Luchsin im Steinwald freigelassen
Wildfang soll wild bleiben

Luchse sind Pirsch- und Lauerjäger. Und sie sind meist nachts aktiv. Den Tag verschlafen sie. Bekommt man sie dennoch zu Gesicht, dann meist in Freigehegen, wie hier im Bayerischen Wald. Bild: bz
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Tirschenreuth
25.08.2016
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Die Freilassung der Luchsin im Steinwald wird von den Naturschützern als Sensation gefeiert. Schließlich ist es seit mehr als 45 Jahren die erste dieser Art in Bayern. Und von den Jägern gewollt.

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg hat als größter Waldbesitzer im Steinwald die Aktion vorangetrieben. Er selbst begrüßt ausdrücklich die große Katze, die einmal in den weiten Wäldern Bayerns heimisch war, bis sie gegen 1850 ausgerottet wurde. Das ist für den stellvertretenden Kreisvorsitzenden der Tirschenreuther Jäger "ein unwiederbringlicher Verlust von Natur in der Welt und damit ein barbarischer Akt, der einer kultivierten menschlichen Zivilisation nicht würdig ist".

Obwohl: Dem Luchs in Bayern wieder eine Heimat zu geben, ist höchst umstritten bei Jägern, Land- und Forstleuten. Insofern wollte sich wohl auch Dr. Günter Baumer, Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes, selbst ein Bild von der Stimmung vor Ort machen, als er am Montagabend die Info-Veranstaltung im Gasthof Prockl besuchte. "Dem Präsidium ist es wichtig, dass so etwas aus der Jägerschaft heraus kommt." Und das tat es, wie bereits berichtet. Selbst der Bauernverband lehnte die Freilassung nicht kategorisch ab, auch wenn Obmann Ely Eibisch nur von "geteilter Freude" sprach. Während die Bayer-Wald-Luchsin vom Tierpark Lohberg ins Stiftland umgesiedelt worden ist, ist "Kate" vom Wildpark Mehlmeisel in den Nationalpark Sumava gezogen. Hätte man da wegen der jeweils räumlichen Nähe nicht einen Rollentausch machen können? Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt, verneint das. Weil: "Kate" ist ein Gehegetier, im Wildpark Mehlmeisel geboren und dort auch an Besucher gewöhnt. Auch in Tschechien wird sie mit Menschen zu tun haben. Gut 150 000 Besucher im Jahr erwarten sich die Verantwortlichen im dortigen Infozentrum.

"Wutscherl" dagegen ist ein Wildfang. Und auch in der fast achtmonatigen Quarantäne im Tierpark Lohberg war man streng darauf bedacht, die Katze mit so wenig Menschen wie möglich in Kontakt zu bringen. Schließlich soll das Weibchen seine natürliche Scheu behalten. In freier Wildbahn lernen die Muttertiere die Jungen an, wie sie Beute machen können. Dass die verwaiste Jung-Kätzin jetzt im Steinwald schon nach wenigen Tagen ihr erstes Rehkitz gerissen hat, zeigt, dass der natürliche Jagdinstinkt voll ausgeprägt ist.

Der Luchs ist zwar ein Pirsch- und Lauerjäger, er streift aber weit umher und nimmt schon Reviere von rund 100 Quadratkilometern für sich in Anspruch. Wie die Kätzin im Steinwald zurechtkommt, werden die nächsten Monate zeigen. Ob sie bleibt, abwandert, Straßen quert und überfahren wird, oder auf einen Kuder trifft und mit ihm eine Familie gründet - alles ist möglich. Am Grenzkamm kommen immer wieder sporadisch junge Männchen vor. Nachweise gibt es seit Mai 2014 aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, aus der Gegend um Pleystein und - erst vor wenigen Wochen - bei Georgenberg.

Hier der Bericht über die Auswilderung: Junges Weibchen im Steinwald freigelassen.
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