Komplizierte Rechtslage
Deutschland diskutiert den Doppelpass

Glaubt man der Statistik, wurden vergangenes Jahr 562 Babys im Landkreis Tirschenreuth geboren. Über 94 Prozent davon haben rein deutsche Eltern. Archivbild: Grüner
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Tirschenreuth
25.08.2016
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Deutschland diskutiert den Doppelpass. Allerdings nicht den zwischen Mesut Özil und Thomas Müller. Da geht es wirklich nicht um Fußball.

Den Doppelpass könnten beispielsweise die 57 im vergangenen Jahr im Landkreis Tirschenreuth geborenen Babys mit mindestens einem ausländischen Elternteil haben. "Könnten", weil so einfach ist das nicht: Denn eine zweite Staatsbürgerschaft ist dann ein Thema, wenn im Herkunftsland von Mama und Papa das Geburtsrecht herrscht, sprich der Anspruch auf die Staatsbürgerschaft auf der Abstammung basiert.

Aber nix Genaues weiß keiner: Statistisch sind die Babys entweder Deutsche oder Ausländer. Der Blick auf die Eltern sagt allerdings: Von den 526 als deutsch eingetragenen Babys hatten 94,1 Prozent oder 495 rein deutsche Eltern, die aber auch eingebürgert sein könnten. Diese Kinder haben definitiv keinen Anspruch auf einen Doppelpass.

Weil die deutsche Staatsbürgerschafts-Rechtslage komplizierter ist als anderswo, ist es nicht so einfach in hie deutsch, hie Ausländer zu unterscheiden, wenn's um die kommende Generation geht. Das Blutrecht, vornehmer ausgedrückt Geburtsrecht, bei dem die Abstammung zählt, wurde mit dem Ortsrecht, sprich dem Ort der Geburt kombiniert. Aber anders als in Amerika, wo Amerikaner ist, wer dort geboren wird, gibt's bei uns die rechtliche Feinheit, dass das erst nach acht Jahren Aufenthalt gilt.

Unter diesen Voraussetzungen lässt sich sagen: Von den 552 Neugeborenen des vergangenen Jahres 2015 wurden 526 Babys als Deutsche eingetragen und 26 mit einer ausländische Nationalität. Unter den deutschen Kindern können aber auch welche mit ausländischen Teilwurzeln sein. Das hängt von den Eltern ab. 495 Babys hatten zwei deutsche Elternteile. In weiteren 19 Fällen war die Mutter Ausländerin und der Vater Deutscher. Die umgekehrte Situation, also die Mutter Deutsche und der Vater Ausländer, trat bei zehn Geburten ein. Und 28-mal freuten sich zwei ausländische Menschen über ihren Nachwuchs.

Bei den ersten drei Eltern-Gruppen ist aus deutscher Sicht rechtlich alles klar: Die Kinder sind alle Deutsche. Ausländische Staaten mit Geburtsrecht sehen das aber anders, deswegen gibt's hier die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft. Bei der Gruppe der Eltern mit der doppelten Ausländerschaft, gibt's Unterschiede. Da sagt das deutsche Staatsbürgerschaftsgesetz: "Durch die Geburt im Inland erwirbt ein Kind ausländischer Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil ... seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat."

Jetzt wissen wir, warum im Landkreis Tirschenreuth 28 Babys ausländische Eltern haben, aber nur 26 Kinder als Ausländer eingetragen wurden, während 2 einen deutschen Pass bekamen. Gute Deutsche, schlechte Deutsche? Vor allem erst einmal Kinder. Und später? Kommt ganz drauf an, was Eltern, Mitmenschen und Bildungssektor aus den Kleinen machen.
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