Oberpfälzer Teichwirte fühlen sich bedroht
Klauender Kormoran

Wenn der Kormoran seine Flügel hebt, um zu seinen Beutezügen zu starten, würden viele Teichwirte in der nördlichen Oberpfalz ihn gerne vertreiben. Doch oft fängt der Fischfresser seine Beute gerade dann, wenn kein Mensch in der Nähe ist. Bild: Jonas Nelhiebel
Vermischtes
Tirschenreuth
20.05.2016
884
0
 
Ein Karpfen nach einer Kormoran-Attacke. Bild: Fachberatung für Fischerei, Bezirk Oberpfalz

Einst war der Kormoran im mitteleuropäischen Binnenland fast ausgerottet. Nachdem der Vogel in den 1970er Jahren unter Schutz gestellt wurde, erholte sich der Bestand stetig. So gut, dass der Fischfresser heute so manchen Oberpfälzer Teichwirt in seiner Existenz bedroht.

Regensburg. Kleinere Fische, 300 bis 600 Gramm schwer, sind die ideale Mahlzeit für Kormorane, sagt Konrad Bartmann, Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Oberpfalz. So groß sind im Frühjahr die Nachwuchskarpfen der hiesigen Teichwirte - weshalb die Zugvögel gerade in den Frühlingsmonaten gerne Halt in der Oberpfalz machen. Mittlerweile wird die Zahl der Tiere europaweit auf 2 Millionen geschätzt - vor 40 Jahren waren es nur rund 5000.

Leichterer Abschuss


Geht es in Richtung Sommer, wenn die Fische größer werden, ziehe auch der Kormoran weiter, erklärt der Fachmann. "Die Vögel sind ja nicht blöd." Um den Teichwirten entgegenzukommen, hat die Regierung der Oberpfalz 2010 eine Allgemeinverfügung erlassen, die die Möglichkeiten des Abschusses von Kormoranen deutlich erweitert. Für Bartmann ist die Verfügung eine wesentliche Verbesserung, allerdings löse sie das Problem nicht. Denn: "Der Kormoran ist sehr schlau, er kommt nicht mehr in Gruppen, sondern vereinzelt zu unterschiedlichen Tageszeiten." Teichwirte, die ihren Betrieb im Nebenerwerb führen - die überwiegende Mehrheit in der Oberpfalz - hätten kaum eine Chance, den Kormoran wirksam zu bekämpfen. Sie bekämen die Räuberei an den Teichen unter Umständen gar nicht mit, würden allenfalls merken, dass sie weniger füttern müssen - und stünden im Herbst beim Abfischen mit leeren Händen da.

Immer mehr geben auf


Neben dem Kormoran mache auch der Fischotter den Teichwirten zu schaffen, berichtet Bartmann. Die Jagd auf ihn sei untersagt. Der Biber wiederum gefährde durch seine rege Bautätigkeit die Standfestigkeit der Teichdämme. Vereinzelt bereite auch der Mink, der nach Europa eingewanderte Amerikanische Nerz, den Teichwirten Probleme. Nicht zuletzt sorge der "Verwaltungsbürokratismus" dafür, dass immer mehr Teichwirte ans Aufgeben denken, sagt Bartmann. "Draufzahlen auf Dauer geht nicht." 14 000 Teiche und etwa 2700 teichwirtschaftliche Betriebe gibt es laut Bartmann in der Oberpfalz. Er geht davon aus, dass ein Drittel der Teichwirte ihre Teiche mittlerweile nicht mehr bewirtschaften. Von einem "dramatischen Problem" spricht Hans Klupp, Vorsitzender des Fischerzeugerrings Oberpfalz. Er warnt davor, dass das Kulturgut Teichwirtschaft verloren geht. Zum einen würde damit eine einzigartige Kulturlandschaft zerstört. Zum anderen sei die große Artenvielfalt der Teichregionen in Gefahr. Klupp begrüßt, dass die Politik den Teichwirten entgegenkommt, etwa durch ein bayerisches Entschädigungsprogramm für Fischotter-Schäden. Doch dem Selbstverständnis der Teichwirte helfe das nicht viel weiter: "Wir wollen nicht von Entschädigung leben, sondern vom Erlös der Fische." Absurd sei auch, dass der Markt für den Karpfen gerade jetzt da wäre, meint Klupp. Umweltverbände empfehlen ihn Verbrauchern als einzigen "ökologisch korrekten" Fisch.

"Insgesamt schwierig"


Thomas Ring, Fachberater für Fischerei des Bezirks Oberpfalz, kennt die Kormoranproblematik nur zu gut. "Der Schaden war gerade in diesem Frühjahr gewaltig", sagt er. In der Beratung verweise er auf die Allgemeinverfügung der Regierung. In manchen Fällen rate er zum Überspannen mit Netzen oder Zäunen im Teich. Insgesamt sei die Bekämpfung aber "schwierig".

Der Teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb Wöllershof (Kreis Neustadt/WN), den der Bezirk selbst betreibt, sei vom Kormoran nicht besonders stark betroffen, da das Bruthaus gleich neben den Teichen liegt und Menschen ein und aus gehen, sagt Ring. Der Vogel lasse sich lieber dort nieder, wo er in Ruhe fressen könne. Auch Ring warnt davor, dass eine wertvolle Kulturlandschaft verschwindet, wenn immer mehr Teichwirte aufgeben. "Der Staat hat mit den Teichwirten bislang sehr günstige Gärtner."

Vorschläge von NaturschützernDer Kormoran hat auch Fürsprecher. 2010 wählten ihn der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zum "Vogel des Jahres". Die Rückkehr des Kormorans sei ein Erfolg für den Vogelschutz, argumentierten die beiden Verbände. Der LBV lehnt auf seiner Homepage eine "Regulierung" der Kormoran-Bestände durch Reduktionsabschüsse als "weitgehend wirkungslos" ab. Um Schäden für Teichwirtschaften abzuwenden, rät der Verband zu vorbeugenden Maßnahmen. Statt des Abschusses schlägt er das Überspannen der Teiche mit weitmaschigen Drahtnetzen oder das optische und akustische Vertreiben vor. (gib)
Die Vögel sind ja nicht blöd.Konrad Bartmann, Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Oberpfalz
Weitere Beiträge zu den Themen: Karpfen (27)Kormoran (3)Teichwirtschaft (11)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.