Landkreis Tirschenreuth verzeichnet für das Jahr 2015 ein Wanderungsplus von über 500 Bürgern
Demografischer Klau

Vermischtes
Tirschenreuth
09.08.2016
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Insgesamt 3634 Männer, Frauen und Kinder zogen im Jahr 2015 in den Landkreis Tirschenreuth, darunter 262 aus anderen Bundesländern. Von hier weggezogen sind demgegenüber 3130 Menschen - macht unterm Strich ein Wanderungsplus von 504 Bürgern.

Arbeitsplätze, Lebensqualität, Wohlstand - das verbinden viele mit Bayern und ziehen hierher. Das lässt sich dann wiederum an der Einwohnerzahl ablesen, die ja mittlerweile hauptsächlich durch Zuzüge und weniger durch Geburtenüberschüsse steigt. Der Kreis Tirschenreuth wuchs im Jahr 2015 durch Wanderungsgewinne um 504 Bürger. Ein Jahr zuvor war es ein Plus von 130.

Landesweit gab es ein kräftiges Plus von rund 164 000 Menschen (71 200 mehr als im Vorjahr), weil deutlich mehr Leute (1 Million) nach Bayern gezogen als von hier abgewandert sind (845 000). Aus anderen Bundesländern zog es dabei rund 125 300 Neu-Bayern in den Freistaat. Die Fortzüge gegengerechnet, blieb ein Wanderungsgewinn von 4000 Bürgern. Der gewichtigere Teil geht freilich auf das Konto der grenzüberschreitenden Wanderungen und des darin enthaltenen Wanderungsplus bei den ausländischen Staatsbürgern (plus 169 000). Was kaum verwundert, angesichts des großen Zustroms von Flüchtlingen in der zweiten Jahreshälfte 2015. So wurden die größten Wanderungsgewinne über die Bundesgrenze hinweg durch Syrer (+33 500) erzielt, gefolgt von Rumänen (+20 200), Afghanen (+14 300) und Polen (+8400), haben die Statistiker des Landesamtes festgestellt.

Lässt man die Flüchtlinge außen vor und blickt nur auf die "innerdeutschen Migranten", lockte der Kreis Tirschenreuth 262 Menschen aus dem Bundesgebiet an. Davon zogen 68 aus den nördlichen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen sowie aus Nordrhein-Westfalen hierher. Weitere 59 siedelten aus dem Nachbarland Baden-Württemberg über, 26 aus Berlin und 61 aus den östlichen Bundesländern, um einen groben Überblick über die Anteile der Herkunftsländer zu geben. Aus anderen Gemeinden Bayerns zogen übrigens 1293 Menschen zu. Der Rest hatte ausländische Pässe.

Die mobilste Altersgruppe ist die der 18- bis 30-Jährigen. Sie sind es, die ihrer Heimat den Rücken kehren und ihr Berufsglück gerne woanders suchen, was den Altersstrukturen am Zielort zweifellos gut tut. Im Landkreis wurden 1250 junge Menschen als Zuzügler notiert. An allen 3634 Zuwanderern hatten sie damit einen Anteil von 34 Prozent. Bevölkerungswissenschaftler bezeichnen die Zuwanderungsströme junger Erwachsener übrigens als "demografischen Klau". Denn angesichts der schrumpfenden Bevölkerung und des drohenden Fachkräftemangels ist die Zuwanderung die einzige Möglichkeit den künftigen Wohlstand zu sichern, solange die Vermehrungsrate nicht vehement anschwillt.

Allerdings schlagen sich in diesen Zahlen mittlerweile auch viele junge Flüchtlinge nieder. Doch diese sind aktuell noch weitaus häufiger auf Sozialleistungen angewiesen, als dass sie Geld in die Sozialkassen bringen. Somit taugt diese Vergleichszahl als Indikator nur bedingt. Natürlich gibt es auch Menschen, die aus dem Kreis Tirschenreuth weggezogen sind. 3130 waren es zuletzt. Somit fiel hier der Wanderungssaldo (Zuzüge minus Fortzüge) unterm Strich positiv aus.
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