Grenzüberschreitende Rettung dank deutsch-tschechischer Kooperation
Mit Blaulicht aus der Grauzone

Bei einer Pressekonferenz stellte Projektleiter Robert Konrad (stehend) die geplante Zusammenarbeit mit den Partnern in Tschechien vor. Mit dabei waren (von links) Kreisgeschäftsführer Holger Schedl, BRK-Kreisvorsitzender Franz Stahl, stellvertretender Projektleiter Josef Ott und der Leiter des Rettungsdienstes, Manfred Maurer. Bild: wro
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Tirschenreuth
12.10.2016
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Mit dem Rettungswagen über die Grenze - das war selbst 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eigentlich gar nicht möglich. Endlich haben die Politiker eine entsprechende Kooperation unterzeichnet. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Die Schlagbäume an den tschechischen Grenzübergängen sind längst abgebaut, das Nachbarland ist seit vielen Jahren Mitglied der Europäischen Union. Die einst getrennten Regionen rücken - auch dank zahlreicher grenzüberschreitender Projekte - immer näher zusammen. Ein ganz anderes Bild bot sich jedoch bislang bei der Zusammenarbeit im Bereich des Rettungswesens.

Die Bilder sind bekannt: Hilfsbedürftige wurden bislang an die Landesgrenze transportiert, in freier Natur umgeladen. Erst dann konnte der Kranke oder Verletzte weiterversorgt, und in eines der nahegelegenen Krankenhäuser gebracht werden. "Einsätze an den Grenzübergängen gehören zum Normalfall", berichtete BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Dennoch seien Szenen wie diese alles andere als schön. Regelmäßig kommt es vor, dass Deutsche im Nachbarland verunglücken oder einen Notfall melden. Dann mussten die Patienten direkt an der Grenze vom tschechischen in den deutschen Sanka umgeladen werden - und umgekehrt. Jetzt macht eine neue Kooperation den Weg frei aus der rechtlichen Grauzone. Einsatzfahrzeuge auf beiden Seiten der Grenze sollen mit allen Sonderrechten ins jeweilige Nachbarland fahren dürfen - jedenfalls in einem fünf Kilometer breiten Streifen. Mit einem vor wenigen Tagen unterzeichneten Vertrag gehören einige Probleme nun endgültig der Vergangenheit an. Die Vereinbarung trat mit sofortiger Wirkung in Kraft. Bayerische und tschechische Rettungskräfte rücken damit noch enger zusammen.

BRK-Kreisvorsitzender Franz Stahl betonte: "Eine Grenze darf nicht am Helfen hindern. Wir können nichts dem Zufall überlassen." Die Lösungsbemühungen seien jedoch bisher an den strengen behördlichen Auflagen gescheitert. Aus unterschiedlichsten Gründen war es zum Beispiel den Rettungswagen nicht gestattet, die Grenzübergänge zu passieren. Ein Grund waren beispielsweise die Medikamente an Bord. Auch die Haftungsfrage, wenn den Rettern selbst etwas passiert, war ungeklärt.

Den länderübergreifenden Rettungsdienst bezeichnete Kreisgeschäftsführer Schedl als eine Herzenssache. Der am 3. Oktober in Karlovy Vary unterzeichnete Kooperationsvertrag zwischen Tschechien und Bayern sei der lang ersehnte Grundstein für eine Zusammenarbeit. Gefördert werde das Projekt mit 1,3 Millionen Euro, den darin enthaltenen Eigenanteil in Höhe von 15 Prozent übernehme das BRK.

Schedl wusste, dass mit dem jetzt in Kraft getretenen Papier nicht gleich die darin formulierten Ziele umgesetzt werden. Vielmehr liege es jetzt an den Akteuren und Bildungseinrichtungen auf beiden Seiten, die Kooperation mit Leben zu füllen, betonte der Kreisgeschäftsführer. Ob die vereinbarte Grenzzone von fünf Kilometern ausreichend sei, bleibe abzuwarten.

Robert Konrad leitet grenzüberschreitendes ProjektProjektleiter ist Robert Konrad aus Wiesau, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter aus den Reihen des BRK. Konrad möchte aufgrund seiner Erfahrungen im Rettungsdienst für einen guten Start der Zusammenarbeit sorgen. Mit seinem Kollegen Josef Ott wird er in den nächsten Jahren in Zusammenarbeit mit der Hochschule Deggendorf, der Universität Pilsen und den Verantwortlichen des tschechischen Rettungsdienstes die Grundlagen für die künftige Praxis erarbeiten und deren Umsetzung begleiten. Erste länderübergreifende Übungen erfolgten bereits, weitere sind in Planung. Des weiteren gibt es Überlegungen zur Beseitigung von Sprachbarrieren und Ideen zur reibungslosen Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten. Weiteres vordringliches Ziel ist laut BRK-Geschäftsführer Holger Schedl die Anerkennung der in den jeweiligen Ländern erzielten Berufsabschlüsse. Kaum Probleme gebe es bei der Zusammenarbeit der Rettungsleitstellen in Weiden und Karlovy Vary. Ein zweisprachiges Praxiswörterbuch ist in Arbeit. Zunächst nur als App entwickelt, erleichtert die später gedruckte Version die Zusammenarbeit erheblich. Trotz vieler noch offener Fragen, etwa bei der Mautregelung im Nachbarland und fehlendem Kartenmaterial, betrachteten die BRK-Vertreter die vereinbarte Zusammenarbeit als Meilenstein. (wro)
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