Jugendpfarrer Thomas Helm plädiert für einen echten Dialog zwischen den Religionen
Keine Frage des Islam

Die Messe der 353. Wallfahrt zelebrierten (von links) Stadtpfarrer Georg Flierl, Pater Klaus Kniffki, Jugendpfarrer Thomas Helm aus Regensburg und Pfarrer Josef Schön. Bild: hfz
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Tirschenreuth
18.09.2016
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Brandaktuelle Themen nahm Diözesan-Jugendpfarrer Thomas Helm jetzt in seiner Predigt bei der "Wallfahrt zu unserer lieben Frau von Tirschenreuth" auf: Handelt es sich bei Burka, Niqab (die Vollverschleierung im Islam) oder dem Kopftuch um ein religiöses Symbol oder gar um ein Symbol für die Unterdrückung der Frau? "Bei den abendlichen Talkshows erzielen diese Fragen immer hohe Einschaltquoten", wusste der Geistliche und fragte: Sollte das Tragen in der Öffentlichkeit generell verboten werden? Greift hier der Staat zu sehr in die Freiheitsrechte des Einzelnen ein?

Nur vordergründig scheine es allein um den Islam zu gehen. Im Kern gehe es nämlich allein um die Frage, welchen Stellenwert die Religion und der praktizierte Glaube im öffentlichen Raum habe. "Dies betrifft auch das Christentum, wenn gefordert wird, unter anderem sämtliche religiöse Symbole wie zum Beispiel auch das Kreuz aus öffentlichen Räumen und Plätzen zu entfernen oder gar die Gipfelkreuze auf den Bergen.

"Sind wir in Europa und Deutschland wirklich noch das vielbeschworene ,christliche Abendland'". Die katholische und evangelische Kirche schrumpften beständig. Mancherorts sei ein Priester oder eine Ordensfrau schon fast etwas Exotisches. "In eben dieser Situation sind wir mit Menschen konfrontiert, die aus einen anderen Kulturkreis kommen, eine andere Religion mitbringen und diese in ihrem Leben praktizieren." Diese Tatsache mache vielen Angst. Sie wüssten nicht damit umzugehen und setzten Religiosität mit Extremismus gleich. Das müsse zu denken geben.

"Ängstigen müssen uns nicht die Menschen eines anderen Glaubens, die diesen bei uns praktizieren. Ängstigen muss uns, dass viele Christen bei uns den christlichen Glauben nicht praktizieren, geschweige ihn kennen", stellte der Jugendpfarrer fest. Die Gottesmutter Maria könne vielleicht auch eine Brücke zum Islam sein. "Denn trotz aller Unterschiede in unserem Glauben gibt es auch einzelne Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten." So werde im Koran über Maria berichtet, dass sie eine fromme und ehrwürdige Frau sei und ganze ohne Sünde. "Dieser Gedanke ist uns gut bekannt."

Ein echter Dialog unter den Religionen, gegenseitiges Verstehen und gegenseitige Wertschätzung - das kann laut Thomas Helm nur gelingen, wenn man zunächst den eigenen Glauben und die eigene religiöse Tradition kenne und praktiziere und davon ausgehend auch den anderen und dessen Tradition respektiere und achte. Und wenn man schließlich im Gebet und im Vertrauen auf Gott Wege zueinander suche, ohne den eigenen Glauben zu verraten. "Alle Religion aus der Öffentlichkeit zu verbannen ist jedenfalls nicht der richtige Weg zu einem guten und friedlichen Miteinander."
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