Neue Hebamme im Krankenhaus Tirschenreuth
Geburtshilfe auf sizilianisch

Sie sind die Garanten dafür, dass im Krankenhaus Tirschenreuth künftig die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe nicht nur Bestand hat, sondern sogar auf Wachstum setzt: Chefarzt Kurt Weber, Margarete Ackermann, Ildeko Reman, Francesca Ignaccolo, Krankenhausleiterin Claudia Kost und Frauenarzt Dr. Konrad Schmid (von links). Bilder: tr (2)
Vermischtes
Tirschenreuth
11.01.2017
2028
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Francesca Ignaccolo.

Welch ein Zufall: Just an dem Tag, an dem die neue Hebamme offiziell vorgestellt wird, kommt auch noch ein Hospitantin. Beide sind 26 Jahre alt. Die eine ist Italienerin, die andere kommt aus Rumänien. Und das sind noch nicht die einzigen Neuerungen.

Francesca Ignaccolo lebt bereits seit Herbst vergangenen Jahres in Tirschenreuth. Die Sizilianerin hat immer wieder in der Frauenklinik im Krankenhaus Tirschenreuth geschnuppert und mitgearbeitet und ist seit Januar als freischaffende Hebamme mit im Boot. Ildeko Reman lebt mit ihrer Familie schon längere Zeit in der Nähe von Stuttgart. Stimmt die Chemie zwischen ihr und dem Stammpersonal, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie hier ebenfalls künftig als Hebamme zur Verfügung steht. Chefarzt Kurt Weber ist da guter Dinge. Beide jungen Damen haben Hebamme an einer Universität studiert - ein absolutes Novum für die Nordoberpfalz.

Generationswechsel


Nachdem sich Ende vergangenen Jahres Elisabeth Reisnecker nach 28 und Frieda Schieder-Emler nach 11 Dienstjahren (sie war vorher lange Zeit in Neustadt W/N tätig) in den Ruhestand verabschiedet hatten, hat die Gerüchteküche gebrodelt. "Manche haben unseren Kreißsaal schon die Pforten schließen sehen, manche konnten sich gar nicht vorstellen, dass es auch noch jemand anderen gibt als die altbekannten Gesichter", sagt Kurt Weber. Vor allem dem Ehrgeiz von Personalchef Martin Neuhaus sei der Generationswechsel zu verdanken.

Jahrelanges Ringen


Insgesamt ist es wohl der Innovationsfähigkeit des Chefarztes und der Unterstützung der Kliniken Nordoberpfalz AG zu verdanken, dass das jahrelange Ringen um den Hebammen-Nachwuchs jetzt Früchte trägt. Denn neben den beiden Neuen haben die Verantwortlichen noch drei weitere Eisen im Feuer: Drei junge Damen aus der Region stehen in der Ausbildung zur Hebamme.

Weil das Angebot eines hauseigenen Stipendiums für Ärzte so gut geklappt hat, entschloss man sich, diese Form der Mitarbeitergewinnung auch auf den Hebammenberuf anzuwenden. Die Probantinnen werden dabei von der Kliniken AG schon während der Ausbildung finanziell unterstützt. Sie verpflichten sich im Gegenzug dafür, nach ihrer Ausbildung hier für mindestens drei Jahre zu arbeiten.

So gesehen waren die Zusammenarbeit mit Agenturen, die ausländische Fachkräfte vermitteln, und die Idee mit den Stipendien zwei geniale Schachzüge, mit denen wohl das jahrelange Tauziehen um neue Hebammen für den Bereich Tirschenreuth Geschichte zu sein scheint. Eine der drei Stipendiatinnen, die derzeit ihre Ausbildung an verschiedenen Hebammenschulen absolvieren, macht im Herbst dieses Jahres ihren Abschluss und steht dann als weitere Hebamme mindestens für drei Jahre zur Verfügung.

Eine neue Broschüre, in der die neue Konstellation beschrieben ist, wurde bereits im Umkreis von etwa 50 Kilometern an die 30 Arztpraxen verteilt, die ihre Patientinnen nach Tirschenreuth überweisen. Als Weber im Sommer erfahren hatte, dass über die Agentur eine ausgebildete Hebamme aus Italien zur Verfügung steht, machte er kurzerhand bei seiner Urlaubsreise zur Tochter auf Malta einen Abstecher nach Sizilien und führte das Vorstellungsgespräch mit Francesca Ignaccolo in ihrer Heimat. Eine Woche später kam die Italienerin nach Tirschenreuth.

Il mio bambino


Mittlerweile hat sie schon einigen Kindern auf die Welt geholfen. Die eigene Homepage ist zwar noch nicht online, das Logo dafür gibt es aber schon. Francesca Ignaccolo firmiert unter "Il mio bambino", was so viel wie "Mein Baby" bedeutet. Besonderer Dank wurde bei der Vorstellung Margarete Ackermann zuteil. Sie ist seit 34 Jahren Hebamme in Tirschenreuth und weist den "Nachwuchs" in sein neues Umfeld ein.

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Weitere Informationen:

www.kliniken-nordoberpfalz.ag

Zur PersonFrancesca Ignaccolo ist in Vittoria in der Provinz Ragusa, ganz im Süden Siziliens geboren. In ihrer italienischen Heimat war sie ehrenamtlich beim Roten Kreuz, unter anderem als Sanitätsassistentin engagiert. In der Familienberatungsstelle in Vittoria absolvierte sie ein Praktikum. Für das Gymnasium in Ragusa entwickelte und leitete sie ein Projekt zur Vorbeugung von Aids und Geschlechtskrankheiten. In den Grundschulen in Ragusa erteilte sie Sexualkundeunterricht. Bei einem Hebammenpraktikum im Krankenhaus in Ragusa assistierte sie bei Spontanentbindungen, agierte als OP-Assistentin bei Kaiserschnitten und arbeitete auf der Entbindungsstation. In der Katholischen Kirche engagierte sie sich bei Ehevorbereitungskursen. Ihr Abitur absolvierte sie mit 108 von 110 Punkten am Altsprachlichen Gymnasium in Vittoria. Von 2009 bis 2014 studierte sie Geburtshilfe an der Universität in Palermo. Ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema, "Die Hebamme und die Beziehung des Paares: Sexualität während der Schwangerschaft." Während des Studiums absolvierte sie Praktika auf einer Geburtsstation, im OP, in der Notaufnahme, auf der Pädiatrischen Intensivstation, in der Gynäkologie und in der Geburtshilfe. Erste Erfahrungen mit der deutschen Sprache machte sie ab 2015 in ihrem Heimatland. Seit sie in Tirschenreuth lebt, vertieft sie ihre Sprachkenntnisse bei Intensivkursen in der VHS. Die Verständigung stellt kein Problem dar - solange kein Dialekt im Spiel ist. (tr)


Allen Unkenrufen zum Trotz war der Personalabteilung Erfolg beschieden.Chefarzt Kurt Weber
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