Jahrzehnte ein Tabu
Die Vertreibung war bei den Tschechen lange kein Thema

Vor dem Lagermodell zeigten die Schüler des Projekt-Seminars den Gästen, wie die Situation im Grenzdurchgangslager Wiesau war. Im Bild (von links) Horst Adler, Elvira Wystrichowski, Peter Gold, Rudolf Tomsu, Christoph Köhler, Jens Zimmermann, Adalbert Busl, Fritz Holm und Georg Hecht. Bild: hfz
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Tirschenreuth
28.01.2016
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Die Vertreibung aus dem Sudetenland bestimmte nach dem Zweiten Weltkrieg das Geschehen auch in der Region. Schließlich wurden Hunderttausende durch das Grenzlager Wiesau geschleust. Aber auch jenseits der Grenze tat sich etwas.

Am 25. Januar 1946 erreichte der erste Zug mit Vertriebenen aus dem Sudetenland Bayern. Anlässlich dieses 70. Jahrestages präsentierten Schüler des Stiftland-Gymnasiums eine Projektarbeit über die Vertreibung und das ehemalige Grenzdurchgangslager in Wiesau.

Dieser Vortrag war Teil des Projekt-Seminars Geschichte, das bereits eine Präsentation vor den neunten Klassen gehalten hatte. Allerdings lag diesmal der Schwerpunkt weniger bei den Fakten über den historischen Hintergrund, sondern mehr bei der Arbeit des Seminars.

Zahlreiche Zeitzeugen hatten den jungen Leuten während ihrer Recherchen geholfen, Reinhold Maresch, Horst Adler, der Kreisobmann der Sudetendeutschen Landmannschaft (SL), und Adalbert Busl, der für die Chronik des Markts Wiesau zuständig ist.

2. Bürgermeister Peter Gold ging auf die geschichtliche Bedeutung der Vertreibung ein. Als Repräsentant des Marktes Wiesau war 2. Bürgermeister Fritz Holm anwesend, Schulleiter Georg Hecht und Christine Güntner vertraten die Schulleitung.

Die Schüler erläuterten den zahlreichen Gästen, wie das von Jens Zimmermann betreute Seminar überhaupt zustande gekommen war. Sie schilderten die Entstehung des Lagers und wie das Leben der Vertriebenen aussah, die darin lebten. Anschließend berichteten sie über ihre Interviews mit den Zeitzeugen, sowie ihr Treffen mit Adalbert Busl.

Anschließend erzählte der Journalist Rudolf Tomsu über "70 Jahre auseinander und zueinander. Bayerisch-tschechische Beziehungen aus der Sicht eines ebenso alten Tschechen". Er berichtete, wie sich das Leben der Menschen dort nach dem Krieg im Grenzgebiet abgespielt und wie sie die Vertreibung und ihre Folgen erlebt haben.

Seinen Vortrag gliederte er in zehn Bilder, die in seinem Gedächtnis haften geblieben sind, wie zum Beispiel seinen weinenden Vater, nachdem dieser im Tachauer Schloss die Art der Behandlung der Deutschen während der Deportation beobachtet hatte.

Außerdem wies Tomsu darauf hin, dass die Vertreibung in Tschechien viele Jahrzehnte lang ein Tabu-Thema war. Er erzählte von der Angst vieler Tschechen nach dem Fall der Sowjetunion, die Deutschen könnten zurückkehren. Die Sprachbarriere sei auch heute noch eine Mauer zwischen Deutschen und Tschechen.
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