Hochmoderne Technik bei der Untersuchung des Tirschenreuther Kanalnetzes im Einsatz
Filmaufnahmen im Untergrund

Oliver Fenzl von der ausführenden Firma (sitzend) erklärt Bürgermeister Franz Stahl und Stadtbaumeister Andreas Ockl (von rechts) die Vorgehensweise. Bilder: Grüner (2)
Vermischtes
Tirschenreuth
02.05.2016
40
0

Gemächlich spaziert die Ratte im Kanal umher, bleibt stehen, putzt sich, marschiert weiter. Ratten im Kanal sind nichts Ungewöhnliches. Durch Bruchstellen gelangen sie ins System. Im Tirschenreuther Stadtgebiet ist das ein Netz von etwa 80 Kilometern. Und die werden derzeit per Kamera auf Schadstellen abgeklopft.

Rund 300 Meter ist das Kabel lang, das die Daten der ferngesteuerten, 60 000 Euro teuren Spezialkamera in den Bus zur Auswertung schickt. Hochmoderne Technik, die mit Auto etwa 250 000 Euro kostet. Die Kamera sitzt auf einer Art Skateboard mit vier Rädern. 300 Meter sind aber ziemlich unrealistisch. Spätestens an der nächsten Abzweigung ist Schluss, muss der Einsatzwagen umgesetzt und der entsprechende Kanaldeckel geöffnet werden.

Gestochen scharfe Bilder


Dort waren kurz zuvor die Männer vom Bauhof mit dem Kanalspülgerät vor Ort und haben das unterirdische Areal kräftig durchgespült. Jetzt kann die Kamera wieder an Ort und Stelle eingesetzt werden. Auf mehreren Monitoren sind die gestochen scharfen Bilder zu sehen. Alles wird abgespeichert. So lassen sich eventuelle Schadstellen lokalisieren.

Notwendig geworden ist die Maßnahme, weil der Wasserrechtsbescheid für das Einleiten von Mischwasser aus den Regenüberlaufbecken abgelaufen und eine Neuerteilung wegen veränderter Bedingungen nicht möglich ist. Damit nicht unerlaubt Mischwasser in die Gewässer eingeleitet werden kann, hat das Wasserwirtschaftsamt eine beschränkte Erlaubnis mit Auflagen erlassen.

Dazu gehört die Untersuchung des Kanalnetzes durch TV-Inspektion und die Ermittlung des Sanierungsbedarfs. Außerdem müssen eine hydraulische Kanalnetzberechnung und eine Schmutzfrachtberechnung durchgeführt, das Kanalnetz klassifiziert, ein Sanierungskonzept und dessen Umsetzung erarbeitet werden. Die optische TV-Inspektion betrifft das gesamte Kanalnetz inklusive Straßenentwässerungsleitungen und Grundstücksanschlussleitungen. Etwa 15 Jahre sei es her, so Stadtbaumeister Andreas Ockl, dass das komplette Kanalnetz untersucht wurde. Anfang des Monats startete die Firma Kuchler Service aus Geiersthal im Bayerischen Wald mit der TV-Inspektion. Laut deren Mitarbeiter, Oliver Fenzl werden die Arbeiten am ersten Bauabschnitt (etwa 25 Kilometer) wohl bis Jahresende dauern.

Nach Abschluss Sanierung


Die Ausschreibung für Abschnitt zwei, ebenfalls rund 25 Kilometer, erfolgen noch in diesem Jahr, die für den dritten Baubaschnitt 2017. Verteilt auf fünf Jahre rechnet Bürgermeister Franz Stahl mit Kosten von 1 760 000 Euro.
Weitere Beiträge zu den Themen: Stadt Tirschenreuth (29)Kanalisation (3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.