Neuer Imagefilm der Stadt
Emotionales Sinnbild

Bild aus dem neuen Imagefilm der Stadt.
Vermischtes
Tirschenreuth
15.01.2016
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Emotionales Sinnbild

Von Werner Schirmer

"Wo laufen sie denn", hat sich dereinst Loriots Melonenträger an der Rennbahn gefragt. Beim Blick in den neuen Imagefilm der Stadt drängt sich die Frage ebenso auf. Menschen schlendern umher, mal in Familienstärke mal als junge Lifestyle-Clique, mal in ganzheitlicher Form, meist aber auf die unteren Extremitäten beschränkt(!).

"Ja warum laufen sie denn", könnte man spontan fragen. Ist das ein origineller Wandertag, eine Generationentour (inklusive der Mutti-küsst-Kind-Szene) oder ein sommerlicher Geo-Caching-Event? Auch hier wird der Betrachter allein gelassen. Doch halt! Auf der Homepage der Stadt wird dem "(k)ein-silbigen" Porträt die wohl notwendige Erläuterung nachgeliefert. Es sei bewusst auf Erklärung und umfassende Darstellung verzichtet worden, weil der Film "das geografische Herz der Stadt als emotionales Sinnbild der Veränderung" darstellen will und eine unkomplizierte Wahrnehmung vermitteln will. Na ja, zumindest an der Stelle hat man sich viel Mühe gegeben.

Doch ist künstlerische Freiheit, eine eloquente Definition und eine gehörige Portion Cineasten-Freiheit nebst dem alles absegnenden "Mir gefallt's" der Freibrief für fast alles? Ganz persönlich darf das erklärungsarme Filmchen wohl auch anders gesehen werden. Denn die offizielle Stadtbeschreibung erwartet vom achtminütigem Imagestreifen, das die "Lücken" vor allem Interesse wecken sollen?? Sonderbarer Ansatz, zumal der völlige Verzicht dann wohl das maximale Interesse erzeugen müsste.

Soweit zur individuellen Sicht eines Stadtportäts, das überwiegend aus Marktplatz und Fischhof besteht, ständig rennenden Menschen und einer ominösen Botschaft: Denn irgend etwas sagen will das Filmchen den Betrachtern schon. Immerhin werden an markanten Stellen alte Postkarten der sonnigen Gegenwart gegenübergestellt (durchaus originell), sollen wohl die positiven Veränderungen zeigen. So lässt sich wohl auch das Ende interpretieren, wenn der "Wandertag" zur nächtlichen "Tanz-Party" wird. Insgesamt zeigt der Film aber auch schöne Passagen über ein sommerlich-verschwommenes "Irgendwo". Und ja, es kann auch gefallen, "irgendwie".

Doch gibt es handwerkliche Defizite, die nicht einfach durch künstlerische Toleranz übertüncht werden können: Störende Reflexionen, nerviges Filmruckeln, Farbfilter die durchs Bild huschen, der Schatten der Kameradrohne und Aufnahmen im trüben Gegenlicht! Stopp! "Emotional und lückenhaft" ruft's da von der Homepage - ein bisschen "benebelt" halte ich dagegen. Und bitte, was heißt "Willkommen in Media TIR". Bemüht man sich am Ende doch um Aussage ("medias in res" also "mitten in die Dinge"). Es bleiben viele Fragezeichen - für mich. Doch bin ich mit meiner Skepsis nicht alleine. Im Netz gibt's sogar im fernen Kalifornien (Servus Jürgen) ein paar, die gerne mehr von Tirschenreuth gesehen hätten.

Wenn wieder Sommer ist, werd' ich darüber nachdenken, auf dem schönen Marktplatz, der auch viel Raum für einen entspannten Cappuccino bietet - am Rande der herumrennenden Menschen.

werner.schirmer@derneuetag.de
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