Gefühle offenlegen

Vom Vorbereitungsteam wurde beim Ökumenischen Frühstück der Sketch "Das Frühstücksei" serviert.
Vermischtes
Tirschenreuth
19.10.2016
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Ein interessanter Vortrag und eine gesellige Runde bleibt das Erfolgsrezept des "Ökumenischen Frühstücks für jedermann". Diesmal waren rund 170 Frauen und Männer ins Stiftland-Gymnasium gekommen. Bilder: Privat (2)

"Reden ist Silber - Schweigen ist Gift!" Damit es zu keiner "Schieflage" in einer Beziehung kommt, hatten Maria und Friedrich Walter beim Ökumenischen Frühstück wichtige Tipps.

Schon lange hat die beliebte Veranstaltung ihre Türen weit geöffnet - und freut sich auch über die männlichen Gäste an der Frühstückstafel. Rund 170 Frauen und Männer waren vor kurzem zum Frühstückstreff ins Gymnasium gekommen. Durch das Programm führte Anja Dittmann. Den Auftakt gestaltete das "Neualbenreuther Zwio" mit "zwiedern" Liedern und Witzen zum Thema Partnerschaft. Der Sketch "Das Frühstücksei" von Loriot, dargeboten vom Vorbereitungsteam, leitete zum Vortrag von Maria und Friedrich Walther, Ruhestandspfarrer aus Neuendettelsau, über. Dabei ist Maria Walter in der Kreisstadt keine Unbekannte, war sie doch bereits das vierte Mal beim Frühstück zu Gast. "Das Gespräch ist der Herzschlag einer Beziehung", betonte die Referentin und fragte, wie sehr wir Anteil nehmen "an dem was wir erleben und was in uns vorgeht".

Ehrlicher Austausch


Mit den fünf Ebenen des Gesprächs (nach Powell) ermutigte Maria Walther die Zuhörer zu ehrlichem und intensivem Austausch, um einander kennenzulernen und damit eine tiefere Beziehungsebene zu erreichen. Dazu gehöre die "unverbindliche Kommunikation", etwa fragen wie es dem anderen geht. Punkt Zwei sei der Informationsaustausch, zum Beispiel wer geht zum Elternabend, wer betankt das Auto. "Es ist wichtig Termine abzusprechen", wusste die Referentin. Was hier nicht gelinge, stellt ein gewaltiges Konfliktpotenzial dar. Schon am Abend sollten die anstehenden Dinge für den nächsten Tag besprochen werden. Als dritten Punkt nannte Maria Walther den Gedanken- und Meinungsaustausch. Laut Umfragen gebe es in jeder länger bestehenden Beziehung "Tabuthemen", über die nicht (mehr) gesprochen wird. Die genannten ersten drei Stufen könnten die Basis sein für ein reibungsloses Miteinander. "Man kann ein gutes Arbeitsteam sein, aber man lernt sich dabei nicht wirklich kennen", so Maria Walter.

Damit wir nicht einsam in der Ehe seien, ist es wichtig, sich auf die Ebene 4 und 5 einzulassen. So müssten Gefühle und Ängste offengelegt werden. "Der Partner kann nicht wissen was ich fühle oder denke, wenn ich es nicht klar ausdrücke." Manche hätten es nie gelernt, offen zu sein und andere teilhaben zu lassen. Sie seien dazu erzogen, alleine zurecht zu kommen. "Andere sind enttäuscht worden und haben eine regelrechte Gefühlsblockade." Solche Leute bräuchten Hilfe von außen, durch einen Seelsorger oder Therapeuten. Die fünfte Ebene überschrieb die Referentin als die "ganze Offenheit". Hier lege man seine ganzen Ängste und Sehnsüchte offen, was man sonst vielleicht nur dem Tagebuch anvertraut. "Liebe ist, wenn ich jemanden in mein Inneres schauen lasse". Da beweise ganz großes Vertrauen dem Partner gegenüber. "Eigentlich beschreibt diese Art der Offenheit die Beziehung zu Gott", bemerkte die Referentin. Wichtig sei es, für solche Gespräche den richtigen Zeitpunkt zu finden, wenn der andere wirklich Zeit hat zum Zuhören. "Es ist wichtig, dass wir einander achten und nicht bewerten." Vor allem sollte man nie an Dritte Gesprächsinhalte aus der Partnerschaft weitergeben. "Vertrauen darf nicht missbraucht werden." Zum besseren Verständnis unterstrich das Ehepaar Maria und Friedrich Walther mit Spielszenen die einzelnen Punkte. Friedrich Walther übernahm die zweite Hälfte des Vortrages und ging speziell auf die Streitkultur ein. "Paare, die gut miteinander streiten können, leben besser miteinander." Es gehe um eine gute Konfliktlösungsstrategie. Wichtig sei es, in Wertschätzung Konflikte anzusprechen und miteinander eine Lösung zu finden. Es dürfe sich auch keine Schieflage in einer Beziehung entwickeln dadurch, dass einer sich ausgenützt fühlt. "Das Gleichgewicht von Geben und Nehmen muss ausgewogen sein", betonte Friedrich Walther. Keiner dürfe auf Kosten des anderen leben, man muss auf Augenhöhe miteinander umgehen. "Machen Sie beim Streiten keine Generalabrechnung, also nie die zurückliegenden Dinge der letzten Jahrzehnte auftischen", empfahl Walther.

Mit Gott sprechen


Zum Thema "Schweigen ist Gift" wusste Friedrich Walter, dass hier vor allen unsere vernachlässigte Beziehung zu Gott angesprochen ist. "Wenn wir mit Gott nicht im Gespräch bleiben, wirkt sich das auf unser gesamtes Leben, unsere Beziehungen negativ aus." Jesus selbst habe uns das "Vater unser" als Anleitung für den beständigen Kontakt zu Gott hinterlassen. "Nützen wir es", appellierte der Ruhestandspfarrer.

Paare, die gut miteinander streiten können, leben besser miteinander.Friedrich Walter
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