Nach Tirschenreuth erhöht auch Wunsiedler Heim Beiträge
Tierschutz nicht zum Dumping-Preis

Das Tirschenreuther Tierheim an der B 15 ist immer gut belegt, weiß Leiterin Daniela Riedl. Dringend notwendig ist ein neues Hundehaus. Die Finanzierung wird ein Kraftakt. Bild: as
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Tirschenreuth
29.01.2016
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Chronisch unterfinanziert sind die meisten Tierheime. Etwa der Hälfte drohe das Aus, schlug der deutsche Tierschutzbund erst kürzlich wieder Alarm und empfahl, den Gemeinden einen Euro pro Einwohner für die Versorgung von Fundtieren abzuverlangen.

In Tirschenreuth ist Tierheimleiterin Daniela Riedl schon froh, dass die meisten Gemeinden die Erhöhung von 20 auf 50 Cent pro Nase mitgemacht haben. "Die zahlen das alle", berichtet sie - bis auf vier Gemeinden, die sich einen günstigeren Partner gesucht haben. Konnersreuth, Pechbrunn, Fuchsmühl und Neualbenreuth arbeiten seit 2012 mit dem Wunsiedler Tierheim zusammen, das im jeweiligen Gemeindegebiet aufgefundene Tiere aufnimmt.

Von 10 auf 30 Cent


Dass es ohne Sponsoren und größere Erbschaften nicht mehr lange gut geht, hat auch das Tierheim in Wunsiedel erkannt und verlangt künftig 30 Cent pro Einwohner. Nicht so bei den vier Gemeinden aus dem Landkreis Tirschenreuth: Sie genießen Sonderstatus, weil sie freiwillig schon bisher 20 statt der in Wunsiedel üblichen 10 Cent gezahlt haben.

40 Katzen auf einmal


"Da rütteln wir momentan auch nicht dran", sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins Wunsiedel-Marktredwitz, Eveline Klose, und verweist auf laufende Verträge. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden im Nachbarlandkreis sei übrigens problemlos. "Wir haben schon etliche Hunde, hauptsächlich aber Katzen von dort abgeholt. In Pechbrunn waren es mal auf einen Schlag 40 Katzen", verdeutlicht Klose. "Ich bin überglücklich mit den 30 Cent", freut sie sich riesig über die Erhöhung des Zuschusses. Angesichts der sich häufenden Aufgaben, die der Tierschutzverein im Tierheim in Breitenbrunn zu erfüllen hat, bleiben die Ausgaben um ein Vielfaches höher.

Zum 1. Januar dieses Jahres haben nach Auslaufen des letzten Vertrags alle Städte und Gemeinden aus dem Landkreis Wunsiedel - die Stadt Selb wegen ihres eigenen Tierheims ausgenommen - einer Anhebung zugestimmt. Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl der Einwohner im Landkreis drastisch geschrumpft ist, schmälerte dies auch das Budget des Tierschutzvereins.

Legt man beispielsweise die 17 000 Einwohner der Stadt Marktredwitz zugrunde, so würde das einen Anstieg der Beiträge von 1700 auf 5100 Euro bedeuten. "Das ist wunderbar", sagt Eveline Klose - und stellt gleich einmal die Ausgaben des Tierschutzvereins in Höhe von 200 000 Euro gegenüber. "Vor allem die gestiegenen Energiekosten machen uns zu schaffen", verdeutlicht sie.

Ich habe mich schon immer gewundert, wie das mit 10 Cent ausgehen soll.Daniela Riedl, Vorsitzende des Kreistierschutzvereins

Erbschaften ungewiss


Inklusive der Mitgliedsbeiträge belaufen sich die Einnahmen auf 35 000 Euro, wie die Vorsitzende sagt. "Der Rest muss über Spenden, Tiervermittlungen, die Herbstsammlung, das Tierheim-Lädchen oder Erbschaften hereinkommen." "Ich habe mich schon immer gewundert, wie das mit 10 Cent ausgehen soll", sagt Daniela Riedl. Sie ist Vorsitzende des Kreistierschutzvereins Tirschenreuth, der für 22 der 26 Landkreis-Kommunen deren gesetzliche Verpflichtung übernimmt, sich um ausgesetzte und verloren gegangene Tiere zu kümmern.

Hohe Fixkosten


Selbst wenn noch alle mit im Boot wären, kämen bei 73 000 Einwohnern nicht einmal 40 000 Euro zusammen. "Wir haben aber jährliche Ausgaben zwischen 140 000 und 160 000 Euro", rechnet die Tierheimleiterin vor. Vor allem die Personalkosten seien schwer zu schultern, nachdem es kaum mehr Zuschüsse vom Arbeitsamt gebe. "Ich kann ein Tierheim aber nicht das ganze Jahr mit zwei Leuten führen."

Dass vier Gemeinden nach Wunsiedel abgewandert sind, habe sich kaum auf die Belegung des Tirschenreuther Tierheims ausgewirkt. "Das kompensieren die anderen schon. Zur Zeit haben wir 108 Katzen und 30 Hunde." Um das alles zu finanzieren - demnächst steht der Neubau eines Hundehauses an - findet Daniela Riedl 50 Cent pro Einwohner keineswegs übertrieben und weiß sich damit in guter Gesellschaft: "Amberg und Weiden verlangen auch 50 Cent." (as/fph)
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