Gedenkfeiern zum Volkstrauertag in den Stiftlandgemeinden
Gegen Hass und Rassenwahn

Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung beging auch die Stadt Waldsassen den Volkstrauertag. Dabei wirkten auch wieder Schülerinnen der Mädchenrealschule mit. Bild: hfz
Vermischtes
Tirschenreuth
13.11.2016
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Die Marktgemeinde Fuchsmühl und der VdK Ortsverband legten Kränze nieder. Bild: wro
 
Die Kranzträger vor dem Ehrenmal in Plößberg. Bild: lk

Über 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben kostete, ist der Volkstrauertag wichtiger denn je. Nur wer erinnert, kann aus Vergangenen lernen, hieß es bei den Gedenkfeiern.

(heb/jr/wro/fpoz/bz) Bürgermeister Franz Stahl erinnerte in seiner Trauerrede nicht nur an die Opfer der beiden Weltkriege und des Holocausts, vielmehr spannte er den Bogen zur heutigen Zeit. Gerade die vielen syrischen Flüchtlinge zeigten deutlich zeigen, was es heiße, schutzlos zu sein, die Heimat verlassen zu müssen und in der Fremde Schutz zu suchen. Auch der anhaltende Konflikt in der Ukraine und die derzeit herrschende Eiszeit zwischen dem Westen und Russland gäben Anlass zur Sorge. "Wir können den Frieden nur bewahren, wenn wir aktiv für ihn eintreten." Es gelte, Konflikte mit Argumenten statt mit Lautstärke zu bestreiten. Stahl zitierte Albert Einstein: "Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen."

Unfassbare Dimension


Mit einem beeindruckenden Fackelzug am Samstagabend zogen die Mitterteicher Vereine zum Kriegerdenkmal. Bürgermeister Roland Grillmeier erinnerte an das Ausmaß der kriegerischen Auseinandersetzungen in diesem Jahr, dass es so in der Vergangenheit schon lange nicht mehr gegeben habe. "Deutschland und Europa sind den Frieden und die Stabilität gewohnt, er bröckelt aber immer mehr." Grillmeier bedauerte, dass es keine Kompromissfähigkeit mehr gebe, die über Jahrzehnte für Stabilität gesorgt habe. Grillmeier erinnerte an die Toten beider Weltkriege. "Wir kennen die historischen Hintergründe, die politischen Ursachen, die Schuld der Täter. Und wir bleiben am Ende doch stumm vor den unfassbaren Dimensionen des Leidens." Grillmeier forderte mehr Mut der Politik, Probleme zu lösen, Menschen zu helfen. "Wir können alle ein wenig mehr Optimismus und ein bisschen weniger Angst zeigen."

Das Gedenken war für Bürgermeister Bernd Sommer in Waldsassen ein wesentlicher Bestandteil der Erinnerungskultur. Über 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges müsse man aber auch die Frage stellen: "Reicht es aus, einmal im Jahr an die Schrecken der Kriege zu erinnern? Ist es nicht vielmehr an der Zeit, sich täglich bewusst zu werden, dass es uns vergönnt ist seit über 70 Jahren in Frieden zu leben?" Wenn auch vieles in Europa nicht gut laufe und besser werden müsse. "Ohne Europa wäre es bei weitem schlechter." Sommer kritisierte die sogenannten "Heilsbringer" in so vielen Ländern. "Sie donnern mit überzeugenden Worten einfache Parolen. Dass dabei stets die Erklärung über das Wie fehlt, stört die Euphorie aber nicht." Sommer verstand das nicht als Appell für bestimmte Parteien, sondern als Aufruf gegen bestimmte Bewegungen. Und er zitierte Bundespräsident Joachim Gauck: "Wir müssen verhindern, dass Hass und Rassenwahn von neuem die Gehirne vernebeln und die Herzen verderben."

Als Tag des Innehaltens, der Einkehr und des Mitgefühls bezeichnete 2. Bürgermeister Karl Busch den Volkstrauertag anlässlich der Gedenkfeier am Samstagabend im Eingangsbereich der Neuen Kirche Sankt Sebastian in Waldershof . Zuvor formierte sich ein Kirchenzug mit den Fahnenabordnungen der Vereine im Markt und zog musikalisch von der Falkenberger Blasmusik begleitet zum Gotteshaus. Die Gedenkfeier wurde vom Männergesangverein und der Blaskapelle musikalisch umrahmt. Busch mahnte die Besucher von Vorurteilen, die blind machen für die Wirklichkeit und taub für den Aufschrei des Nächsten abzulassen. Busch erinnerte an Martin Luther King: "Wir haben gelernt wie Vögel zu fliegen, wie Fische zu schwimmen, doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben."

"Die jüngsten Ereignisse geben größten Anlass zur Sorge, dass viel zu viele aus der Geschichte nichts gelernt haben", bedauerte Bürgermeister Wolfgang Braun in Fuchsmühl . Fremdenfeindlichkeit und Rassismus seien auf dem besten Weg wieder salonfähig zu werden. Den Gedenkgottesdienst zelebrierte Pfarrer Joseph. Besinnliche Texte sprachen Wolfgang Konz, Andreas Günthner und Karin Troesch. Eindringlich mahnte Braun: "Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dass wir auch in Zukunft in einem friedlichen und vereinten Europa leben können." Musikalisch wurde die Gedenkfeier in der Kirche und am Kriegerdenkmal vom Musikverein Wiesau umrahmt. Kränze zum Gedenken der Opfer legten der VdK Ortsverband und die Marktgemeinde nieder.

Bürgermeister Toni Dutz erinnerte in seiner Rede in Wiesau an die Vielzahl der Kriegsopfer auf beiden Seiten der Schlachtfelder. Doch für die jüngeren Deutschen rücke der Volkstrauertag immer ferner. "Erst wenn wir uns bewusst mache, dass hinter all den Zahlen Menschen stehen, beginnen wir den Verlust zu spüren.", Viel Leben, kreatives Potenzial und Lebensfreude sei durch menschenverachtende Regime und sinnlose Kriege zerstört worden. "Gestern wie heute sind Menschen auf der Flucht."

Musikalisch umrahmt wurde die Feier am Kriegerdenkmal durch Mitglieder des Wiesauer Musikvereins, begleitet von zahlreichen Fahnenabordnungen. Die Fürbitten am Mahnmal sprachen Mitglieder der Wiesauer Vereine. Marktrat Michael Dutz und Thomas Streber legen den Kranz am Denkmal nieder. Mit einem Blumengebinde erinnerte auch der VdK Ortsverband an die Opfer. Den Gottesdienst in der Pfarrkirche und den Festakt am Kriegerdenkmal feierte Pfarrer Max Früchtl. Feierstunden zum Volkstrauertag gab es am Vortag auch in den Gemeindeteilen Schönhaid und Leugas .

Vergessen und versessen


"In der Geschichte kann man nicht auf den Reset-Knopf drücken und bei Null anfangen", sagte Bürgermeister Lothar Müller bei der Gedenkfeier in Plößberg. Mentalitäten und Wertvorstellungen änderten sich nicht von heute auf morgen. Gerade die Deutschen seien verpflichtet mehr zu tun als andere. "Die jüngsten Ereignisse in unserem Land geben größten Anlass zur Sorge, dass viel zu viele aus der Geschichte nichts gelernt haben." Fremdenfeindlichkeit und Rassismus scheinen langsam salonfähig zu werden. "Damals wie heute sind es Geschichts-Vergessenheit auf der einen und Geschichts-Versessenheit auf der anderen Seite, die den Nährboden für diese giftigen Blindtriebe bilden."
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