Ohne Specht kein Christkindl
Im Stiftland werden am Heiligen Abend die bösen Geister aus dem Dorf vertrieben

Brot und Fischgräten für die Specht, Süßigkeiten im Gegenzug für die Kinder: Das Austreiben der bösen Geister am Heiligen Abend erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Bild: jr
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Tirschenreuth
22.12.2015
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"Wetza, Wetza, Bauchaufschneida." Das wird am Heiligen Abend wieder in vielen Orten des Stiftlandes zu hören sein. Da geht dann die "Specht" um. Und die hat rein gar nichts mit einem Vogel zu tun.

(bz/hfz) Wenn die Specht durch das Dorf zieht, dann ist das immer ein Heiden-Spektakel. Im wahrsten Sinne. Denn der Brauch ist wohl heidnischen Ursprungs, auch wenn er ausgerechnet am Heiligen Abend praktiziert wird. Mit immer größerer Beliebtheit übrigens. Da kann das "Wetza, Wetza, Bauchaufschneida" gar nicht so furchteinflößend sein.

Die "Specht'n", das sind gar grausliche Gestalten, hergerichtet wie böse Hexen, mit Moos bewachsenen Schnabelnasen, Stroh-Masken, dicken Kopftüchern und langen Röcken, die auch ihre mitgebrachten Sicheln oder gar Sensen wetzen. Das Jahr über haben die Ungetüme im Wald gehaust, jetzt ziehen sie durch die Dörfer und warten darauf, dass die Kinder ihnen Essen zutragen. Eine karge Kost übrigens. Meist sind es Fischgräten und Zwetschgenkerne, schließlich galt der Heilige Abend ja als strenger Fasttag. Abfälle aus der Küche wurden auch von den Buben und Mädchen unter Obstbäume gelegt. Das sollte im nächsten Jahr eine reiche Ernte garantieren.

Waren die "Specht'n" früher wie der Krampus als Kinderschreck unterwegs, so ist das Spektakel heute eher eine Kinder-Gaudi. Wohl auch weil die Eltern im Hintergrund schon darauf achten, dass keine große Angst aufkommt. Und eigentlich soll ja die "Specht" die bösen Geister aus dem Dorf treiben. Ohne "Specht", so wissen die älteren Bewohner, kommt auch das Christkind nicht.

Den alten Brauch pflegen die Münchenreuther ab 13 Uhr auf dem Dorfplatz. Auch in Maiersreuth werden um 13 Uhr die Sicheln und Sensen gewetzt. Es gibt Glühwein, Kinderpunsch und Lebkuchen. In Tirschenreuth lassen die "Flying Darts" aus Rothmühle den Brauch bereits um 12 Uhr aufleben. Auch hier wird es vor dem Christbaum am Marktplatz Glühwein geben. Pünktlich um 12 Uhr tauchen die finsteren Gesellen auch auf dem Therese-Neumann-Platz in Konnersreuth auf, wo Siegfried Zitterbart mit Freunden die Tradition fortsetzt. Die Dorfgemeinschaft Pleußen freut sich um 12.30 Uhr auf regen Zuspruch.
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Karl-Heinz Gleißner aus Mitterteich | 22.12.2015 | 21:58  
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