"Made in Landkreis Tischenreuth"

Vermischtes
Tirschenreuth
24.10.2014
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Landrat Wolfgang Lippert, zieht seinen Hut vor den Unternehmen im Landkreis Tirschenreuth. Sie seien bestens aufgestellt und viele zählten sogar zu den "Global Playern".

Die Technologie-Tage der Wirtgen-Group jüngst bei der Hamm AG mit 3200 Besuchern aus aller Welt haben wieder einmal bewiesen: Viele Unternehmen im nördlichsten Landkreis der Oberpfalz sind international bestens aufgestellt, gehören zu den "Global Playern". Dass der ländliche Raum als Standortvorteil gesehen werden kann, verdeutlicht Landrat Wolfgang Lippert im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wir haben oft den Eindruck, dass viele Firmen ihr Licht etwas unter den Scheffel stellen.

Lippert: Es gehört wohl zu den Tugenden der Oberpfälzer, dass sie sich nicht outen, wie gut sie eigentlich sind. Der Art und Weise, wie die Wirtschaft im Landkreis gerade jetzt wieder Millionen investiert, begegne ich mit großem Respekt.

Nennen Sie uns ein paar Beispiele.

Lippert: Nehmen wir nur die Radhersteller Ghost in Waldsassen oder Cube in Waldershof. Oder Schön mit den Liebensteiner Kartonagen, Hamm in Tirschenreuth, Schott in Mitterteich, Kassecker in Waldsassen, die Softwarescheune IGZ in Falkenberg und Erbendorf oder Ziegler Logistik am Bahnhof Wiesau. Tolle Produkte und Dienstleistungen für den internationalen Markt "Made in Landkreis Tirschenreuth". Ich weiß noch von mindestens zwei weiteren Firmen, die demnächst größere Investitionen planen, das aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht publik machen wollen.

Wie schlägt sich das Engagement auf dem Arbeitsmarkt nieder?

Lippert: Wir haben vor allem bei den so wichtigen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen zugelegt, und zwar um über 500. Das Plus von 2,4 Prozent ist Rekord in der Oberpfalz. Und bei einer Quote von 4,2 Prozent ist auch die Arbeitslosigkeit auf niedrigem Niveau. Wir entwickeln uns also durchaus positiv.

Gut, aber der Landkreis leidet an einem Bevölkerungsschwund, hat allein in den vergangenen 20 Jahren über 6600 Menschen verloren.

Lippert: Stimmt. Tirschenreuth ist der Landkreis der Oberpfalz, der vom demografischen Wandel am meisten betroffen ist. Und deshalb haben wir bereits viele Weichen gestellt, um dem Problem Herr zu werden. Ich denke da an unser seniorenpolitisches Gesamtkonzept, an das demografische Handlungskonzept oder an unser Mobilitätskonzept "Baxi", um die Menschen unabhängig vom Individualverkehr mit Bus und Taxi zu ihrem Ziel zu bringen.

Derzeit arbeiten wir an einer Lösung, wie wir Leerstände bereinigen und Mietwohnungen modernisieren können. Wir haben die Zukunftscoaches, die an der Schnittstelle zwischen Schulabgang und Eintritt ins Berufsleben tätig sind, um unsere jungen Leute dazu zu bewegen, im Landkreis zu bleiben. Wir haben eine Musterwohnung eingerichtet, um "Wohnen im Alter durch Technik" darzustellen.

Und wir arbeiten hervorragend mit dem Amt für Ländliche Entwicklung zusammen, um wieder mehr Leben in die Dörfer zu bekommen. Wir brauchen eine gesunde Infrastruktur, wir brauchen die Schulen und die Kindergärten, wir brauchen die ortsnahen Krankenhäuser, die Banken und Sparkassen. Ja, wir brauchen auch die Wirtshäuser in den Dörfern draußen. Alles, was unseren Landkreis eben lebenswert macht.

Und was tut der Landkreis noch?

Lippert: Der sorgt unter anderem auch für die sogenannten "weichen Faktoren". Etwa mit dem Bündnis für Familie. Wir wollen Frauen in Arbeit bringen, ihnen die Chance geben, dass sie parallel zur Familie einer Beschäftigung nachgehen können. Der Arbeitskreis Schule und Wirtschaft hat wieder richtig "Drive" bekommen. Unsere Wirtschaftsförderung berät unsere hiesigen Firmen über Fördermöglichkeiten, sei es bei Investitionen, Innovationen oder Betriebserhalt und Nachfolge.

Neben der kreiseigenen Wirtschaftsförderung zeigt auch das Gründerzentrum in Waldsassen nachhaltige Erfolge. Befragte Firmengründungen aus 2003 und 2004 gaben bei heuer geführten Gesprächen an, über 125 Arbeitsplätze geschaffen zu haben.

Stichwort Förderung. Da gehört auch die Unterstützung des Staates dazu.

Lippert: Nehmen wir die Stabilisierungshilfen. Die waren für die einzelnen Kommunen mehr als wohltuend. Allerdings gab es Irritationen bei der Umsetzung der geforderten Haushaltskonsolidierung. Freilich müssen die betroffenen Gemeinden zeigen, wie sie einsparen wollen. Man darf ihnen aber nicht die Luft nehmen. Freiwillige Leistungen machen oft das Leben erst lebenswert.

Wir hatten eigentlich mehr an die wirtschaftliche Seite gedacht.

Lippert: Wir haben das große Glück, dass unser Landkreis wieder in die EU-Förderkulisse reingerutscht ist. Weit über 80 Millionen Euro flossen in den Landkreis Tirschenreuth an Zuschüssen aus der Wirtschaftsförderung. Die neue Förderkulisse hat zwar die Zuschüsse daraus reduziert, allerdings sind wir weiterhin in weiten Teilen des Landkreises Höchstfördergebiet in Bayern.

Das mag für den Mittelstand gelten, aber auch für wirklich große Unternehmen, wie sie jeder Bürgermeister gerne in seiner Gemeinde hätte?

Lippert: In den Gesprächen mit "Invest in Bavaria" kommt immer wieder zum Ausdruck: Zwei oder drei Hektar große Gewerbeflächen, wie sie bei uns meist angeboten werden, sind einfach zu wenig. Da muss man klotzen, darf man nicht kleckern. Deshalb ist die interkommunale Zusammenarbeit, bei der Mitterteich, Waldsassen und Wiesau an der Autobahn 50 bis 60 Hektar ausweisen, eine Riesenchance für den Landkreis.

Das gelingt aber nur, wenn das alle so sehen.

Lippert: Freilich gibt es berechtigte Hinweise, etwa was den Naturschutz angeht. Aber ich denke, wenn alle Seiten Kompromisse machen, geeignete Ausgleichsflächen gefunden werden, dann sollte sich das auch realisieren lassen. Wenn auch die Regierung guten Willens ist, dann steht einer Ansiedlung nichts im Wege. Wackersdorf ist da ein gutes Beispiel. Das war politisch gewollt. Und deshalb ist es auch gelungen.

Politisch gewollt ist auch die Behördenverlagerung. Da hat Tirschenreuth ja mit dem Amt für Ländliche Entwicklung bereits eindeutig gewonnen.

Lippert: Richtig. Deshalb darf der Landkreis aber nicht bei weiteren Überlegungen von vornherein außen vor bleiben. Die Verlagerung eines Amtes und seine Aufgaben müssen auch zu einem Landkreis passen. Blinder Aktionismus hilft nichts, da muss man gezielt etwas auf die Beine stellen. Ich habe da bereits Heimatminister Markus Söder einen Vorschlag unterbreitet.
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