Griff zum kleinen Waffenschein

Im Internet findet sich das Formular für den "kleinen Waffenschein". Erst nach einer Zuverlässigkeitsprüfung gibt es die Lizenz. Dabei wird auch beim Bundeszentralregister nachgefragt. Bild: tr
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Tirschenreuth
05.03.2016
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Schreckschusswaffen oder Gaspistolen - die Bürger im Landkreis rüsten auf. Warum, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich.

Die Zahl ausgestellter kleiner Waffenscheine im Landkreis ist seit November 2015 stark gestiegen. Offensichtliche Gründe gibt es nicht - von gesetzgeberischer Seite sind beispielsweise keine Änderungen geplant, die den Erwerb des kleinen Waffenscheins erschweren würden.

Legale Schusswaffen


Die Lizenz berechtigt in der Öffentlichkeit zum "Führen von Waffen, die mit dem PTB-Prüfzeichen versehen sind". PTB steht für Physikalisch-Technische Bundesanstalt und kennzeichnet legale Schreckschusswaffen. Darunter fallen Gas-, Schreckschuss- und Signalwaffen. Diese dürfen jedoch nicht zu Versammlungen oder Veranstaltungen im öffentlichen Raum mitgebracht werden. Ohne diese Einprägung handelt es sich um eine scharfe Waffe. Das Schießen mit PTB-Waffen ist - auch an Silvester - nur im "befriedeten Hausrechtsbereich" und in Schießstätten erlaubt.

Im gesamten vergangenen Jahr wurden im Landkreis Tirschenreuth 47 Scheine ausgestellt, seit dem Jahresbeginn 2016 aber schon 67. Seit November stieg die Zahl der beantragten kleinen Waffenscheine massiv. Um PTB-Waffen nur zu besitzen bzw. zu erwerben, ist die einzige Voraussetzung die Vollendung des 18. Lebensjahres. Wem der reine Besitz nicht genügt, muss den Schein besitzen. "Die Gründe, warum man einen Waffenschein beantragen möchte, muss niemand nennen", erklärt Rita Hammer, die für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landkreis zuständig ist.

Zuverlässigkeitsprüfung


Ob ein Schein ausgestellt wird, entscheidet die Zuverlässigkeitsprüfung. Dazu werden beim Bundeszentralregister alle strafrechtlichen Verurteilungen angefragt. Generell darf der kleine Waffenschein auch an Personen mit strafrechtlichen Verurteilungen ausgegeben werden. Rita Hammer: "Ab 60 Tagessätzen wird es problematisch. Es handelt sich aber um eine Einzelfallprüfung." Ablehnungen gab es 2016 bisher nicht. Drei Anträge wurden zurückgezogen, nachdem auf eine mögliche Ablehnung hingewiesen wurde. Das Zurückziehen ist aufgrund der Kosten, die ein Ablehnungsbescheid mit sich bringt, vorteilhaft.

Nicht nur im Landkreis steigt die Zahl der kleinen Waffenscheine. In das Waffenregister Deutschlands wurden bis Ende Januar fast 301 000 dieser Scheine aufgenommen. Mögliche Gründe könnten die Anschläge in Paris oder die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln sein.
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