Pelin Dursun gefällt es sehr in Deutschland
Die Blume aus dem Supermarkt

In der Döner- und Pizza-Stube von Bruder Halil hilft Pelin manchmal mit aus.
Vermischtes
Tirschenreuth
07.11.2016
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"Kopftuch oder Burka waren bei uns nie Thema." Zitat: Pelin Dursun

"Mein Vorname bedeutet im weitesten Sinn Blume", erklärt Pelin Dursun. Die Türkin lebt seit sieben Jahren in Tirschenreuth. Nach Deutschland kam sie, weil sie hier ihr Leben gestalten kann, wie sie es sich vorstellt. Die Muslima will auf jeden Fall hier bleiben.

Pelin Dursun ist 26 Jahre alt und kommt aus Yozgat Akdagmadeni in der Nähe von Ankara. Als sie nach Tirschenreuth kam, lebte bereits ihr Bruder Halil mit seiner Frau und den zwei Kindern hier und betrieb eine Pizzeria. Aktuell ist der Bruder Chef einer kleineren Lokalität. In der sogenannten Gleißner-Passage am Maximilianplatz verkauft er Döner Kebab und Pizzas - ein Laden, der bei Türken und Deutschen gleichermaßen beliebt ist.

Kopftuch kein Thema


Pelin ist Alevitin. "Ich bin zwar Muslima, aber Kopftuch oder Burka waren bei uns nie ein Thema, auch nicht zu Hause in der Türkei in unserem kleinen Dorf", sagt sie. Sie kam nach Tirschenreuth, weil sie schlichtweg neugierig ist und einmal etwas anderes sehen wollte. Es gefiel ihr hier von Anfang an. Vor allem die Freiheit, das zu machen, was sie will, und auch die Sauberkeit in Deutschland hätten sie sehr beeindruckt.

Elf Geschwister, darunter sechs Brüder gehören zur Familie. Die leben, außer Halil und ihr, alle in der Türkei. Jedes Jahr fliegt Pelin im Urlaub dorthin, um die Verwandten zu besuchen. Zurück will die junge Frau nicht mehr. "Mir gefällt es hier viel besser", sagt sie bestimmt. Als sie hier ankam, sprach sie kein Wort Deutsch. In den Integrationskursen der Volkshochschule machte sie schnell Fortschritte mit der Sprache. Heute versteht sie alles, außer Dialekt. Da ist sie schnell überfordert. Zum Beispiel war das so, als anfangs einmal jemand mit "Hawadere" statt mit "Hallo" grüßte.

Sprache das Schwierigste


Ein Integrationskurs der Stufe B1 ist Voraussetzung, um in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Als Pelin das Zertifikat hatte, schrieb sie einige Bewerbungen und wurde ins Tirschenreuther E-Center von Matthias Luger zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Mit Erfolg!

Sie befindet jetzt im zweiten Jahr der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Ob Schule oder Arbeit, alles laufe sehr gut, freut sie sich. Den Integrationskurs hat sie freiwillig gemacht, weil sie hier weiterkommen will. Dabei wird nicht nur die deutsche Sprache gelehrt, sondern auch Geschichte, Politik und Kultur. Die Sprache sei schon immer noch das Schwierigste, sagt sie. Noch immer verstehe sie nicht alles gleich. Aber Kollegen, Chefs und Lehrer sind nachsichtig mit ihr und wiederholen gerne ein zweites Mal ihr Anliegen - dann einfach etwas langsamer.

Irgendwann will Pelin ihr eigenes Geschäft eröffnen. Eine Pizzeria vielleicht oder einen türkischen Obst- und Gemüseladen, in dem es auch süße Köstlichkeiten wie Baklava und türkischen Honig gibt. Die Arbeit im E-Center gefällt ihr sehr gut, "auch weil Chefs und Kollegen sehr nett sind". Aktuell sitzt Pelin an der Kasse.

Vorher hat sie bereits ziemlich alle Abteilungen durchlaufen. Angefangen hat sie an der Frischtheke, aber da war es ihr eindeutig zu kalt. Lieferungen überprüfen, Regale einräumen, den Bestand checken und Bestellungen vorbereiten gehören zu ihren Aufgaben. An der Kasse sei es die ersten paar Tage ganz schön schwierig gewesen, gesteht sie. "Wegen der vielen, vielen Artikelnummern. Aber seither läuft das sehr gut." Anfangs hatte sie ziemliche Angst davor, dass sie die Leute nicht akzeptieren, weil sie Ausländerin ist. "Ich hatte immer das Gefühl, dass deshalb niemand mit mir reden wollte." Aber sie wurde eines Besseren belehrt und heute ist das ganz anders.

Arme Azubis


"Wir Auszubildende sind arme Leute", sagt die junge Dame. Das Erste, was sie in Deutschland machte, als sie das Geld dafür zusammengespart hatte, war der Führerschein. Heute hat sie auch ihr eigenes Auto. Das sei für sie ganz besonders wichtig, weil sie damit einfach nach Grafenwöhr in die Berufsschule kommt. Auch die Anreise zu den monatlichen Schulungen im Edeka-Zentrallager in Lorenzreuth bei Marktredwitz seien damit einfach zu bewerkstelligen. Anfangs arbeitete sie beim Bruder in der Pizzeria mit, heute hilft sie ihm noch ab und zu im Döner-Laden, kommt aber eigentlich öfter zum Essen als zum Arbeiten vorbei.

Weitere Sprachkurse


Zu ihrem Freundeskreis zählen Türken genauso wie Deutsche - und auch Menschen aus anderen Ländern. Seit einem halben Jahr hat sie den Status für einen unbefristeten Aufenthalt. Sie will auf jeden Fall in Deutschland bleiben, am besten in Tirschenreuth, auch weil sie mit der derzeitigen politischen Lage im eigenen Land nicht einverstanden ist.

Wenn ihre Ausbildung abgeschlossen ist, will Pelin weitere Sprachkurse absolvieren. Wenn ihr Arbeit und Lernen die Zeit dafür lassen, geht sie in ihrer Freizeit gerne spazieren oder fährt Fahrrad.

Kopftuch oder Burka waren bei uns nie Thema.Pelin Dursun
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