Griff nach der Gartenschau

Vor drei Jahren hat Tirschenreuth um den Fischhof (rechts) eine sehenswerte "Natur in der Stadt" durchgeführt. Jetzt will der Stadtrat nachlegen. Nach der Absage Traunsteins bewirbt sich Tirschenreuth für die Gartenschau 2022, die ebenfalls als "Natur in der Stadt" abgehalten werden kann. Das Konzept sieht einen "grünen Gürtel" (schraffierte Fläche) um die Altstadt vor. Kosten rund 8 Millionen Euro. Bislang soll es zwei Mitbewerber geben. Die Bewerbungsfrist endet Mitte Januar. Bild: hfz
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Tirschenreuth
24.11.2016
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Vor drei Jahren hat Tirschenreuth um den Fischhof (rechts) eine sehenswerte "Natur in der Stadt" durchgeführt. Jetzt will der Stadtrat nachlegen. Nach der Absage Traunsteins bewirbt sich Tirschenreuth für die Gartenschau 2022, die ebenfalls als "Natur in der Stadt" abgehalten werden kann. Das Konzept sieht einen "grünen Gürtel" (schraffierte Fläche) um die Altstadt vor. Kosten rund 8 Millionen Euro. Bislang soll es zwei Mitbewerber geben. Die Bewerbungsfrist endet Mitte Januar. Bild: hfz

Kühne Projekte können Franz Stahl und den Stadtrat nicht schrecken. Mit dem Griff nach der Gartenschau 2022 nehmen sich der Bürgermeister und das Gremium einiges vor.

Von Werner Schirmer

Die "Natur in der Stadt" war 2013 das Sommermärchen in der Kreisstadt. Rund 260 000 Gäste durften dabei sein, viele von ihnen sind bis heute Fans des Fischhofparks und kommen immer wieder zu einem Kurzbesuch in die Stadt. Jetzt will Franz Stahl "nachlegen". In der nichtöffentlichen Sitzung am Dienstag überzeugte der Bürgermeister den Stadtrat, die Bewerbung für die Gartenschau 2022 vorzunehmen. Einstimmig erfolgte der Beschluss.

Dabei muss es keine "große Landesgartenschau" sein, die in sechs Jahren die Besucher anziehen soll. Großzügiger will die Gartenschaugesellschaft die Veranstaltung 2022 auslegen. Der "Gewinner" darf wählen, ob Natur in der Stadt oder eben Landesgartenschau. Das kommt nicht von ungefähr, denn eigentlich sollte 2022 Traunstein zum Zuge kommen. Dort haben sich die Bürger allerdings gegen das Vorhaben entschieden.

Unerwartete Chance


Und hier sieht Franz Stahl die unerwartete Chance für Tirschenreuth. Während seiner Reha-Zeit nach der Hüftoperation hat der Bürgermeister die Entscheidung Traunsteins vernommen und sofort die ersten Weichen gestellt. Nichts hat bis heute seinen Schwung gebremst. Jetzt hat der Stadtrat dem Vorhaben "grünes Licht" gegeben. Bis 15. Januar können Bewerber ihre Unterlagen einreichen. Kurz danach wird schon der Vergabeausschuss unterwegs sein und sein Urteil fällen. Denn die Zeit drängt, schließlich bleiben nur sechs Jahre bis zur Durchführung.

