Mittendrin bei den EM-Helden
Kerstin und Thomas Kurzeck fahren spontan zum Handballfinale nach Krakau

Die Eintrittskarten zum EM-Finaltag in Polen heben Kerstin und Thomas Kurzeck ganz bestimmt gut auf. Bild: Grüner
Vermischtes
Tirschenreuth
02.02.2016
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Nach dem Sieg badeten die deutschen Handballer in der Menge der begeisterten Zuschauer. Im Bild präsentieren Finn Lemke (links) und Martin Strobel die souverän erkämpfte goldene Schale. Bild: Kurzeck

Warum nicht mal was Verrücktes machen und spontan nach Krakau fahren? Die Kurzecks haben es getan und waren dabei, als das deutsche Handballteam Geschichte schrieb. Das Ehepaar kam im Finale den Sportlern ganz nah - und sogar ins Fernsehen.

Thomas Kurzeck und seine Frau Kerstin saßen beim Kaffee in einer Gaststätte, als am Samstagnachmittag die verrückte Idee reifte. Deutschland im Finale der Europameisterschaft - warum nicht versuchen, live dabei zu sein? "Wir hatten zwar keine Karten, aber ich wusste, es sind noch welche im Umlauf, weil sich viele Polen mit Tickets eingedeckt hatten, aber ihr Team schon früh ausgeschieden ist", berichtet Thomas Kurzeck.

750 Kilometer Anfahrt


Der 47-Jährige ist Vorsitzender des Handballclubs Tirschenreuth, war lange selbst in der ersten Mannschaft aktiv und ist von dieser Sportart begeistert. Ehefrau Kerstin teilt die Leidenschaft, Sohn Valentin spielt mittlerweile in der Jugend des THW Kiel. Zwischen Tirschenreuth und Krakau liegen nicht viel mehr Kilometer als zwischen Tirschenreuth und Kiel, nämlich 750: "Ich habe mir das viel weiter vorgestellt", sagt Kurzeck.

Also ab nach Hause und schnell die Koffer gepackt. Eine Stunde nach dem Entschluss hockten die Tirschenreuther schon im Auto. "Thomas hat sein Fan-Equipment von der Handball-WM 2007 vergessen und in der Eile nur das Trikot der Fußball-Nationalmannschaft reingeschmissen", erzählt Kerstin Kurzeck. In Breslau übernachtete das Paar und war vom Flair der aktuellen Kulturhauptstadt Europas ganz begeistert.

Die Inhaberin eines Blumengeschäfts war noch nie bei einem Länderspiel, schon gar nicht bei einem so bedeutenden: "Es war der Wahnsinn", erinnert sie sich. "Wir saßen in der siebten Reihe, die Stimmung war toll und wir kamen nach dem Spiel total nah an die Spieler heran." Sogar Abklatschen mit den überglücklichen Europameistern war möglich. Karten hatte sich das Ehepaar vor dem Stadion noch problemlos besorgt. "Erst schauten wir das Spiel um Platz drei zwischen Norwegen und Kroatien an, dann kam das Finale. Die Karten gelten für den ganzen Tag, zwischendrin lassen die Veranstalter einen gar nicht mehr raus."

Selbst wenn sie es gewollt hätten, geheim halten konnten die Kurzecks ihren Trip nach Polen nicht. Denn sie waren für alle Fernsehzuschauer groß im Bild, als die Kamera in die Zuschauerreihen blickte. "Wir kriegten gleich Kurznachrichten aufs Handy, dass wir im Fernsehen sind", schmunzelt Kerstin Kurzeck.

"Eine frische Truppe"


Ihr Ehemann ist vom Finale noch ganz berührt: "Es war einfach toll. Ein faires Spiel, eine frische Truppe, ganz unverkrampft und kämpferisch", schwärmt er. Bei den Fußballern gehe es schon wegen des vielen Geldes abgehobener zu, findet Thomas Kurzeck: "Ein Spitzenhandballer verdient vielleicht in einem Jahr soviel wie ein Fußballer im Monat."

Der Vorsitzende des HC Tirschenreuth ist keiner, der dem Nationalteam oder einem Bundesligaclub nachreist. Von daher wird der Abstecher nach Krakau wahrscheinlich einmalig bleiben. "Es war eine ganz tolle Erfahrung. Auch eine Niederlage der deutschen Mannschaft wäre ein Erfolg gewesen. Mir ging es um die Atmosphäre. Neben uns waren eine Dänin, ein Norweger - alles absolut entspannt und friedlich."

Nach dem Finale blieben die beiden Tirschenreuther noch eine Nacht im Hotel in Krakau. Am Montag machten sie sich auf die Heimreise, die den ganzen Tag in Anspruch nahm. Dafür hatte sich Kurzeck, der am Landratsamt in der Naturschutzbehörde arbeitet, kurzfristig freigenommen. So klang der Krakau-Trip relativ entspannt aus.

Schwung für Vereinssport


Die momentane Euphorie um die Handball-Helden könnte sich durchaus auf den Vereinssport auswirken, hofft Thomas Kurzeck. Auch in den Schulen will der HC Werbung machen. "Handball ist ein Teamsport. Gerade im Jugendbereich ist das für die Sozialisation enorm wichtig." Der Tirschenreuther Club, aktuell nur mit der ersten Mannschaft und einer B-Jugend im Spielbetrieb, hat wie die meisten Sportvereine Nachwuchs nötig - sowohl männlich als auch weiblich.

"Wir bräuchten dringend Spieler, weitere Jugendleiter und andere Helfer im Hintergrund." Vielleicht spült die Begeisterungswelle für den rasanten Mannschaftssport den einen oder anderen zu den Tirschenreuther Handballern. Kurzecks Tipp: Einfach mal beim wöchentlichen Training Dienstags zwischen 17.15 und 18.45 Uhr in der Halle beim Stiftland-Gymnasium vorbeischauen. "Es wäre zu hoffen, dass wir den Schwung mitnehmen!"
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