Dr. Rüdiger Dahlke in Tirschenreuth
Ein Mann erklärt die Welt

Dr. Rüdiger Dahlke signiert ein Buch. Bild: m
Vermischtes
Tirschenreuth
07.10.2016
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Dr. Rüdiger Dahlke stellte im Tirschenreuther Kettelerhaus sein umfassendes Gesundheits- und Lebenskonzept vor. Bild: m

Jeans, hellblaues Hemd mit dunklem Sakko, Nickelbrille, das schüttere Haar kurz geschoren, die rechte Hand am Hosenbund: So steht Dr. Rüdiger Dahlke auf der Bühne. Die folgenden Stunden gibt es eine One-Man-Show à la Steve Jobs. Doch geht es dabei nicht um Gadgets, sondern um nichts Geringeres als ein gesundes Leben.

Zwei aufeinanderfolgende Vorträge hält der Mediziner am Donnerstag Abend im Tirschenreuther Kettelerhaus. "Krankheit als Symbol" und "Die Schicksalsgesetze - Spielregeln fürs Leben", Einzelpreis 15 Euro, das Doppelticket für 27,50 Euro. 200 Stühle stehen im Saal, kein einziger zu viel. Das Publikum ist vorwiegend weiblich und im mittleren Alter. Vor dem Vortrag und in der Pause drängt man sich um Tische, auf denen ein reichhaltiges Dahlke-Sortiment präsentiert wird - Bücher, CDs und DVDs, aber auch Nahrungsergänzungsmittel wie die kleine Dose mit 90 Kapseln "Vitamin B12 rein pflanzlich" für 34,20 Euro.

Anfänge in der Antike


Der sachte mit links gestikulierende Naturheiler beginnt seinen Vortrag ganz philosophisch. Dahlke erzählt zunächst von der Macht der Symbole, Metaphern und Analogien sowie von antiken Denkern wie Sokrates und Plato. Doch schon mit Aristoteles habe das Unheil seinen Lauf genommen: Das "Ursachendenken" sei über die Menschheit gekommen und der ganzheitliche Ansatz immer weiter zurückgedrängt worden.

Deshalb werde der Klinik-Patient heutzutage nicht mehr als Mensch gesehen, sondern nur noch als die "Niere von Zimmer 18" behandelt, ja letztlich sogar auf den Kreatininwert reduziert. Nur durch diesen "Reduktionismus", behauptet Dahlke, sei Geld zu verdienen. "Ein ganzer Apfel lässt sich eben nicht patentieren, ein paar Moleküle aber schon."

Zur Person: Dr. Rüdiger DahlkeRüdiger Dahlke wurde 1951 in Berlin geboren, wuchs aber im oberbayerischen Freising auf. Er studierte Medizin in München und wandte sich bereits in den 1970er Jahren der Naturheilkunde und der humanistischen Psychotherapie zu. 1990 eröffnete Dahlke ein Heilkundezentrum in Niederbayern. Seit dem Jahr 2012 betreibt er das Heilkundeinstitut Taman-Ga in der österreichischen Steiermark.

Schwerpunkt von Dahlkes Arbeit ist nach eigenen Angaben die "integrale Medizin-Ausbildung". Der promovierte Mediziner bietet daher auch Ärztefortbildungen an. Im Jahr 2013 erhielt Dahlke für sein Lebenswerk den satirischen Negativpreis "Goldenes Brett vorm Kopf" der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. (m)
Mitten in der Plauderei passiert das Unvermeidliche: Irgendwo im Publikum meldet sich ein Handy. Der Doktor reagiert mit aller Strenge. "Handys bitte alle aus! Es ist nicht zumutbar für Sie selbst und die Menschen um Sie herum, Sie dieser Strahlung auszusetzen!" In Österreich, erzählt Dahlke, würden bereits überwiegend Neurochirurgen ausgebildet, um die durch Handys massenhaft ausgelösten Hirntumore behandeln zu können. Dahlke selbst hat einen alten Freund, der "immer online war". Diagnose: Hirntumor. Dasselbe Schicksal habe den Bruder des italienischen Hotelbesitzers ereilt, den Dahlke gut kennt. Und auch noch dessen Sohn. Keiner aber habe auf Warnungen hören wollen.

Benediktinermönch "Bruder David" Steindl-Rast, Neurobiologe Gerald Hüther, der Priester und Psychoanalytiker Bert Hellinger, der amerikanische Autor Malcolm Gladwell, Carl Gustav Jung, aber auch Jesus Christus und Buddha - alle sind sie Gewährsleute für Dahlkes Theorien. Egal, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebsleiden oder ärztliche Kunstfehler und moderne Pharmaka - "diese Geißeln können wir heute alle locker besiegen, wenn wir uns nur richtig verhalten," stellt der Mann auf der Bühne klar.

