Hauptamtliche Mitarbeiterin für Hospizdienst
Dem Leben dienen bis zuletzt

Ihn begleiten, wenn ein Mensch hinübergeht in eine Dimension, die uns allen völlig unbekannt ist. Das ist die Hauptaufgabe des Hospizdienstes. Daneben kümmern sich die Helfer auch um die Angehörigen.
Vermischtes
Tirschenreuth
03.02.2016
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Angelika Wegmann (Dritte von links) ist seit 18. Januar hauptamtlich beim Hospizdienst des Landkreises tätig. Sie fungiert künftig sozusagen als Schaltzentrale, übernimmt die Erstgespräche und die Koordination. Damit entlastet sie vor allem auch die ehrenamtlichen Helferinnen Marianne Dietl und Beate Wiedemann (von links). Der evangelische Pfarrer Ralph Knoblauch, Dekan Georg Flierl und Caritas-Geschäftsführer Jürgen Kundrat (von rechts) wünschten der Neuen einen guten Einstieg. Bild: Grüner

Seit 2002 gibt es im Landkreis den ambulanten Hospizdienst unter dem Dach der Caritas. 120 Hospizbegleiter wurden bisher ausgebildet. 500 Sterbende wurden auf ihrem letzten Weg begleitet. Jetzt verstärkt Angelika Wegmann als hauptamtliche Fachkraft das Team.

"Die Aufgaben der Caritas sind in der letzten Zeit ganz schön gewachsen, deshalb sind wir heute hier." Mit hier meinte Caritas-Geschäftsführer Jürgen Kundrat die Altenstube, die Stadtpfarrer Georg Flierl im Pfarrhof für die offizielle Vorstellung der hauptberuflichen Hospizhelferin zur Verfügung stellte.

Zu wenig Platz


In den eigenen Räumlichkeiten sei für derartige Veranstaltungen im Moment kein Platz, aber es gäbe Gespräche und Abhilfe sei in Sicht. Aus Platzmangel teilt sich die Neue, Angelika Wegmann, deshalb auch ihr Büro mit der Buchhalterin. Das sei aber nicht problematisch, da ihr Job nur zum kleineren Teil aus Büroarbeit bestehe. Vieles könne sie von zu Hause aus, in ihrem Fall Trevesen, über das Hospiztelefon (0151/74 30 91 55) erledigen.

Der Hospizdienst ist aus einer ökumenischen Initiative heraus entstanden. Maßgeblich beteiligt war damals vor 14 Jahren der evangelische Pfarrer Ralph Knoblauch. Grundsätzlich sei der Dienst für alle offen, egal welcher Konfession oder auch keiner jemand angehöre.

Offener Umgang


Niemand habe anfangs geahnt, welch großer Bedarf dafür vorhanden sei. "Das hat sofort eingeschlagen und wurde angenommen." Im Laufe der Zeit sei deutlich zu spüren gewesen, dass ein offenerer Umgang mit der Thematik des Sterbens und dessen Begleitung entstanden sei.

Seit seinem Bestehen hat der Hospizdienst 120 ehrenamtliche Helfer, darunter einen Mann, für die Sterbebegleitung bei vier Vorbereitungskursen qualifiziert. Der fünfte Kurs beginnt demnächst (Kasten) . Wirklich aktiv sind etwa 25 Personen unterwegs. Den Rest sieht Kundrat als Multiplikatoren. Viele machten die Ausbildung auch aus beruflichen Gründen. "Das sind dann die Ansprechpartner vor Ort, zum Beispiel in Altenheimen."

Bisher lastete die Einsatzleitung auf den Schultern ehrenamtlicher Helfer, allen voran Marianne Dietl und Beate Wiedemann. Die künftige Hauptaufgabe der neuen Mitarbeiterin Angelika Wegmann. Kundrat erklärte, dass die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet seien, sich an den Kosten für die hauptamtliche Stelle zu beteiligen. Das bedeute aber keine 100-prozentige Kostenübernahme. "Inklusive Spenden werden sich die Personalkosten zu 90 Prozent finanzieren lassen", ist der Geschäftsführer zuversichtlich.

Offiziell angestellt ist Angelika Wegmann seit 18. Januar. Ihre Regelarbeitszeit beträgt 20 Wochenstunden. Wegmann ist Pflegefachkraft mit enormer Berufserfahrung. Die examinierte Krankenschwester war auch Lehrerin für Pflegeberufe, unter anderem an der Krankenpflegeschule in Tirschenreuth. Die Mutter von drei Kindern absolvierte 2011 die Ausbildung "Palliativ Care" in Nürnberg und bereits 2002 eine Hospizhelferausbildung. Ein Thema, das sie in ihren Unterrichten immer mit behandelt hat. In Krankenhäusern in Tirschenreuth, München und Erbendorf sammelte sie bereits früh Erfahrungen, was die Begleitung Sterbender betrifft. Neben Erstgesprächen und der Koordination von Einsätzen arbeitet sie auch als Dozentin bei den Hospizhelfer-Kursen und bietet Fortbildungen für Ehrenamtliche an.

Kraft durch Zuwendung


Pfarrer Ralph Knoblauch erklärte, dass es oft Geistliche seien, die den Kontakt zu den Hospizhelfern herstellten, wenn sie bei einem Menschen am Sterbebett seien. Er wies darauf hin, dass es kein Problem darstelle, wenn ortsansässige Pfarrer zu Sterbenden anreisen, die sie kennen. Wie wichtig die Hospizarbeit sei, untermauerte er mit Beispielen von Menschen, die dem Tod schon sehr nahe waren und durch plötzliche Zuwendung wieder zu ungeahnten Kräften kamen.

Kurs für HospizbegleiterDer erste Kursabend für den mittlerweile fünften Vorbereitungskurs für Hospizbegleiter beginnt am 17. Februar um 18.30 Uhr im Haus St. Josef (gegenüber Haupteingang der katholischen Pfarrkirche). An 16 Abenden bekommen die Teilnehmer das Rüstzeug, um später selber als ehrenamtliche Hospizbegleiter arbeiten zu können. Die Kurse dauern bis Juli. Daran schließt sich ein Praktikum mit 20 Stunden in einem Altenheim oder Krankenhaus an. Auch wer nicht beim Informationsabend dabei war, kann einfach zum Kurs kommen. Bisher sind 16 Teilnehmerinnen angemeldet. Auch Männer wären gerne gesehen. Weitere Infos erteilt die Caritas unter Telefon 09631/79 89 20. (tr)
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