Mit Alpakas im Seniorenheim
Wollknäuel zum Streicheln

Heilpraktikerin Berta Frank ( im blauen Pullover) hält die Tiere auch zu Therapiezwecken. Im Seniorenheim "Ziegelanger" ging ihr Konzept auf. Die Heimbewohner blühten sehr auf, als sie die Alpakas streicheln durften. Bild: ub
Vermischtes
Tirschenreuth
18.11.2016
264
0

Im "Haus Ziegelanger" hat das Publikum das Lampenfieber gepackt, während die Stars des Tages völlig unaufgeregt durch das Foyer spazieren. Die Aufregung ist durchaus berechtigt. Derart große Streicheltiere sind schließlich nicht die Regel.

Die Rede ist von zwei Alpakas namens Pancho und Faxi, die alles neugierig mit kugelrunden Augen betrachten, ungeniert durch das Seniorenheim wandern und dabei manchen Bewohner vorsichtig anstupsen, damit dieser sie streichelt.

Dass im Heim zwei Alpakas herumspazieren, ist sprichwörtlich auf Mitarbeiterin Heike Walters "Mist gewachsen". Die Altenpflegerin hatte nach einem Ausflug zum Mitterhof bei Hundsbach, wo die Tiere leben, die spontane Idee zu einem Gegenbesuch.

Tierhalterin Berta Frank gefiel das. "Tiere streicheln ist für alte Menschen eine wundervolle Sache. In Großstadtheimen gehört das längst zur Therapie. Nur auf dem Land hat es sich bisher nicht durchgesetzt." Freilich hat Frank für den Streichelnachmittag aus ihrer Herde zwei ausgenommen sanfte Tiere ausgewählt. Nicht alle Alpakas seien zur Therapie geeignet, erklärt sie. "Sie müssen von klein auf trainiert werden."

Faxi, ein siebenjähriger Wallach, hat Erfahrung mit Menschen. Etwas scheuer reagiert Pancho. Der zweijährige weiße Wallach muss den Umgang mit den Zweibeinern erst lernen. Das macht nichts, denn ebenso reagiert auch mancher Heimbewohner anfänglich scheu auf die großen Wollknäuel. Natürlich sind es mehr die Frauen, die freudestrahlend den lieben Besuch ins Herz schließen, während die Männer Interesse an Zucht und Haltung zeigen.

Die Ausnahme macht Josef Bauer. Der betagte Senior im Rollstuhl streichelt Faxi mit auffällig intensiver Hingabe. Ihm scheint der Umgang mit großen Vierbeinern Routine zu sein. Tatsächlich wecken diese bei Josef Bauer schöne Erinnerungen ans frühere Leben als Landwirt, erzählt Heike Walters. "Den Schwarzen mag ich nicht. Aber der Weiße, den will ich streicheln", ruft eine Seniorin und will Pancho zu sich locken. Zuerst zögerlich tut ihr das Alpaka bald den Gefallen. Die Seniorin lacht darüber hellauf - welche Freude diese Tiere bereiten können! Berta Franks Therapiegedanke zeigt in kürzester Zeit seine Wirkung, die Heimbewohner blühen auf.

Nicht nur die ältere Gesellschaft ist angetan von den possierlichen Vierbeinern. Zwei Altenpflegerinnen unterhalten sich verzückt darüber, ob der Chef etwas dagegen hätte, Alpakas draußen auf der Heimwiese zu halten. Oje, wohl eher nicht, denken die beiden an die Arbeit, die damit verbunden wäre. "Oder vielleicht tut's auch eine Katze", kommt der etwas bescheidenere Vorschlag.

Eine Heimkatze, wird verraten, sei tatsächlich in Planung. Die Heimbewohner würde das sicherlich freuen. Zwar kann ein Stubentiger den Charme eines großäugigen Alpakas nicht toppen, aber die wesentlich kleinere und damit handlichere Alternative hat bekanntlich auch ein streichelweiches Fell.

Zum Thema:
Zu Besuch auf dem Alpakahof
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.