Projekt Wissenschaftsstandort Tirschenreuth startet
"Kleine Uni" für Kreisstadt

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Tirschenreuth
17.10.2016
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Zehn Studenten aus der Oberpfalz haben sich viel vorgenommen: Sie sind die Pioniere des neuen Projekts "Wissenschaftsstandort Tirschenreuth". Dafür geht die Kreisstadt in die Vollen

Nicht nur die zehn Studierenden waren voller Erwartungen, als am Samstagvormittag in der Kolping-Berufshilfe der Startknopf für das vielversprechende Projekt gedrückt wurde. Bürgermeister Franz Stahl sowie die Dozentin, Professor Dr. Irmgard Schroll-Decker von der OTH Regensburg, gaben gerne zu, dass sie Neuland betreten. "Damit werden Studienstandorte aufs Land verlegt", sagte Stahl.

Die Zusammenarbeit mit der OTH Regensburg sei bildungspolitisch enorm wichtig, vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, betonte der Bürgermeister und riet den Studenten, richtig Gas zu geben. Sein Rat ist gut angelegt. Immerhin werden die zehn Männer und Frauen - sie kommen unter anderem aus Regensburg, Pleystein und Oberviechtach - beinahe fünf Jahre in Tirschenreuth verbringen zur Vorbereitung auf ihren integrierten, dezentralen, berufsbegleitenden Bachelorstudiengang "Soziale Arbeit".

Alle haben bereits eine Berufsausbildung absolviert, nur eine der Teilnahmevoraussetzungen. Was noch in Planung ist: Die Pioniere des Projekts "Wissenschaftsstandort Tirschenreuth" bekommen sogar eine eigene kleine "Universität". Dafür geht Tirschenreuth in die Vollen: Für die technische Grundausstattung wurden bereits 25 000 Euro investiert, der Umbau kostet geschätzt gut vier Millionen Euro. Und das dauert natürlich. Bis die ehemalige Polizei-Inspektion im historischen "Alten Waldsassener Kasten" durch das Architekturbüro Brückner & Brückner saniert ist, hat sich deshalb die Kolping-Berufshilfe als Kooperationspartner bereiterklärt, die Studenten zu beherbergen.

"Sie haben den schönsten Seminarraum im Haus bekommen", begrüßte Kolping-Geschäftsleiter Johannes Saalfrank die Gäste. Er fand es gut, dass die Hochschule jetzt in die Fläche gehe. "Das stärkt den ländlichen Raum!" Bis 2018 werden die Studenten bei Kolping bleiben. "Danach siedeln Sie mitten ins Zentrum der Stadt Tirschenreuth um", erklärte Stahl den nicht ortskundigen jungen Leuten die Struktur der Kreisstadt.

Professor Dr. Irmgard Schroll-Decker ist Hauptdozentin in Tirschenreuth. Freilich wird auch die Technik nützlich sein, die Bildungsmaßnahme läuft gleichzeitig via Internet. Dr. Schroll-Decker freute sich sehr auf ihre neue Aufgabe. "Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Fünf Jahre sind eine lange Zeit." Dr. Schroll-Decker berichtete von dem hohen Engagement der Teilnehmer, einige würden für die teilweise Blockbeschulung auf ihren Urlaub verzichten, oder aber der Arbeitgeber gewährt Freistellung. Nicht gerechnet die vielen Samstage, die nun in Tirschenreuth verbracht werden.

Wie der Professorin ergeht es deshalb auch den Pionieren selbst. Alle sind gespannt, was auf sie zukommt. Denise Koppmann ist eine davon. "Hoffentlich halten wir alle durch!", sagte die Regensburgerin. Die gelernte Heilerzieherin hat zwar bereits Erfahrung mit Weiterbildung. Nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau machte sie ihr Abitur nach und wechselte in den Heilberuf. Aber wie ihre Mitstreiter weiß sie: Fünf Jahre neben dem Beruf täglich lernen, das wird kein Zuckerschlecken!
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