Hot Currywurst Event
Das Feuer im Magen

Vermischtes
Tirschenreuth
06.06.2016
2001
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Urplötzlich scheint die Temperatur um etliche Grad zu steigen, auf der Stirn bilden sich Schweißtropfen und im Rachen brennt ein gemütliches Lagerfeuer. So oder ähnlich erging es elf mutigen Essern beim "Hot Currywurst Event". Am Ende bezwang ein Marktredwitzer Rettungsassistent die Flammenhölle in Soßenform und krönte sich zum Schärfe-Champion.

Jürgen Walter und Markus Nickl vom TFGC-Club stehen, bewaffnet mit schwarzen Latexhandschuhen und Pipetten inmitten ihrer dampfenden Zaubertrankmischerei. Die beiden mixen nach und nach ein höllisches Gebräu aus Ketchup, Chilisoßen und verschiedenen Pülverchen, um es dann mit chirurgischer Präzision Tröpfchen für Tröpfchen auf einige Currywurstscheiben zu träufeln. So entstehen viele kleine Portionen mit ordentlicher Feuerkraft. Dann ist die Arbeit der Küchenchefs fürs erste erledigt.

Im Garten des TFGC-Cafés am Rand des malerischen Fischhofparks warten am Samstag nämlich elf Liebhaber scharfer Speisen auf ihre Ration des teuflischen Kultimbisses. Diejenigen, die es gewagt haben sich . Die Teilnehmer beim "Hot Currywurst Event" mussten sich durch maximal sechs Runden kämpfen, wobei der Schärfegrad stetig erhöht wurde. Am Start waren auch drei Damen, die erstaunliche Leidensfähigkeit bewiesen, allerdings nach einigen Runden das Feld ihren männlichen Kollegen überließen.

Immer schärfer


Die erste Portion, quasi zum Aufwärmen gedacht, kam mit 3000 Scoville (siehe eigenen Bericht) noch recht harmlos daher. Zum Vergleich, Tabasco schafft es auf der Scoville-Skala nur auf 2500. Dann steigerten die "Brandmeister" in der Küche die Schärfe von 15 000 über 100 000 bis hin zu 750 000 Scoville. Nach diesen Runden hatte sich das Teilnehmerfeld bereits mehr als halbiert. Drei Minuten Zeit erlaubte den Essern das Reglement für den "Genuss" ihrer Würstchen, danach war ihnen eine zehnminütige Verschnaufpause gegönnt, während dieser aber nur Wasser zur Abkühlung gestattet war.

Sanitäter vor Ort


Wer spürte, dass sein Körper gegen die geballte Kraft der teuflischen Schoten nicht mehr standhalten konnte, der erhob sich unter tosendem Applaus der zahlreichen Zuschauern und verließ die Tafel. Im Innenraum des Cafés wurden die Aussteiger gleich von zwei Sanitätern in Empfang genommen und gründlich durchgecheckt. Volker Hellmich vom BRK weiß um die Risiken, die derart scharfes Essen mit sich bringt: "Die Finger kribbeln, der Kreislauf spielt verrückt und der Magen übersäuert." Mit fettiger Milch, Mascarponecreme und Toastbroten versuchten die Ausgeschiedenen gegen den Flächenbrand im Rachen anzukämpfen. Es gelingt ihnen bedingt. "Wenn man grade denkt es hört auf, brennt es sofort wieder", keucht zum Beispiel Josef Zeitler.

Verzichtserklärung


Nach fünf Runden kommt es zum finalen Showdown zwischen zwei Marktredwitzern: Nicolas von Malschitzki hat bislang ohne jede Gefühlsregung seine Currywurstscheiben hinuntergeschlungen, nicht anders Michael Röhricht. Dem Anlass angemessen kommt ein Pulver bestehend aus der "Carolina Reaper" auf den Tisch. Diese Chili-Hybrid Schote wird seit 2013 sogar im Guinness Buch der Rekorde aufgeführt und bringt es auf unglaubliche 1 569 300 Scoville. Nicolas von Malschitzki verschlingt ohne Zögern die feurigen Snacks, beim Kontrahent siegt der Selbsterhaltungstrieb und er legt die Gabel beiseite: Das Publikum tobt, der Sieger steht fest. Nachdem der die Glückwünsche seines Final-Gegners entgegen genommen hat, muss allerdings auch der scheinbar feuerfeste Sieger einige Momente sitzenbleiben. "Ich bin eigentlich nur zum Essen hergekommen", scherzt Von Malschitzki anschließend. Er musste übrigens, wie alle anderen Teilnehmer auch im Vorfeld eine Verzichtserklärung unterschreiben, um den Club rechtlich abzusichern. Das Startgeld betrug 15 Euro. Nach dem Finale durften sich übrigens auch die Zuschauer an den höllisch gewürzten Currywurststücken versuchen. Auch dabei flossen Tränen und es wurde viel gelacht.

Scoville - Einheit für SchärfeMittels der Maßeinheit Scoville wird der Schärfegrad von Früchten der Paprikapflanze gemessen. Die Scoville-Skala wurde 1912 von dem Pharmakologen Wilbur L. Scoville entwickelt und misst den Anteil des Capsaicins, eines Alkaloids, das die Schmerzrezeptoren der Schleimhaut reizt und so die Schärfeempfindlichkeit bedingt. Tabascosoßen bringen es auf ca. 2500 Scoville, reiner Cayennepfeffer auf rund 40 000 und Pfefferspray auf bis zu 300 000 Scoville. Der gemessene Spitzenwert der "Caroline Reaper" Schote liegt bei 2,2 Millionen Scoville. (axs)
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