Flammende Plädoyers für die Heimat

Peter Hausbeck ist leidenschaftlicher Naturfotograf. Seine Digitalkamera ist schon ein wenig in die Jahre gekommen. Noch in diesem Jahr will er sie durch ein aktuelles Modell ersetzten. Das Makroobjektiv, mit dem er Pflanzen und Insekten ablichtet, wird ihm auch damit gute Dienste leisten. Die Bilder sammelt er thematisch in Ordnern und genießt sie am Flachbildschirm. Die Vereinsschriften des VSL fertigt er digital am PC. Derzeit arbeitet er an der Ausgabe 2008 bis heute. Die soll 2017 erscheinen.
Vermischtes
Tirschenreuth
15.07.2016
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Eines von vielen Biotopen, die der VSL käuflich erworben hat. Um eine Landschaft dauerhaft zu schützen, reichen die vorhandenen Naturschutzgesetzte nicht aus, nur durch Kauf sind sie zu sichern", sagt Peter Hausbeck.

Im Berufsleben war Peter Hausbeck Richter. Privat ist er Anwalt für die Natur. Er ist das Gesicht des Vereins zum Schutz wertvoller Landschaftsbestandteile in der Oberpfalz (VSL). Seit knapp einem Jahr lebt er in Tirschenreuth.

Geboren ist Peter Hausbeck 1938 in Eberswalde in der Nähe von Berlin. Beide Eltern stammten aus Regensburg. Der Vater war Buchhalter und ging berufsbedingt dorthin. Er habe schon früh geahnt, dass Deutschland nicht als Sieger aus dem Krieg hervorgehen werde. Er habe die Russen gefürchtet und wollte zurück nach Bayern.

Super-Kindheit


Deshalb wuchsen Peter Hausbeck und seine Schwester Eva in Regensburg in Stadt am Hof auf. Peter Hausbeck war vier Jahre alt, als der Vater in der Bezirkshauptstadt bei der Stadtverwaltung eine Anstellung fand. "Wir hatten eine Super-Kindheit, waren jeden Tag an der Donau, tauchten mit Leidenschaft nach Waffen, die dort die SS im Fluss entsorgt hatte, wir waren absolut frei, uns redete niemand drein", schwärmt er.

Das Abitur schrieb Peter Hausbeck am Neuen Gymnasium in Regensburg. Das war 1959. "Ich hatte damals keine Ahnung was ich werden wollte, nur soviel - niemals Lehrer. Es folgte ein Jahr der Suche und Orientierung. Ein Freund brachte mich auf die Juristerei." An der Uni in München schrieb sich Hausbeck damals ein. "Das war Massenbetrieb, völlig anonym und unüberschaubar, das gefiel mir nicht. Deshalb ging ich nach dem zweiten Semester nach Heidelberg." Dort heiratete er auch seine 2008 verstorbene Ehefrau Magdalena.

Als er mit dem Studium fertig war, gingen die Studentenunruhen, die heute als die "wilden 68er" bekannt sind, los. "Ich war durchaus ein 68er, ging mit den neuen Ideen und Forderungen konform. Dann merkte ich schnell, dass alles in Großmäuligkeit, Wichtigtuerei und Großsprecherei weniger Einzelner ausartete. Deshalb war ich selbst nie auf der Straße.

Da tauchten Flugblätter aus einer Mischung von Sprachgewirr und hohlen, absolut leeren Sprüchen auf. Das schreckte mich zutiefst ab. Im Nachhinein war es interessant zu sehen, dass viele Großmäuler von damals später in Führungspositionen in der Wirtschaft auftauchten." Nach dem zweiten Examen, das Peter Hausbeck mit Prädikat abschloss, stand es ihm offen in die Wirtschaft zu gehen, Rechtsanwalt oder Richter im Staatsdienst zu werden. "Letzteres war für mich schnell klar, weil ich immer selbstständig sein, nie zum Herdenvieh gehören wollte. Amtsrichter war deshalb mein Traum. Ich wollte in eine kleine Stadt und gerade war Waldsassen frei geworden. 1969 fing ich dort an. Ich war sofort zu Hause, weil ich nie der Vergangenheit nachtrauere. Im Gasthaus Altnöder (beim Board) ging ich öfters zum Essen. Nach einem halben Jahr kannte ich die Umgebung besser als so mancher Einheimische. Ich war jede freie Minute draußen, am Wehr beim Altenhammer und beim Schupfenteich." Zu der Zeit begann Peter Hausbeck auch zu fotografieren, eine weitere Leidenschaft, die er bis heute pflegt. Mehrere Aquarien dienten ihm als Forschungsobjekte. Sogar im Amtszimmer hatte er ein großes Chicliden-Becken stehen.

