Geld, Pass, Kreditkarte - alles wieder da
16-jähriger Flüchtling ehrlicher Finder

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Tirschenreuth
01.08.2016
435
1

Klingt wie gut ausgedacht, ist aber wahr: Eine 17-jährige Amerikanerin lässt im Zug ihre Handtasche liegen. Geld, Kreditkarte, Pass - alles weg. Ein 16-Jähriger gibt die Tasche bei der Polizei ab. Nicht ein Cent fehlt. Der Finder stammt aus Afghanistan. Er lebt als unbegleiteter Flüchtling in Neustadt/WN.

So findet der deutsch-amerikanische Jugendaustausch, den der Landkreis Tirschenreuth seit 30 Jahren mit der kalifornischen Stadt Santa Fe Springs veranstaltet, einen sehr freundlichen Abschluss. Nach knapp drei Wochen treten die US-Jugendlichen noch diese Woche den Heimflug an - begleitet von ihren zehn deutschen Gastgebern. Mit an Bord auch die vergessliche 17-Jährige.

"Wir haben uns schon beim Konsulat in München stehen sehen", beschreibt Sabine Bauer den Schrecken, als die Tragweite des Verlustes klar war. Als kommunale Jugendpflegerin ist Bauer Mitbetreuerin im Austausch. Die junge Kalifornierin war mit ihrer 18-jährigen Austauschpartnerin aus Mitterteich in der programmfreien Zeit mit dem Zug zum Shoppen nach Nürnberg gefahren. Auf der Heimreise ließ sie ihre Handtasche liegen. Ein dreistelliger Geldbetrag, Kreditkarte und vor allem der Reisepass schienen auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Die Polizei wurde eingeschaltet, die Kreditkarte gesperrt. Es gab schon Bestrebungen, mit der US-Botschaft Kontakt aufzunehmen - ausgerechnet in München, wo der Ausnahmezustand wegen des Amoklaufs noch ganz frisch war.

"Die Aufregung in der Gruppe war ohnehin schon groß", schildert die Jugendpflegerin. Um so mehr freut sie sich über die Wende zwei Tage später. Die Polizeiinspektion Neustadt/WN bestätigte, dass die Tasche abgegeben wurde, und zwar mit vollständigem Inhalt. Als ehrlicher Finder erwies sich ein unbegleiteter Flüchtling. Der 16-Jährige wird momentan vom Kreisjugendamt Neustadt betreut.

Das alles sollte nicht ohne Dank im Sand verlaufen. Als die deutsch-amerikanische Austauschgruppe vor wenigen Tagen Flossenbürg besuchte, machte die glückliche Besitzerin der Handtasche einen Abstecher zur Wohngruppe des Asylbewerbers. Begleitet von US-Betreuerin Susan Johnston, dem Tirschenreuther Jugendamtsleiter Emil Slany und Sabine Bauer überreichte sie dem jungen Mann den gesetzlichen Finderlohn, ein Geschenk und ein offizielles Dankesschreiben des Landrats Wolfgang Lippert. "Ihre Geste zeigt deutlich, dass Ehrlichkeit und Menschlichkeit auch während der vergangenen und gegenwärtigen turbulenten Entwicklungen durchaus noch im Alltag anzutreffen sind", heißt es darin.
1 Kommentar
Sonja Kaute aus Weiden in der Oberpfalz | 03.08.2016 | 12:16  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.