Modernes Theater Tirschenreuth und LTO präsentieren Schauspiel „Servus King“ – Fetziger Rock ’n’ Roll – Drei Spielorte
Elvis-Fieber in der Oberpfalz

Hans, Muskel und Lugg spielen auf – und Elvis lässt dazu die Hüfte kreisen. Die Besucher des Schauspiels „Servus King“ können sich auf jede Menge fetzigen Rock ’n’ Roll freuen. (Foto: Grüner)
Vermischtes
Tirschenreuth
09.11.2016
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Lugg hat mächtig getankt, steigt auf den Wirtshaustisch und geigt der bornierten Dorfbevölkerung kräftig seine Meinung. Bandkollege „Muskel“ bleibt da nur ein hilfloser Blick nach oben. (Foto: Grüner)
(Norbert Grüner)

Jetzt ist die Zeit, wo landauf, landab Kirwa gefeiert wird. Das war auch im Herbst 1958 schon so. In vielen Orten in der Oberpfalz verbreitete sich zudem in Windeseile die Nachricht, dass ein amerikanischer Superstar auf dem US-Truppenübungsplatz in Grafenwöhr angekommen ist. Und das war tatsächlich Realität: Elvis Presley, zu der Zeit schon weltweit bekannt, diente hier kurze Zeit als Soldat. Stoff ohne Ende für ein packendes Theaterstück.

Mit der Produktion „Servus King – Elvis in der Oberpfalz“ versucht sich das Moderne Theater Tirschenreuth (MTT) bereits zum zweiten Mal mit einem eigenen Stück. Das Schauspiel mit Musik in fünf Bildern hat der Hörfunkjournalist Uli Scherr aus Regensburg geschrieben. Welturaufführung war am 5. November im Kultur- und Veranstaltungszentrum Kettelerhaus in Tirschenreuth.

Anders als bei der Erfolgsproduktion „Cash“, in der das Leben des „Man in Black“ im Mittelpunkt stand, ist diesmal nicht der „King of Rock ’n’ Roll“ der Protagonist auf der Bühne. Aber natürlich sind viele seiner Hits zu hören. Sie werden live gespielt von einer Formation, die in der Region nicht mehr wirklich vorgestellt werden muss: Die „Havlicek Brothers“ sorgen mit dem Genre schon lange für Furore, spielen die bekannten Songs der Stars dieser Ära nicht einfach nur professionell herunter, sondern liefern auch spektakuläre Bühnenshows dazu ab. Elvis-Nummern hatten sie bisher nur sporadisch im Programm, was sich schlagartig änderte, als sie eingeladen wurden, die „Servus-King“-Produktion als Band zu begleiten.

Zurück zum Stück: Als bei der Dorfkirwa 1958 das Gerücht die Runde macht, dass der amerikanische Superstar auf den nahe gelegenen Truppenübungsplatz kommt, sind die Alteingesessenen geschockt und die Jugendlichen begeistert.
Letzteres trifft auch auf die drei Freunde Hans (Johnny) Birner (Dominik Boll), Ludwig (Lugg) Rötzer (Felix Werner) und Muskel Jendraschewski (Alexander Ernst) zu. Sie machen selbst Musik, eifern ihrem großen Idol nach und nennen sich „Johnny Birner und die Buddyboys“.

Längst ist ihnen ihr Heimatdorf zu eng geworden. Hans hadert mit seinem verbitterten Vater, einem Kriegsheimkehrer, Muskel gehört als Kind einer schlesischen Flüchtlingsfrau zu den Geächteten. Das Tor in die Freiheit ist für die drei Freunde die Musik von Elvis Presley. Als „Buddyboys“ hoffen sie, ebenso berühmt zu werden wie ihr Idol.

Die drei jungen Hauptdarsteller haben es bei „Servus King“ nicht leicht. Sie müssen nicht nur als Schauspieler textsicher und redegewandt sein sowie mimisch und gestisch bestehen. Sie müssen auch musikalisch auf der Bühne Brillanz zeigen, denn in vielen Szenen spielen sie die Elvis-Songs live. Aber alle drei sind Musiker und spielen in diversen Bands, so dass ihnen letzterer Aspekt wohl weniger schwerfällt.

