Honig ist nicht gleich Honig

Dr. Friedgard Schaper, Honigobfrau des Imker-Landesverbandes, ist auch in der Jury bei der jährlichen Honigprämierung tätig. Bild: hfz
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Tirschenreuth
14.10.2016
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"Weiß jeder, was Honig ist?" Mit dieser Frage begann Dr. Friedgard Schaper ihren Vortrag bei der Herbstversammlung des Imkerkreisverbandes. Die Antwort ist nicht leicht, denn Honig ist nicht gleich Honig. Und was als solcher bezeichnet werden darf, ist in einer Verordnung streng geregelt.

Kreisvorsitzender Hans Schön freute sich über das volle FC-Sportheim und gab einen Abriss über das, was die Imker derzeit bewegt. Da war vor allem der unerwartet starke Honigeintrag im August, der für "paradiesische Zeiten" an den Bienenständen sorgte. Leider habe sich diese außergewöhnliche Tracht mit der Winterfütterung überschnitten, so dass vielerorts nicht habe geerntet werden können.

Die heuer letztmalig gezahlten Zuschüsse für die Varroa-Mittel seien eingegangen. Offen bleibe, wie sich die künftige Beschaffung der Mittel organisieren lässt. Eventuell wäre eine Sammelbestellung über die Imkervereine ein gangbarer Weg.

"Obwohl es derzeit keine Sperrbezirke im Landkreis gibt, haben wir vor, am Faulbrut-Monitoring des Tiergesundheitsdienstes teilzunehmen", machte Hans Schön deutlich. Er appellierte an die Mitglieder aller Imkervereine, daran mitzuwirken. Denn nur so könnten verlässliche Ergebnisse zustande kommen. Im Futterkranz von Bienenvölkern seien bereits bis zu zwei Jahre vor einem Ausbruch Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut nachweisbar. Mittels stichprobenartiger Untersuchungen von Futterkranz-Proben auf freiwilliger Basis könnten Seuchenherde und gefährdete Völker identifiziert und so die Sporenverbreitung eingedämmt werden.

Wenn es um Bienen und Honig geht, merkt man Dr. Friedgard Schaper ihre Begeisterung an. Die Bienen- und Honigexpertin, ehemalige Leiterin der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Fachzentrum Bienen, referierte verständlich und unterhaltsam zum Thema "Honigverarbeitung und Honigvermarktung". Sie spannte einen Bogen von der Erzeugung bis hin zum Genuss. Honig sei der von Bienen eingetragene Nektar oder Honigtau, mit körpereigenen Stoffen angereichert, in der Wabe eingelagert und gereift. Er bestehe im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere aus Frucht- und Traubenzucker, organischen Säuren, Enzymen und anderen Stoffen. Echter Deutscher Honig unterliege besonders strengen Qualitätsrichtlinien. Er müsse kühl, trocken, dunkel und geruchsfrei gelagert werden. Besonderes Interesse weckten die Tipps zur Verwendung von Honig in der Küche. Welche Honigsorten, kandiert oder flüssig, sind geschmacklich gut geeignet? Ob mildsüßer Rapshonig, angenehm würziger Waldhonig oder Sorten mit ausgeprägtem Eigenaroma wie Linde oder Löwenzahn - jede Sorte verfeinere den Geschmack auf seine besondere Weise. Passend zur Vorweihnachtszeit hatte die Rednerin auch Koch- und Backrezepte mitgebracht.

Nicht weniger wichtig als die Honiggewinnung sei auch die Vermarktung. "Wer was verkaufen will, muss auch die Kundschaft pflegen", erklärte Dr. Friedgard Schaper. Ein ansprechendes Sortiment, regionaler Bezug, Werbemaßnahmen oder ein attraktiver Verkaufsraum und vor allem eine hohe Qualität könnten zum Erfolg beitragen. Eine gute Möglichkeit einen Qualitätsbeweis zu erlangen, sei die Beteiligung an der alljährlichen Honigprämierung des Deutschen Imkerbundes. "Bereits eine Bronzemedaille wäre eine tolle Auszeichnung", betonte sie und legte den Imkern eine Teilnahme ans Herz.
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