"Das ist sportlich", blickt Stahl auf den Fahrplan, "aber machbar". Die Erfahrung spricht hier für Tirschenreuth. Denn 2006, also vor genau zehn Jahren, erhielt man im dritten Anlauf die Zusage für die "Natur in der Stadt Tirschenreuth". Nur sieben Jahre später begeisterte die Stadt mit dem Gelände rund um den Fischhof. Gut 15 Millionen Euro hatte Tirschenreuth für das Projekt sowie städtebauliche Maßnahmen aufgebracht. Die Gartenschau 2022 kalkuliert die Stadt mit rund 8 Millionen Euro. Auf die Jahre verteilt würden die Ausgaben den Haushalt nicht über Gebühr strapazieren, versichert Stahl, der in diesem Jahr sogar einen Rückgang der Schulden anvisiert. Dabei waren und sind für Stahl und den Stadtrat die Investitionen in eine Gartenschau langfristig angelegte Ausgaben. Schon 2013 hat gerade das städtebauliche Konzept mit seinen Qualitätsverbesserungen gepunktet. Und genau damit glaubt Stahl den Vergabeausschuss überzeugen zu können. Denn der Fischhofpark wirkt bis heute nachhaltig auf den Ort und seine Bewohner. Das zweite "heiße Eisen", das Franz Stahl aus 2013 noch im Köcher hat, ist das umfassende Konzept für die damalige "kleine Landesgartenschau". Von den Planern war neben dem Areal um den Fischhof auch der grüne Gürtel um die Altstadt mit betrachtet worden. Und dieses gelungene Grobkonzept für eine Fortsetzung hat Stahl jetzt aus der Schublade holen können. "Ein gutes Konzept ist ausschlaggebend für die Vergabe", weiß Stahl aus eigener Erfahrung, sitzt er doch seit 2013 mit in dem Gremium. Natürlich lässt der Bürgermeister dieses Amt im Vergabeausschuss die nächsten Monate ruhen.

Zwei Mitbewerber


Lange wirkende Qualitätsverbesserungen, Stärkung der Innenstadt und natürlich auch weitere Verschönerung der Ortschaft, das sind die Grundpfeiler für die Bewerbung. Dabei rechnet sich Tirschenreuth durchaus Chancen aus. Dass die Kreisstadt erst vor wenigen Jahren den Zuschlag erhalten hat, ist laut Stahl kein Handicap. Auch Städte wie Würzburg oder Ingolstadt haben nach kurzen Zeitspannen eine weitere Veranstaltung bekommen.

Gerade der knappe Termin für die Bewerbung ist für Stahl auch eine gute Position. Aktuell sind nach seinen Informationen nur doch zwei Bewerber mit im Boot.

Eine Stadt im WasserBei dem Konzept für die "Natur in der Stadt 2022" baut Tirschenreuth auf Historie, die Fortsetzung der Planungen von 2013 und weitere nachhaltige städtebauliche Verbesserungen, unter dem Motto "Eine Stadt im Wasser". Nachdem bis Anfang des 19. Jahrhunderts rund 200 Hektar Teiche den Ort umgeben haben, wird Wasser natürlich eine zentrale Rolle spielen. Für die Bewerbung nutzt Tirschenreuth weiterreichende Überlegungen aus 2013. Nach dem Areal um den Fischhof findet sich eine Fortführung des grünen Rings um die Altstadt entlang der Waldnaab, dann zurück über den "neuen Ententeich" und den kleinen Stadtpark Mühlbühl. Auf den Flächen, die sich übrigens alle im Besitz der Stadt befinden, könnten Bereiche für die Naherholung und Freizeit, ein Treffpunkt der Generationen, Abschnitte für Wohnen im Grüngürtel und eben größere Wasserflächen entstehen. "Die reihen sich wie Perlen um die Altstadt", blickt Franz Stahl in die Zukunft. Nach der Zustimmung im Stadtrat folgt jetzt eine Verfeinerung des Bewerbungskonzepts durch das Planungsbüro "Narr, Rist und Türk", das schon beim Wettbewerb 2013 dabei war. Bei den Kosten für die "Natur in der Stadt 2022" geht Tirschenreuth von 8 Millionen Euro aus, dazu würden 1,6 Millionen Euro vom Freistaat und 500 000 Euro von der Europäischen Union erwartet. Die Finanzierung könnte auf die Jahre bis 2022 verteilt werden. "Wir sind in der Lage, das zu schaffen", blicken Stahl und der Stadtrat auf Kosten und auch den kurzen Zeitraum bis zur Durchführung. (ws)
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