Raum der Begegnung gefordert

Peter Gold (links) berichtete aus Sicht des Jugendamtes von den Erfahrungen zum Thema Asyl. Bürgermeister Franz Stahl dankte allen, die sich in der Betreuung einbringen.
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Tirschenreuth
29.02.2016
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Das Asylbewerberheim ist kein Einsatzschwerpunkt für die Polizei, betonte Inspektionsleiter Werner Schönfelder bei dem Treffen im Rathaus. Bilder: pbsl (2)

Welche Erfahrungen haben die Vertreter von Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen bisher mit der Flüchtlingsproblematik gemacht? Darum ging es bei einem Gespräch im Rathaus. Dieser runde Tisch soll eine regelmäßige Einrichtung werden.

(pbls) Rund um das Thema Asylbewerber und Flüchtlinge berichteten die Teilnehmer von ihren Erfahrungen. Bürgermeister Franz Stahl beschrieb die Situation: "Viele Menschen kommen aus kriegsführenden Staaten nach Europa und versuchen, Schutz zu finden." Derzeit seien 906 Asylsuchende (Stand 17. Februar) im Landkreis untergebracht, in der Kreisstadt 149 Menschen: "Das entspricht gerade 1,7 Prozent der Bevölkerung."

Akzeptanz groß


habe seit 2003 Erfahrung mit asylsuchenden Menschen. Damals baute die Kewog die Unterkunft an der Bärnauer Straße und vermietete sie an die Regierung der Oberpfalz. Die Akzeptanz in der Stadt sei sehr groß, berichtete Stahl. Trotzdem könne man nicht alleine die Probleme des Landkreises lösen: "Die Solidarität muss überall vorhanden sein", erklärt der Bürgermeister.

Der Kreisgeschäftsführer der Caritas, Jürgen Kundrat, ist in der derzeitigen Situation auf einen Stamm von ehrenamtlichen Helfern angewiesen. Doch auch die Räume seien nicht ausreichend. Marianne Stangl, Förderlehrerin an der Mittelschule Tirschenreuth, erklärte: "Es fehlt letztlich an Lehrkräften." Da die Schüler "tröpfchenweise" ankämen, sei das Bilden einer Klasse am Schuljahresanfang nicht möglich. Der wichtigste Schritt sei einfach die Sprache. Außerhalb der Schule wäre eine psychologische Betreuung vieler Asylbewerber nötig, sagte Stangl.

Dolmetscher nötig


Dass man hier nicht schnell für Abhilfe sorgen könne, wusste zweiter Bürgermeister Peter Gold, der hauptberuflich am Kreisjugendamt tätig ist. Kinderpsychiatrien gingen rein nach der Reihenfolge der Anmeldungen. Der Leiter des allgemeinen Sozialdienstes schlug eine Klasse vor, in der Asylbewerber sozial und sprachlich für den Berufseinstieg ausgebildet werden. Zum Thema Dolmetscher im Kindergarten meinte er, wenn ein wichtiges Gespräch anstehe, würde schon einer kommen.

Gabriele Grünwald, Leiterin der Mariengrundschule, erwähnte einen Deutschkurs nach der Schule, dem die Asylbewerber-Eltern zugestimmt hätten. Auch bei ihr würden die Lehrkräfte fehlen. Räume stünden aber zur Verfügung.

Auch die Kindergärten haben positive Erfahrungen mit Asylsuchenden gemacht. Ursula Roper vom evangelischen Kindergarten konnte einzelne Bedenken von Tirschenreuther Eltern schnell zerstreuen. Allerdings würde sie sich oft einen Dolmetscher wünschen. Die Leiterin des katholischen Kindergartens, Monika Zeitler, wusste, dass asylsuchende Eltern die Betreuung der Kinder im Kindergarten dankbar annehmen. Silvia Markowski vom städtischen Kindergarten erzählt von einer Begegnung mit zwei Müttern, die einen Platz für ihre Kinder gesucht haben, um selbst Deutsch lernen zu können.

In der Asylunterkunft an der Bärnauer Straße leben derzeit 122 Asylbewerber. Polizeichef Werner Schönfelder hatte keine Bedenken wegen der Sicherheit. Für ihn ist es kein Brennpunkt, da die Integration der Bewohner gut funktioniere. Er erfahre von der Heimleitung sehr schnell, wenn ein Einsatz notwendig ist, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Tirschenreuth: "Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend."

Vertreter der Kirchen betonten das Ineinandergreifen von Helferkreisen und Vereinen. Der Geschäftsführer der Kewog, Bernd Büsching, beantwortete eine Frage von Peter Gold damit, dass jeder im sozialen Wohnungsbau Fördermittel abgreifen könne. Leerstände im Landkreis müssten jedoch erst genutzt werden, bevor man neue Wohnungen baue.

St. Peter vorgeschlagen


Maria Staufer, die für die Caritas die Flüchtlinge betreut, regte einen Raum der Begegnung in der Innenstadt an. Dort sei die Integration und der Kontakt zur Bevölkerung besser möglich. Bernd Büsching schlug daraufhin Räume in St. Peter vor. Der Idee eines Second-Hand-Ladens wurde vorerst nicht nachgegangen.

Der Bürgermeister appellierte an Privatleute, Leerstände zu vermieten und die Städtebauförderung zu nutzen. "Ein ganz großes ,Vergelt's Gott', was Sie alles leisten", dankte er abschließend den Anwesenden. Man werde sich halbjährlich treffen.
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