Keine Meldepflicht für Krätze

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Tirschenreuth
01.07.2016
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So richtig vorbereitet war niemand darauf. Schließlich galt die Krätze in unseren Breiten fast als ausgerottet. Doch seit dem Frühjahr sind im Landkreis mindestens 20 Menschen davon betroffen. Es gibt zwar eine Dunkelziffer - laut Gesundheitsamt jedoch keinen Grund zur Panik.

Auf Nachfrage des "Neuen Tag" bestätigte Hygienekontrolleur Jürgen Lober, dass im Wiesauer Altenheim ein neuer Fall diagnostiziert wurde. Entsprechende Maßnahmen seien ergriffen, die betroffene Person medikamentös behandelt. "Bisher gab es nur Salben und Bäder, mittlerweile sind aber auch Tabletten zugelassen. Das hat den Vorteil, dass keine Hautstelle vergessen werden kann", sagt der Sachbearbeiter im Gesundheitsamt Tirschenreuth.

Von diesem Einzelfall abgesehen, der bei der Erstbehandlung vor etlichen Wochen im Heim wohl "durchs Raster gerutscht" sei, habe die Behörde keine neuen Erkenntnisse. Die Erkrankung an sich ist nicht meldepflichtig. Nur bei Gemeinschaftseinrichtungen wie in Heimen oder Kindergärten läuft die amtliche Maschinerie an, weil dort die Gefahr der Ansteckung auf engem Raum besonders groß ist. Dann werden auch Pflegekräfte und Kontaktpersonen auf Wunsch mitbehandelt.

Der Hygienekontrolleur des Gesundheitsamts gibt grundsätzliche Entwarnung: "Wir gehen davon aus, dass der Ausbruch der Infektionskrankheit abgeschlossen ist." Diese Einschätzung geschehe auch in Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit.

Behandlung angeboten


Erstmals sicher diagnostiziert wurde Scabies, wie der medizinische Fachausdruck lautet, Ende April bei einer älteren Patientin, die nach Aufenthalten im Krankenhaus Tirschenreuth und im Seniorenheim Wiesau an die Uniklinik nach Regensburg kam (wir berichteten). Zu allem Überfluss war es eine besonders ansteckende Form, die Borkenkrätze. Bei vielen Krankenhaus-Mitarbeitern trat Juckreiz auf. 15 Pflegekräfte wurden medikamentös behandelt. "Seit Anfang Mai sind wir frei von Scabies", bestätigt Stephan Landgraf, Pressesprecher der Kliniken Nordoberpfalz. "Wir haben allen Mitarbeitern, die Kontakt hatten, und ihren Angehörigen eine Behandlung angeboten." Für Aufregung sorgte der Krätzebefall naturgemäß auch in den Altenheimen. Die erkrankte Person war zur Kurzzeitpflege in Wiesau untergebracht, wo sich im April vier Verdachtsfälle beim Pflegepersonal und drei bei Mitbewohnern bestätigten. Auch in einem Tirschenreuther Heim, wo die Seniorin kurz untergebracht war, kam es in einem Fall zur Übertragung der Krätze, wie Jürgen Lober vom Gesundheitsamt berichte.

Was rät die Behörde Menschen, die Angst vor der Milbe haben? "Man darf nicht in Panik verfallen. Eine Ansteckung ist normalerweise erst bei engerem Kontakt möglich." Der Hygienekontrolleur empfiehlt bei Verdachtsfällen schnelle ärztliche Abklärung und verweist auf den Erregersteckbrief, den das Amt bereithält. "Schutzmaßnahmen im Vorfeld sind in der Regel kaum möglich, da Krätze bereits unbemerkt vor Beginn der Beschwerden übertragen werden kann", heißt es darin.

Täglicher Wäschewechsel


Falls Körperkontakt zu Betroffenen unvermeidlich ist, werden Einmalhandschuhe empfohlen, ebenso täglicher Wäschewechsel und eine Behandlung bei 60 Grad. Schlecht zu reinigende Dinge wie Kuscheltiere oder Schuhe sollten in Plastik verpackt vier Tage bei über 20 Grad verbringen. Das tötet die Milben ebenso ab wie ein Aufenthalt in der Tiefkühltruhe.

Wir gehen davon aus, dass der Ausbruch der Infektionskrankheit abgeschlossen ist.Hygienekontrolleur Jürgen Lober


Bis zu acht Wochen InkubationszeitDie Krätze ist eine Infektionskrankheit, bei der sich Parasiten in die obere Hautschicht des menschlichen Wirts bohren. Die Übertragung erfolgt durch engen Hautkontakt, seltener durch Kleidung oder Bettwäsche. Anders bei der hochansteckenden "scabies norvegica" oder "Scabies crustosa" (Borkenkrätze), wie sie im Frühjahr im Landkreis Tirschenreuth bei einer Patientin aufgetreten ist. Hier kann kurzer Haut- oder Stoffkontakt ausreichen. Die Inkubationszeit bei Krätze gibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelrecht mit zwei bis sechs, selten bis zu acht Wochen an: "In diesem Zeitraum verspürt der Patient so gut wie keine Symptome, trägt aber bereits zur Weiterverbreitung der Krankheit bei." Dem typischen Juckreiz, vor allem in Bettwärme, folgen Pusteln und Hautausschläge. Die ärztliche Diagnose erfolgt durch die Suche nach Bohrgängen in der Haut und einen Milbennachweis im Labor. (as)
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