Neutralität wahren


Hausbeck befasste sich intensiv mit Naturkunde, Biologie und Paläontologie. 1973 ging er als Amtsgerichtsrat nach Kemnath und fühlte sich gleich wieder heimisch. 160 Quadratmeter groß war seine Mietwohnung im Gerichtsgebäude. "Als Richter in einer Kleinstadt sei es wichtig Neutralität zu wahren. Darum war Hausbeck gesellschaftlich eher zurückhaltend. Das änderte sich, als er 1975 Dr. Klaus Arbter vom Bund Naturschutz aus Tirschenreuth kennenlernte, der in Kemnath einen Vortrag über Naturschutz hielt. "Das war mein Ding und ich schloss mich der Vereinigung spontan an."

Von 1973 bis 1990 war Peter Hausbeck Richter in Kemnath. Danach bis zur Pensionierung 2004 Direktor des Amtsgerichts Tirschenreuth. Gewohnt hat er bis Ende des vergangenen Jahres weiterhin in Kemnath. Er sagt: "Ich hatte nie Ambitionen mich fest niederzulassen, ich wollte nie sesshaft werden, habe nie lange vorgeplant." Hausbeck ist leidenschaftlicher Fossiliensammler und nennt etwa 10 000 Exponate aus der Oberpfalz und Frankreich sein Eigen. Dazu kommen jede Menge Gehäuse von Schnecken und Muscheln. Die urtümlichen Überbleibsel weckten bei ihm das Interesse an Erdgeschichte. Es sei interessant, wie die heutige Lebewelt im Meer fast identisch mit der vor 10 Millionen Jahren sei.

Gesicht des VSL


Der VSL sei eigentlich der Regierung zu verdanken. 1977 suchte sie jemanden der einen Trägerverein zum Schutz wertvoller Oberpfälzer Landschaftsteile gründete. Dabei ging es bereits um Biotopgrundstücke. Es spielte sicher eine Rolle, dass ich Jurist bin. Bei der Gründungsversammlung waren 20 Leute dabei, heute sind wir etwa 250 Mitglieder. Und Peter Hausbeck ist weiterhin der Vorsitzende.

Ich hatte damals keine Ahnung was ich werden wollte, nur soviel - niemals LehrerPeter Hausbeck


Schöngeist Peter HausbeckWenn ihm die Arbeit für die Natur Zeit lässt, befasst sich Peter Hausbeck gerne mit Literatur. James Joyce, Arno Schmidt und Karl Valentin schätzt er. Und Friedrich Schiller. "Gegen ihn waren die 68er-Jungs harmlose Buben." Auch die großen Maler haben es ihm angetan. Goya, die Expressionisten, Tizian, Leonardo da Vinci, Tintoretto und Matisse nennt er spontan. "Musik liebe ich auch, obwohl ich nicht singen kann und als unmusikalisch gelte. Am meisten schätze ich den Jazz. Da heißen meine Helden Lester Young, Gerry Mulligan, Chet Baker und Billie Holiday. Klassik und Opern bin ich nie nahe gekommen." In den 1980ern packte Peter Hausbeck und seine Frau Magdalena das Reisefieber. Skandinavien, Frankreich, Italien, Tschechien und Italien erkundeten sie individuell. Anfangs mit umgebautem Kombi, dann mit eigenem Bus. Auch heute ist er mit seiner zweiten Ehefrau Johanna so unterwegs. Immer dabei ist die französische Bulldoge "Billie". Peter Hausbeck sagt: "Hier bin ich zu Hause, weil mir Tirschenreuth seit den 1980er Jahren vertraut ist. Die Einwohner sind mir sehr sympathisch. Mit Franz Kühn, Dr. Klaus Arbter und Richard Schleicher wohnen hier drei Freunde. Die Stadt ist sympathisch überschaubar", sagt der 78-jährige überzeugte Kleinstädter. (tr)
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