Historische Gästeführung Teil II
"Zoigl und Schloutfecher-Vestl"

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe statte 1786 Tirschenreuth einen Besuch ab. Den Lehrer, die Posthalterin, den Dichterfürsten und den Hausknecht spielten bei der Generalprobe im ehemaligen Baierl-Biergarten von links, Anton Beer, Renate Krassler, Benjamin Trenner und Andreas Schirmer. Mit Teil II der Historischen Stadtführung haben die Macher einmal mehr einen Volltreffer gelandet - absolut sehens- und hörenswert. Bilder: Grüner (3)
Vermischtes
Tirschenreuth
23.05.2016
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Renate Krassler glänzt in jeder Rolle mit der perfekten Mimik und Gestik.

Hatte es bei der Generalprobe teilweise heftig geregnet, ging die Premiere am Samstagabend wie geschmiert über die Bühne. Da begeisterten die Gästeführer Cornelia Stahl und Thomas Sporrer das erste Mal mit der Historischen Stadtführung Teil II ihre erstaunte Gruppe.

Den ersten Teil konnten Urlauber, Familie und Vereine in den vergangenen zwei Jahren genießen. Allein im Vorjahr ließen sich 460 Menschen davon begeistern. Der große Erfolg beflügelte die Macher und sie machten sich, befeuert von den Zusagen der Verantwortlichen im Rathaus, Gedanken über eine Fortsetzung. Die ist absolut gelungen und stammt wieder aus der Feder des bewährten Regie-Duos Marianne Stangl und Manfred Grüssner.

Seit August in Planung


Bereits im August 2015 setzten sich die Autoren, die Gästeführer Cornelia Stahl, Gaby Saller und Thomas Sporrer sowie Eberhard Polland und Franz Krapf vom Historischen Arbeitskreis zusammen, um "Nägel mit Köpfen" zu machen. Einen Monat später begannen die Stellproben im Steigersaal im Kettelerhaus. Im April und Mai dieses Jahres fanden die Proben an den Originalschauplätzen statt. Im Mai bereits in Kostümen. Die hat Maria Meyer, Kostümbildnerin aus Waldsassen aus Teilen aus dem Fundus von Stadt- und MTT-Kostümen zusammengestellt, modifiziert und teilweise neu gemacht. Schon im Oktober 2015 machten sich die Gästeführer daran, Geschichten zu suchen. Eberhard Polland und Franz Krapf lieferten wertvolle Tipps zu möglichen historischen Szenen. Auch wo in der Stadt die Szenen bildwirksam am besten rüberkommen, war damals schon Thema.

An Schauspielern mangelt es in der Kreisstadt bekanntlich nicht und natürlich wurden die Regisseure beim Modernen Theater Tirschenreuth (MTT) fündig. Schnell waren zwei Teams zusammengestellt. Die rekrutieren sich aus: Renate Krassler, Inge Rankel, Anton Beer, Bernhard Neumann, Georg und Andreas Schirmer sowie Karl Jäger und Benjamin Trenner. Jeder Spieler verkörpert insgesamt fünf Rollen.

Leierkasten selbst gebaut


Eine ganz besondere spielt Josef Schmidkonz. Er bedient den Leierkasten, den er nach Ideen von Manfred Grüssner selbst zusammengebaut hat (wir berichteten). Zudem hat er die Schlüssel für sämtliche Spielorte und organisiert den Bühnenaufbau vor Ort. Da er keinen Parallel-Partner hat, ist er bei allen 17 Aufführungen dabei.

Die Suche nach geeigneten Spielorten habe sich da schwieriger gestaltet, erzählt Manfred Grüssner. "Wir sind den Familien Brückner, Beer, Kühn, Forster und dem Obst- und Gartenbauverein sehr dankbar, dass wir auf ihren Arealen spielen dürfen."

Fünf Szenen haben die Schauspieler pro Einsatz zu bewältigen. Auf der Wiese unterhalb der Johannisbrücke geht es um die Versteigerung der Stadtteiche. Auf dem Gelände des Obst- und Gartenbauvereins kommt dann das böse Erwachen, wenn die Akteure in der Spielszene und als Moritatensänger die Folgen der Versteigerung deutlich machen.

Im ehemaligen Baierl-Biergarten beim Brückner-Haus erwarten die Posthalterin, ihr Knecht und der Lehrer keinen Geringeren als den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, der inkognito mit der Postkutsche reist und dort den berühmten Satz "das Tuchmacherstädtchen liegt gar schön", ausspricht. Die Posthalterin versorgt alle mit frischem Zoigl, über den Goethe ebenfalls voll des Lobes ist.

Im ehemaligen "Musl-Wirtshaus" treffen sich Jakob und Fritz mit der Wirtin beim Anstechen des selbstgebrauten Zoigl. Der Bierprüfer "Schloutfecher-Vestl", den gab es wirklich, kommt zur Bierprüfung und macht sich Gedanken über Aussehen, Geruch und Geschmack des Gerstensaftes.

Die letzte historische Szene geht im Rosengarten zwischen Museum und Tourist-Info über die Bühne. Dort bereiten der Bürgermeister und sein Kämmerer alles für den Besuch des Pfalzgrafen Friedrich V., dem Winterkönig vor. Auf seiner Krönungsfahrt nach Prag verbrachte er 1619 eine Nacht in Tirschenreuth. Er reiste mit 100 Wagen und 569 Personen und forderte viel Geld für seine Krönungsfestlichkeit.

Gästeführer wechseln ab


Zwischen den Ortswechseln und Umkleidepausen erzählen die Gästeführer Cornelia Stahl, Thomas Sporrer und Gaby Saller (Ersatz), abwechselnd viel weiteres Wissenswertes zur Kreisstadt und ihrer Geschichte. Unter anderem geht es dabei um die Porzellanindustrie, die Murschrottkapelle als Entstehungsort der Wallfahrt oder das ehemalige Hoyer-Gelände im Stadtpark Nordwest.

Etwa 120 Minuten dauert eine historische Gästeführung. Das macht hungrig und durstig. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu einer Brotzeit und zum zwanglosen Plaudern mit Schauspielern und Gästeführern in "Franz-Josefs Atelier" in der Hochwartstraße 7.

Teil Zwei der historischen Führungen wird auch 2017 durchgeführt. Auch schon in diesem Jahr bieten die Gästeführer speziell für Urlauber dafür auch Führungen für Kleingruppen bis 10 Personen an. Die Flyer dafür liegen bei allen Vermietern aus.

InformationWeitere Infos erteilt die Touristinfo der Stadt Tirschenreuth unter Telefon: 09631/60 02 48 oder 60 02 49. Dort erfahren Interessenten auch für welche Termine noch Plätze frei sind. Aufgrund der starken Nachfrage sind zwei Zusatztermine ermöglicht worden: Sonntag, 3. Juli, 15 Uhr und Samstag, 6. August 18.30 Uhr. (tr)
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