Landkreis weiter auf der Suche nach Halle für Flüchtlinge
Schlecht, teuer oder abgelegen

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Tirschenreuth
15.12.2015
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Es ist nicht so, dass der Landkreis nicht sucht. Aber die Alternativen für die Notfallunterkunft für Flüchtlinge in der Wiesauer Turnhalle sind dünn gesät. Die Vereine müssen weiter ohne "ihre" Halle auskommen. Aber sie dürfen wenigstens auf etwas Entschädigung hoffen.

Landrat Wolfgang Lippert sprach es im Kreisausschuss deutlich aus: "Die Dreifachturnhalle darf keine dauerhafte Unterbringung sein." Doch angesichts der vielen Schutzsuchenden habe die Regierung der Oberpfalz die Zusage zurückziehen müssen, dass das Gebäude ab 1. Dezember wieder für die ursprüngliche Nutzung zur Verfügung steht. Das Landratsamt sei seit Wochen verstärkt auf der Suche nach alternativen Gebäuden - ohne Erfolg: "Entweder menschenunwürdig, viel zu teuer oder fast in der Einöde, wo ich keine 200 oder 300 Leute unterbringen kann."

Notfalls selbst bauen


Auslöser der Debatte waren Einlassungen von Toni Dutz, der nicht nur Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion ist, sondern auch Bürgermeister von Wiesau. Und nicht zuletzt als solcher hatte er wiederholt darauf gepocht, dass die Vereine ihre Turnhalle bald wieder nutzen können. Notfalls müsse halt der Landkreis mit Hilfe der Kewog selbst etwas bauen.

Nachfolgenutzung


Mit der Wohnungsbaugesellschaft sei man durchaus im Gespräch, erwiderte der Landrat. Nur sei es schwierig, auf einer Mietbasis von drei Jahren ein passendes Gebäude hinzustellen: "Wir brauchen etwas, das sich rechnet", sprach er eine nötige Nachfolgenutzung an. Ohne konkreter zu werden, deutete er jedoch einen "richtungsweisenden Weg" in Absprache mit der Regierung an. Er sei da permanent dran.

"Der Vorwurf, der Landrat will nicht, ist falsch", machte Lippert auch an Gesprächen mit den betroffenen Wiesauer Vereinen fest. Dabei sei er bei den Sportvereinen und dem Häusl-Club Leugas durchaus auf Verständnis für die schwierige Situation des Landkreises gestoßen, berichtete er von einer konstruktiven Atmosphäre.

Zahlung an Vereine


Die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag hätten sich bereits auf ein gewisses finanzielles Signal geeinigt, den Einnahmeverlust etwa durch den ausfallenden HCL-Fasching oder fehlende Hallenturniere auszugleichen. Die Rede war von 1000 Euro "Soforthilfe". Die Anträge sollen auch an höhere Stelle weitergeleitet werden: "Die Regierung ist gefragt, ihren Obolus beizutragen."

CSU-Sprecher Dutz meinte, es gehe um viel mehr als ums Geld: "Manche Kinder und ihre Eltern überlegen einen Vereinswechsel, da geht es um die Substanz." Wiesau zeige Solidarität mit den Flüchtlingen, aber eine Turnhalle könne nicht dauerhaft die Lösung sein. Der Landkreis müsse selbst etwas neu bauen, damit wenigstens zum Beginn des nächsten Schuljahrs eine Lösung greifbar sei: "Das muss zügig angegangen werden."

"Brauchen Perspektive"


Der Landkreis Neustadt habe es schließlich auch geschafft, die Flüchtlinge von der Schulturnhalle in eine andere Halle umzuquartieren. Die Vereine bräuchten die Perspektive, dass sie wenigstens mit dem Beginn des neuen Schuljahres die Dreifachhalle wieder nutzen können.

Ein Prozent der Landkreis-BevölkerungMit konkreten Fakten, sprich Flüchtlingszahlen, wartete Oberregierungsrätin Regina Kestel am Montag auf. Wobei sich die täglich ändern: "Aktuell sind in der Wiesauer Notfallunterkunft 80 Menschen. Heute Abend werden es 190 sein." Abgesehen von diesen Plätzen im Erstaufnahmeverfahren verfügt der Landkreis über rund 750 Unterkünfte, in Gemeinschaftshäusern wie in Tirschenreuth und Waldsassen oder in dezentralen Wohnungen quer durch den Landkreis. "1,02 Prozent der Einwohner des Landkreises sind derzeit Asylbewerber", verdeutlichte Kestel. Und: "Wir sind weiterhin dran, Unterkünfte zu requirieren. Etliche Gemeinden, die bisher keine hatten, haben jetzt welche. Es tut sich was." (as)
Manche Kinder und ihre Eltern überlegen einen Vereinswechsel, da geht es um die Substanz.Toni Dutz
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