Breithorn fordert zwei Tote
„Die Leere ist unwirklich“

Grafik: NT/AZ
Vermischtes
Tirschenreuth
11.08.2016
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Die Freunde sind geschockt und können die Nachricht noch gar nicht glauben. Zwei routinierte und besonnene Bergsteiger aus ihren Reihen sind am Mittwochmorgen am Breithorn im Monte-Rosa-Gebiet, direkt an der Grenze zur Schweiz in den Tod gestürzt.

Eine 57-jährige Unternehmerin aus Friedenfels war mit ihrem Begleiter, einem 31-Jährigen aus Kümmersbruck auf einer eher einfachen Tour unterwegs als sich der tragische Unfall ereignete. Die Bergsteigerin war Mitglied in beiden Alpenvereinssektionen der Region, Karlsbad in Tirschenreuth und Greiz in Marktredwitz. Der Mann aus Kümmersbruck gehörte zur Sektion Karlsbad.

"Zugspitzkönigin"


Rainer Rahn, zweiter Vorsitzender der Sektion Greiz aus Marktredwitz ist fassungslos. "Ich war oft selbst mit der ,Zugspitzkönigin', so nannten wir unsere Bergkameradin beim Spitznamen, unterwegs. Sie war eine der besten Bergsteigerinnen der Region, hatte Kondition ohne Ende und war technisch absolut versiert. Sie wollte immer mehr und suchte stets neue Herausforderungen. Dass sie jetzt am wohl leichtesten 4000er der Alpen in den Tod gestürzt ist, ist nicht nachvollziehbar."

Konditionsstark


Ob Mountainbike oder die 12-Gipfeltour im Fichtelgebirge, bei der an einem Tag alle 12 Gipfel auf einer Strecke von 67 Kilometern und 2200 Höhenmetern, erklommen werden, sie war immer eine der besten, stellte selbst männliche Kollegen in den Schatten.

"Wir waren oft in den Alpen unterwegs, auch auf Hochtouren", erzählt Rahn. "Ihr Schicksal teilt sie mit zahlreichen Gleichgesinnten, die schon viele schwierige Touren gemeistert haben und dann an einem verhältnismäßig leichten Berg abgestürzt sind." In der Sektion Greiz ist das seit 1979 der dritte tödliche Bergunfall.

"Die entstandene Leere ist unwirklich und kaum in Worte zu fassen", ist auf der Homepage der Sektion Karlsbad zu lesen. Ihr Jugendbeauftragter und Ausbildungsreferent Dr. Michael Schornbaum kennt den verunglückten 31-Jährigen von gemeinsamen Klettertouren und beschreibt ihn am Telefon als routinierten und umsichtig agierenden Bergsteiger.

Er sei nie zu hohe Risiken eingegangen, habe immer die Sicherheit in den Vordergrund gestellt. Matthias Gibhardt, Trainer für Sportklettern in der Sektion Karlsbad ist entsetzt. Auch er kannte den verunglücken Bergkameraden aus Kümmersbruck gut. "Er war immer dabei, wenn wir in Falkenberg zum Beispiel im Bereich der Burg geklettert sind. Er hat viel für die Jugend getan, war ein engagierter Hochtouren-Führer und Ausbilder. Mir läuft es kalt den Rücken hinunter, wenn ich daran denke, dass er nicht mehr unter uns ist."

Nicht blauäugig


Laut Gibhardt ist das der erste tödliche Unfall, den die Sektion Karlsbad beklagt. "Als Bergsteiger kennt man das Risiko. Aber wir ziehen nicht blauäugig los. Will man dieses Risiko ausschließen, darf man nicht an den Berg gehen."

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