Der Panzerschütze Elvis Presley nahm auf dem US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr unter anderem an einem mehrwöchigen Wintermanöver teil. Nicht lange davor kam er nach Deutschland, um seinen zweijährigen Militärdienst abzuleisten. Die Zeit in Deutschland bedeuteten für den amerikanischen Superstar in künstlerischer wie persönlicher Hinsicht eine tiefe Zäsur.

Kurz vor seiner Einberufung stirbt die Mutter des erst 23-Jährigen. Manager Tom „Colonel“ Parker will die militärbedingte Auszeit seines Schützlings nutzen, dem sündigen Schwiegermutterschreck ein familientauglicheres Image zu verpassen. Vermutlich kommt er bei der Army auch das erste Mal mit Medikamenten in Kontakt, die später für seinen frühen Tod mit nur 42 Jahren mitverantwortlich sind. Außerdem lernt in Deutschland seine spätere Ehefrau Priscilla kennen.

Über Elvis’ zwei mehrwöchige Aufenthalte in der Oberpfalz gibt es zwar viele Anekdoten, aber nur wenig Konkretes. Im Dezember 1958 scheint der Star in der Micky-Bar in Grafenwöhr für Freunde und Weggefährten ein einmaliges Konzert gegeben zu haben. Wie es dazu gekommen sein könnte, das erzählt das Stück.
„Speziell dieses Projekt kann nur in der Oberpfalz entstehen“, sagt Regisseur Daniel Grünauer und begründet das so: „Die Geschichte stammt von hier, die Künstler sind von hier, wir sind in der Region verhaftet und wissen, wie sie tickt.“ Auch die kritische Sicht der Dinge dürfe hierbei nicht fehlen.

Unglaubliches habe es damals in der Gesellschaft gegeben: Altnazis, die plötzlich wieder einflussreiche Positionen erlangten und intrigierten. „Zerbrochene Familien, zerstört durch Krieg und Flucht, all das darf an einem Theaterabend nicht fehlen. Wir bieten eine Mischung aus Entertainment und Infotainment.“
Wie schon bei „Cash“ tritt das MTT nicht als Einzelkämpfer auf. Die Zusammenarbeit mit dem Landestheater Oberpfalz (LTO) hat sich bewährt – und so sind die Vohenstraußer als Kooperationspartner von Anfang an mit im Boot.

Regisseur Grünauer, der seit 2014 als Leitender Schauspieldramaturg und Regisseur am Theater Ulm arbeitet, ist für die Inszenierung verantwortlich. Die musikalische Leitung liegt bei Andreas Bauer und Dr. Michael Rüth, Bühnenbild und Bühnenraum sind die Arbeit von Pascal Seibicke, der ebenfalls aus der Region stammt und in Hamburg lebt. Eva Schwab ist für die Kostüme zuständig, als Dramaturg zeichnet Till Rickelt, der Künstlerische Leiter des LTO, verantwortlich.
Schon im Vorfeld hat die Produktion viele Fördergeldgeber überzeugt. Das 60 000-Euro-Projekt unterstützen der Kulturfonds Bayern, der Bezirk Oberpfalz, die Stadt Tirschenreuth sowie die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WN.

InformationenTermine

• Kettelerhaus
Tirschenreuth
Freitag, 11. November,
Samstag, 12. November,
Freitag, 18. November,
Samstag, 19. November

• Stadthalle
Neunburg vorm Wald
Donnerstag, 1. Dezember
• Stadthalle Vohenstrauß
Freitag, 2. Dezember
Samstag, 3. Dezember
Donnerstag, 8. Dezember

Karten
Kategorie I: 17 Euro (ermäßigt 14 Euro)
Kategorie II: 15 Euro (ermäßigt 12 Euro).

Weitere Informationen:
www.theater-tirschenreuth.de
www.landestheater-oberpfalz.de
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