Fünf Drogentote seit Neujahr
Mit Drogen aus dem Leben

Versiegelt. Besteht der Verdacht auf eine unnatürliche Todesursache, wird der Leichnam von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Obduktion und gegebenenfalls eine toxikologische Untersuchung werden angeordnet. Im Fall einer 41-jährigen Weidenerin war im Januar vorsorglich die Wohnungstür versiegelt worden, weil Fremdeinwirkung anfangs nicht ausgeschlossen werden konnte. Bild: ma
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Tirschenreuth
08.03.2016
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Versiegelt. Besteht der Verdacht auf eine unnatürliche Todesursache, wird der Leichnam von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Obduktion und toxikologische Untersuchungen werden von der Staatsanwaltschaft angeordnet. Im Fall einer 41-jährigen Suchtkranken war im Januar vorsorglich die Wohnungstür versiegelt worden, weil Fremdeinwirkung anfangs nicht ausgeschlossen werden konnte. Bild: ehi

Drogen sorgen in dem noch jungen Jahr für eine schreckliche Zwischenbilanz in der Region: Fünf Todesfälle stehen bereits in den Berichten der Polizei. Am vergangenen Donnerstag sind in der Kreisstadt zwei junge Leute ums Leben gekommen. Nach ersten Erkenntnissen haben sie sich wohl ganz bewusst die Überdosis gespritzt.

(ws/ca) Feuerwehr, Polizei und Sanitäter waren am Donnerstag zur Wohnung des Pärchens in der Kreisstadt gekommen. Eine besorgte Bekannte hatte die Einsatzkräfte alarmiert. Nachdem keine Reaktion aus der Wohnung kam, wurde aus Sorge um die junge Frau die Tür durch die Feuerwehr aufgebrochen.

Die Sorge war berechtigt. In der Wohnung fanden die Polizeibeamten die 20-Jährige, die aus Selb stammt, und ihren 33 Jahre alten Freund aus dem Raum Schwandorf. Die junge Frau und ihre Freud sind vermutlich durch eine Überdosis Heroin gestorben. Beide haben diesen Schritt wohl bewusst vollzogen, lautet die erste Einschätzung der Kriminalpolizei Weiden. Genauere Erkenntnisse erwartet sich die Polizei vom chemisch-toxologischen Gutachten, informierte der Leiter der Kripo Weiden, Kriminaloberrat Thomas Bauer.

Zu den beiden Drogentoten in Tirschenreuth kam am Donnerstag ein weiterer Todesfall im Nachbarlandkreis. In Altenstadt/WN verstarb ein 33-jähriger Mann. Damit sind seit Jahresanfang in der Region bereits fünf Menschen durch Rauschgift ums Leben gekommen. Und bei allen geht die Polizei davon aus, dass sie Langzeitkonsumenten waren. So hatten vier der fünf Verstorbenen beim Auffinden noch die Spritze in der Hand beziehungsweise im Arm.

Der erste Drogentote dieses Jahres war ein Weidener (45), der am Montag, 18. Januar , in seiner Wohnung in Weiden tot aufgefunden wurde. Nach aktuellem Ermittlungsstand hatte er vor seinem Tod ein gebrauchtes Fentanyl-Pflaster ausgekocht.

Am Mittwoch, 20. Januar, wurde in ihrer Wohnung in der Weidener Altstadt eine 41-jährige Weidenerin gefunden, die seit Jahren suchtkrank war. Das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung steht noch aus.

Zu den Vorfällen kommen nun am 3. März die drei Toten in Tirschenreuth und Altenstadt/WN hinzu. Bei dem 33-Jährigen in Altenstadt wurden eine Spritze und Reste eines Fentanyl-Pflasters sichergestellt.

Fünf Drogentote seit Neujahr bedeuten einen starken Kontrast zum vergangenen Jahr. 2015 starb im Bereich Weiden, Neustadt, Tirschenreuth ein Langzeitkonsument (40) an seiner Sucht. 2014 registrierte die Kripo Weiden drei drogenbedingte Tote, in mindestens zwei Fällen aufgrund von Fentanyl-Missbrauch.

Letzter Ausweg: Fentanyl


Fentanyl ist ein Wirkstoff in starken Schmerzpflastern, wie sie Tumor-Patienten verabreicht werden. Das enthaltene Opioid gilt nach Auskunft von Kripochef Bauer als letzter Ausweg, wenn für Alternativen kein Geld mehr da ist. Bauer spricht von einem tückischen Drogenersatz: Der Wirkstoffgehalt sei nicht kalkulierbar. Die Bezugsquellen sind nicht bekannt. Häufig werden die Pflaster regulär verschrieben. Der Kripochef schließt nicht aus, dass Pflaster unachtsam weggeworfen wurden und Abhängige den Abfall von Praxen durchsuchen.

Alle Verstorbenen hatten es in ihren "Drogenkarrieren" mit mehreren Substanzen zu tun. "Der Einstieg erfolgt in der Regel mit Crystal oder Marihuana. Je nachdem, was leicht verfügbar ist", sagt Bauer. Irgendwann "reicht Crystal nicht mehr". Härtere Drogen kommen ins Spiel. "Daran zerbrechen nicht nur die Konsumenten, sondern auch deren Familien", bedauert Bauer. Umso wichtiger ist ihm frühzeitige Hilfe, wie sie bei den Suchtberatungsstellen oder über die Präventionsinitiative "Need NO Speed" geboten werde.

Bestätigt ist inzwischen auch ein Dopingtoter aus dem Jahr 2015. Im Herbst starb ein 29-Jähriger im Altlandkreis Eschenbach. Die Rechtsmedizin nennt illegale Dopingsubstanzen als Todesursache.
Am Ende liegt bei vielen Mischintoxikation vor. Ein langer Weg, an dem nicht nur die Konsumenten, sondern häufig auch die Familien zerbrechen.Thomas Bauer, Kripo Weiden


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