Sanierung Haus Ziegelanger auf gutem Weg
Auf dem Weg vom Heim zum Hotel

Einer der beiden Räume, in denen das Hausgemeinschafts-Konzept umgesetzt wird. Hier werden künftig etwa 12 Bewohner ihren Tag zusammen verbringen, ähnlich, wie das in früheren Großfamilien der Fall war.
Vermischtes
Tirschenreuth
27.02.2016
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Sanitärbereiche und Haustechnik entsprechen jetzt dem aktuellen Stand.

Vier großflächige Appartements, ausschließlich Einzelzimmer mit modernster Ausstattung und eine "Zoiglstube". Die Rede ist nicht von einem neuen Hotel in der Kreisstadt, sondern vom BRK-Seniorenheim "Ziegelanger". Ende des Jahres sind die Sanierungsmaßnahmen erledigt.

In zwei Bauphasen geht die Sanierung über die Bühne. Abschnitt I ist Ende März beendet. Baubeginn war im April 2015. Insgesamt 4,7 Millionen Euro lässt sich das BRK die Aufhübschung des in die Jahre gekommenen Heimes kosten. Nach Fertigstellung weist es 99 Einzelzimmer und vier Appartements, sogenannte Doubletten, auf. Vorher waren es 127 Plätze. Die Appartements kommen großzügig daher, haben eine Fläche von je 55 Quadratmetern, sind mit Doppelzimmern ausgestattet, haben Küchenzeile und Teeküche und selbstverständlich Balkon.

Der Hauptgrund, warum man sich zur Sanierung entschlossen habe, sei einer zeitgemäßen Hausphilosophie geschuldet, erklärt BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl. Bei modernen Heimen mit Hausgemeinschafts-Konzept spreche man von solchen der vierten oder sogar fünften Generation. Haus Ziegelanger wäre vor der Sanierung zwischen zweiter, maximal dritter Generation anzusiedeln gewesen. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Heute seien großzügige Gemeinschaftsflächen das A und O, erklärt Schedl.

Wie Großfamilie


In den beiden oberen Stockwerken werde aus diesem Grund dieses sogenannte Hausgemeinschafts-Konzept umgesetzt. Auch hier gibt es dann jeweils eine Küchenzeile, wo gekocht wird, unter Einbeziehung der Bewohner. Etwa 12 Bewohner verbringen dort ihren Tag gemeinsam. Dieses Konzept unterstütze den Anspruch, die Teilhabe des Menschen solange zu erhalten, wie es irgendwie gehe, ähnlich früherer Großfamilien. "Der Mensch soll nicht an seinen Defiziten, sondern an dem, was er noch kann, gemessen werden", sagt Schedl.

Architekt Martin Csakli vom Büro Brückner und Brückner erklärte bei der Baustellenbesichtigung die notwendigen Arbeiten, um diesem Anspruch gerecht werden zu können. So wurde und wird neben statischen Eingriffen die Bausubstanz völlig entkernt, für die Doubletten werden Anbauten geschaffen, das Haus behindertengerecht ertüchtigt und energetisch saniert. "Im Prinzip haben wir ein neues Haus geschaffen", ergänzt der Projektsteuerer Joseph Hörl.

Im zweiten Bauabschnitt wird der ehemalige Speisesaal im Untergeschoss zum modernen Mehrzweckraum umgestaltet, mit neuem Fußboden und einer insgesamt hochwertigen atmosphärischen Aufwertung. Was die Sanierung nicht gerade billig mache, sei die vollumfängliche Brandschutzertüchtigung. Hier wären sehr anspruchsvolle Auflagen zu erfüllen gewesen. Ebenfalls auf Vordermann gebracht wird die Haustechnik. Dabei waren auch viele Bestandsleitungen zu erneuern. Dafür sei die Haustechnik jetzt auf dem neuesten Stand. Noch in diesem Monat wird eine komplett neue Telefon- und Notrufanlage installiert.

"Zoiglstube"


Heimleiter Carsten Gleißner-Lieske freut sich bereits auf die neue "Zoiglstube", die im Eingangbereich entsteht. Die Einrichtung soll helfen, die Hemmschwelle der Bevölkerung zu überwinden. Auch seien dann die Angehörigen bei Besuchen ihrer Verwandten nicht mehr ausschließlich auf das Zimmer angewiesen. Gleißner-Lieske kann sich vorstellen, dass diese Einrichtung zeitweise auch für die Bevölkerung geöffnet werde.

Kreis-BRK-Vorsitzender Franz Stahl betont: "Das ist keine leichte Baustelle." Er lobt die enorme Leistung der etwa 40 Mitarbeiter und die Geduld der Bewohner "bei der "Operation am offenen Herzen". Denn sämtliche Baumaßnahmen gehen im laufenden Betrieb über die Bühne.

Aus eigener Tasche


Schatzmeister Erwin Steiner spricht von einer echten Herausforderung, was die Finanzierung betrifft, denn der Kreisverband bezahlt das anspruchsvolle Projekt aus der eigenen Tasche. Zuschüsse gibt es dafür keine, nur einige wenige günstige Bankkredite.

Etwa 20 Firmen, davon rund 90 Prozent aus der Region, sind am Bau beteiligt. Die Außenfassade wird in den BRK-Farben weiß und rot gestaltet. Die Gartenterrassen und der Innenhof werden im Spätsommer verschönt.
Der Mensch soll nicht an seinen Defiziten, sondern an dem, was er noch kann, gemessen werden.Geschäftsführer Holger Schedl
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