyanobakterien eine Vielzahl an toxischen Wirkstoffen, wie die Cyanotoxine enthalten. Neurotoxin hingegen käme darin eher selten vor. Und wenn, dann kaum in gefährlich hohen Konzentrationen. Sehr häufig seien Lebertoxine, die sogenannten Microcystine, zu finden. Sie kämen in über der Hälfte der Cyanobakterien-Massenentwicklungen vor.

Kinder und Hunde


Im Extremfall könnten die sogar lebensbedrohlich sein. Dazu müsste ein Kleinkind aber ungefähr einen halben Liter dieser "Erbsensuppe" schlucken. "Lebensgefahr kann bestehen, wenn Kinder viel Wasser schlucken. Beim intensiven Toben tun sie das zum Beispiel durch gegenseitiges Untertauchen - vor allem in den flachen Bereichen, in denen sich die dickste "Wasserblüte" ansammelt. Hundebesitzer sollten darauf achten, dass ihre geliebten Vierbeiner dem Wasser fernbleiben und vor allem nicht davon trinken. Vergiftungen mit Cyanobakterien äußern sich meist durch Übelkeit, Durchfall, Erbrechen sowie Reizungen der Augen, Ohren und Rachenschleimhäute. "Krankheitsfälle, die von Cyanobakterien herrühren, sind dem Gesundheitsamt nicht bekannt", relativiert die Expertin die Gefährlichkeit der grünen Suppe.

Cyanobakterien benötigen für ihr Zellwachstum in erster Linie Pflanzennährstoffe, in der Regel den Gesamtphosphor. Zusätzlich können noch weitere Faktoren das Wachstum beeinflussen, zum Beispiel die Wasseraufenthaltszeit. In schnell fließenden Gewässern finden Cyanobakterien keine ausreichend stabilen Bedingungen für ihre Vermehrung.

Risiko Blüten


Zu Massenentwicklungen neigen insbesondere in den Sommermonaten in stehenden, nährstoffreichen Gewässern vor allem die potenziell toxischen Cyanobakterien der Gattungen Microcystis, Planktothrix, Anabaena und Aphanizomenon. "Als "Blüte" werden die grünen "Aufrahmungen" auf der Wasseroberfläche bezeichnet, die sich windabhängig in bestimmten Bereichen sammeln. Davon geht möglicherweise wegen sehr hohen Toxinkonzentrationen das höchste Risiko aus. Als EU-Badegewässer wird der Rothenbürger Weiher während der Badesaison mindestens monatlich untersucht. Die Tage für die Probenahmen werden vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vorgegeben.

Bei diesen Untersuchungen werden auch die Parameter Intestinale Enterokokken und Escherichia coli überwacht, wirklich gefährliche Mikroorganismen. Eine mikroskopische Untersuchung auf das vermehrte Vorkommen von Cyanobakterien erfolgt nur bei einer sichtbaren grünen Trübung des Badegewässers oder wenn sich grüne Schlieren auf der Wasseroberfläche bilden.

Das Problem lässt sich laut Tretter mit der modernen Landwirtschaft nur schwer in den Griff bekommen. Eine Reduktion der Einträge von Nährstoffen wäre dabei hauptsächlich in Betracht zu ziehen. Überdüngung mit Phosphor und Stickstoff aus Klärwerksabläufen, aus Abschwemmungen von landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie in Städten auch aus der Misch- und Trennkanalisation und von versiegelten Flächen seien die Hauptursachen dafür. Denn vieles davon gelangt in die Gewässer und sind ein gefundenes Fressen für die Cyanobakterien.

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Weitere Informationen:

www.kreis-tir.de/

Ein gesunder Erwachsener wird kaum Schaden nehmen, wenn er hier badet. Selber würde ich aber im Moment nicht in das Gewässer gehenNadine Tretter
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