Ein "Wachstumsthema"


Dahlke erklärt menschliche Gebrechen rein psychosomatisch: Herzleiden seien ein Hinweis darauf, dass der Patient sich endlich um seine Herzensangelegenheiten kümmern oder sein Herz "christlich weiten" müsse. Bei Krebspatienten dagegen handele es sich oft um "total nette, liebe, angepasste Menschen, die Mainstream leben und nicht ihr eigenes Thema". Ihnen helfe daher ein "mutiges, offensives Wachstum ohne faule Kompromisse". Apropos Krebs: "Fleisch macht Krebs. Milch macht Krebs, Diabetes Typ I und schlechte Knochen", behauptet Dahlke. Denn Krebs sei stets ein "Wachstumsthema" und Milch dank seines Gehalts an Wachstumshormonen "das gefährlichste Kanzerogen auf diesem Planeten". Andererseits könne man "Krebs durch die Ernährung an- und abschalten."

Dahlke redet dabei der veganen Ernährungsweise das Wort. Die sei nicht nur gesund, sondern ermögliche auch ganz neue Erfahrungen. "Wenn Sie das jahrelang machen, kommen Tiere zu Ihnen, die sonst nicht kommen. Da kuschelt sich dann beim Meditieren am Waldrand ein Hase an Sie, oder auch ein Iltis, ein Marder." Denn "diese Schwingungen, die von Mischköstlern ausgehen", seien am vegan ernährten Menschen nicht mehr wahrzunehmen. Dahlke hat folgerichtig das Konzept eines rein pflanzlichen "Peace Food" entwickelt. Die passenden Kochbücher und Lebensmittel gibt es praktischerweise gleich dazu.

Probleme mit anderen Menschen, erklärt der Arzt dem Publikum, kämen im Übrigen immer aus einem selbst - man projiziere nur das, was man in sich trage, auf unschuldige Andere. Dabei hat der Peace-Food-Erfinder, der sich "in Wackersdorf und Gorleben als Atomkraftgegner hat prügeln lassen", selbst nicht gerade wenige Feindbilder: "Ahnungslose" Schulmediziner, vor allem die Fachärzte, und "Medizyniker" gehören ebenso dazu wie unfähige Lehrer, "digital verblödete" Googler, Politiker im Allgemeinen und Kanzlerin Angela Merkel im Besonderen sowie natürlich Journalisten: "Von denen gibt es ja nicht mehr viele, die noch halbwegs klar denken können."

HintergrundWir baten Prof. Dr. Rudolf Ascherl, Chefarzt der Klinik für spezielle Chirurgie und Endoprothetik in Tirschenreuth, um eine Stellungnahme zu Dr. Dahlkes Thesen:

"Krebs ist leider zwangsläufig eine Wachstumsproblem: ein Problem der unkontrollierten Teilung bösartiger Zellen, der Vermehrung und schließlich Aussaat in andere Körperregionen. Über die Entstehung weiß die Onkologie noch lange nicht alles, aber in den letzten 10 Jahren ist durch die Forschung - ausschließlich der Schulmedizin - ein außerordentlicher Erkenntnisgewinn entstanden. Umwelteinflüsse, Veränderungen im Erbgut oder entzündliche Krankheiten, wie sie manchmal Viren hervorrufen, können für Geschwülste verantwortlich sein.

Auch in der Therapie sind die Erfolge unübersehbar. Inzwischen sind schon einige Arten von Blutkrebs auch beim Kind heilbar, bei den Knochentumoren sind die Überlebensraten zuletzt auf fast 85 Prozent gestiegen. Die Molekularbiologie bietet inzwischen hervorragende immunologische Methoden sowohl der Diagnostik als auch der Therapie. Gegen manche Krebsformen kann durch Impfungen vorgebeugt werden. Die Schulmedizin erscheint somit für Krebskranke als besonders zuverlässiger Partner, sie muss immer an erster Stelle der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge stehen. Andere Disziplinen und Fachgebiete können sie allenfalls ergänzen, niemals ersetzen - nicht in der Forschung, nicht in der Theorie und nicht in der Praxis.

Ein ganzheitlicher Ansatz darf bei keiner Krankheit vernachlässigt werden. Der Mensch bedarf nicht alleine der speziellen, organ- oder direkt krankheitsbezogenen Therapie, das wissen wir alle nur zu gut. Alternative Heilmethoden können allenfalls eine Zusatzmaßnahme darstellen. Ein guter Schulmediziner verschließt sich diesen therapeutischen Ansätzen nicht - gerade dann, wenn der Patient diese vorschlägt oder gar fordert. Grundpfeiler der Behandlung besonders bei ,ernsten' Erkrankungen bleiben aber immer noch schulmedizinische und damit erprobte Verfahren.

Eine echtes Problem entsteht, wenn Patienten mit schweren Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs oder auch Rheuma oder Diabetes, durch unbegründete und manchmal gefährliche, weil nicht geprüfte Therapiemethoden der alternativen Heilkunde aussichtsreiche Behandlungsmethoden vorenthalten werden. Das geschieht bedauerlicherweise immer wieder sogar bei Kindern. Die Schulmedizin wird durch diese Ärzte ins falsche Licht gerückt und die Patienten werden zu erfolglosen Behandlungen verführt, die nicht billig sind und am Ende sogar die Gesundheit kosten können." (m)
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Eva Ristl aus Neualbenreuth | 11.10.2016 | 04:10  
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