Der Bruder vollendet das Werk
Neuer Hirte für die Scharnagl-Krippe

Robert Scharnagl zählt zu den eifrigsten und talentiertesten Schnitzern der Stadt. Bild: pol
Vermischtes
Tirschenreuth
23.12.2015
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Die Weihnachtskrippe hat im Hause Polland immer schon eine besondere Bedeutung. Die "Göttliche Komedie" erinnert aber nicht nur an das Heilsgeschehen, sondern auch an einen begnadeten Schnitzer der Stadt.

Das Aufstellen einer Weihnachtskrippe hat in der Kreisstadt eine lange Tradition. Schon viele Generationen vor uns zogen vor dem ersten Schnee in die umliegenden Wälder und suchten nach geeigneten Moospolstern, Baumschwämmen und Wurzeln. Damals wie heute entstanden durch geschickte Hände Landschaften mit Bergen, Wäldern und Höhlen. Der Duft des frischen Grüns, der sich dabei in den warmen Stuben verbreitete, gehört zu Weihnachten wie der Christbaum und die Bescherung.

Schon einige Tage vor dem Heiligen Abend wurden die Zigarrenkistchen und Pappschachteln wieder hervorgeholt, in denen sich die Heilige Familie nebst den Hirten und Schafen ein ganzes Jahr lang ausruhen durften. Geschaffen wurden die kleinen Holzfiguren oftmals von einfachen Leuten, die sich mit dem Schnitzen ein paar Pfennige hinzuverdienten.

Wenn auch die Qualität der "Mannler" oder "Stückla" sehr unterschiedlich ausgefallen ist, eines haben sie gemeinsam: Sie erfreuen jedes Weihnachten ihre Besitzer aufs Neue. Glücklicherweise gibt es auch heute noch talentierte Schnitzer in unserer Stadt, die aus einem kleinen Stück Lindenholz wahre Kunstwerke entstehen lassen.

Im Oktober 2005 schenkte mir der Tirschenreuther Schnitzer Heinz Scharnagl einige Krippenfiguren. Die Heilige Familie, Ochs und Esel und drei Schafe hatte er nur noch unter Schmerzen und mit nachlassender Kraft schnitzen können. Nur wenige Tage später starb er. Die kleine Krippe hat für mich und meine Familie eine ganz besondere Bedeutung. Sie veranschaulicht nicht nur die Geburt unseres Herrn, sondern erinnert uns auch an den Schnitzer und Menschen Heinz Scharnagl.

Alfred Mehler hat vor einem Jahr beim "Krippenschaun" festgestellt, dass in meiner Krippe ein Hirte fehlt. Die Figur sollte aber in Größe und Aussehen gut zu den bestehenden Figuren passen. Was lag näher, als Robert Scharnagl, den Bruder von Heinz, zu fragen, ob er nicht bereit wäre, eben so einen Hirten zu schnitzen. Gerne hat er meiner Bitte entsprochen und mir dieses Jahr pünktlich zum Heiligen Abend das "Meisterstückl" übergeben. Der Hirte hat sofort seine Aufgabe in der Krippe übernommen und darf sich mit Recht als ein echtes Stück der Scharnagl-Krippe bezeichnen.
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