Genossen verkaufen Milchhof

Rund 4000 Quadratmeter des Milchhof-geländes mit Bürogebäuden und ehemaliger Produktionshalle gehören ab 1. August Klaudia Schneider. Sie ist die Ehefrau eines Gesellschafters der Milchtransportfirma SWS. Bild: Grüner
Vermischtes
Tirschenreuth
05.07.2016
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Vorstandsvorsitzender Bernhard Schuller verkündete das klare Ergebnis: Ein großer Teil des Milchhofs wird verkauft. Bild: kro

Mehr als die Hälfte aller Milchlieferanten war diesmal zur Versammlung der Erzeugergemeinschaft gekommen. Schließlich ging es um den Teilverkauf des Milchhof-Geländes. Ohne weitere Debatten stimmten die Genossen mit großer Mehrheit zu.

(kro) Die ehemalige Produktionshalle, die aktuell die Firma SWS Milchtransporte nutzt, wird zum 1. August 2016 an Klaudia Schneider verkauft. Der Preis für dieses 4176 Quadratmeter große Grundstück beträgt 200 000 Euro netto. Diesem Kauf stimmten die Genossenschaftsmitglieder der Erzeugergemeinschaft Milchhof Tirschenreuth am Montagabend zu. Von den 133 anwesenden Stimmberechtigten waren 117 für den Verkauf, 4 dagegen. 12 Stimmen waren ungültig.

"96 Prozent der Mitglieder stimmten also für den Verkauf", bilanzierte Vorstandsvorsitzender Bernhard Schuller. Die Halle werde auch künftig von der Firma SWS genutzt, das BMI-Büro bleibe im zweiten Stock und auch für die Privatmieter ändere sich nichts. Ausdrücklich wurde in den Kaufvertrag aufgenommen, den das Notariat Sonja Pelikan aus Waldsassen erstellte hatte, dass eventuelle Sachmängel, Altlasten oder Bodenveränderungen ausgeschlossen wurden. Das Risiko von Altlasten habe der neue Besitzer zu tragen.

Nicht mit verkauft wurden der Parkplatz in Richtung Landratsamt, die Waage mit Überdachung, das Wohnhaus in der Mähringer Straße sowie das Wohnhaus mit angebauter Kfz-Schilderverkaufsstelle in der Johannisstraße. Schuller erläuterte, dass der Verkauf des Geländes unbedingt nötig gewesen sei, da es für die Genossenschaft jährlich einen Verlust von 20 000 bis 25 000 Euro erbrachte. Der jetzigen Lösung sei ein zweieinhalbjähriger Kampf vorausgegangen, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Heftige Kritik übte Schuller an der Baubehörde des Landratsamtes, weil sie die Nutzung des Milchhofgeländes als illegal hingestellt und mit der Einstellung des Betriebs gedroht habe, falls die Genossenschaft keinen Bauantrag stelle - "obwohl nichts gebaut wurde", so Schuller. Es folgten unzählige Gespräche mit der Stadt und dem Landratsamt, wobei sich die Stadt für eine weitere Nutzung durch die Firma SWS ausgesprochen habe. Doch die Baubehörde habe keine Zugeständnisse gemacht, so dass letztlich das Verwaltungsgericht Regensburg entscheiden musste. Dabei sei jedoch schnell klar geworden, dass die Erfolgsaussichten sehr gering seien. "Das Auftreten der Obrigkeit der Baubehörden ließ jegliche Unternehmerfreundlichkeit vermissen", fand Schuller. Letztlich musste ein Plan auf Nutzungsänderung durch die Spedition eingereicht werden. "Mit Anwaltskosten, Immissionsgutachten und allem Drumherum kostete dies die Genossenschaft satte 15 000 Euro." Doch nun sei endlich ein erfolgreiches Ende gefunden worden. (Weiterer Bericht folgt)

Im Tirschenreuther Milchhof standen die Halle und das Bürogebäude seit Einstellung der eigenen Produktion 2002 ziemlich leer. Die Bayerische Milchindustrie (BMI) übernahm 2002 den Geschäftsbetrieb und verlagerte 2010 auch die Umladestation nach Zapfendorf. Der Unterhalt der Gebäude verursacht vor allem immense Heizkosten, die nicht durch die Pachteinnahmen gedeckt werden, wie Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Schuller erläutert. Teile des Geländes und die Werkstatt nutzt die Spedition SWS Milchtransporte, in der sich ehemals angestellte Fahrer der Stiftländer Milch zusammengeschlossen haben. Einer der beiden Geschäftsführer ist Georg Schneider aus Tirschenreuth. Dessen Frau Klaudia Schneider ist nun die Käuferin des Milchhofteils. Die SWS wird die Einrichtungen unter neuen Besitzverhältnissen weiter nutzen, ebenso die überdachte Verladestation, die aber im Eigentum des Milchhofs bleibt. Am Werksverkauf der BMI und dem Abrechnungsbüro für Lieferanten im Büro soll sich nichts ändern. (as)

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