Segelflugclub Stiftland feiert 65. Geburtstag
Mit der Kraft der Sonne in die Luft

Mit den letzten Sonnenstrahlen sind auch die Segelflieger wieder gelandet. Sie und ihre Maschinen brauchen warme Luft. Wenn die nach oben steigt, nimmt sie die Flieger mit. Archivbild: Grüner
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Tirschenreuth
25.07.2016
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Zum Bestand der Tirschenreuther Segelflieger gehört auch der neue Ultraleichtflieger vom Typ "TL 96 Sting". Dieser wird allerdings nicht für Passagierflüge eingesetzt. Bild: Privat

Der Himmel über dem Stiftland ist ihr zweites Zuhause. Seit 65 Jahren kreisen die Segelflieger durch die Lüfte. Vielen "Co-Piloten" haben sie seitdem ungewöhnliche Perspektiven geboten.

"Fast vollkommen lautlos und frei durch die Luft gleiten, getragen von warmer Luft und völlig ohne Motorkraft - das ist ein unglaubliches Gefühl, das man selbst erleben muss", schwärmt Alexandra Ritz, Hobby-Pilotin beim Segelflugclub Stiftland. Seit 65 Jahren fliegt der SFC im Himmel über der Kreisstadt und weit darüber hinaus. Das Jubiläum wird am Wochenende gefeiert. Die ersten Versuche ein Gleitflugzeug zu bauen, gehen in Tirschenreuth bis in die 1930er Jahre zurück. Doch während und nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Flugträume zunächst auf Eis gelegt werden.

Schleppender Start


Erst fünf Jahre nach dem Krieg wurde das Segelfliegen in Deutschland wieder erlaubt. Am 26. Mai 1951 riefen Luftfahrtbegeisterte den Fliegerclub ins Leben. Mit Lautsprecherwagen und allen Möglichkeiten, die zur Verfügung standen, wurde zur Gründungsversammlung ins Bahnhofshotel Mehler eingeladen. In den Anfangsjahren musste der Segelflugclub viele Hürden überwinden. Die Finanzierung und der Bau des ersten eigenen Vereinsflugzeugs vom Typ "Mü 13 E - Bergfalke I" war schwierig und ging nur schleppend voran. Zu Beginn hatte man auch keinen Platz zum Fliegen, keine Seilwinde, keinen Fluglehrer und keine Transportmöglichkeit für den Bergfalken. 1955 wurde daher mit dem Aeroclub Weiden eine Fluggemeinschaft gegründet, wo das Segelflugzeug dann endlich in die Luft gehen konnte.

Doch bereits am Abend des ersten Flugtages passierte das Unfassbare. Die Maschine ging zu Bruch. Der Schaden belief sich auf 2500 DM und die Reparatur musste bei einer Flugzeugbaufirma in Burglengenfeld in Auftrag gegeben werden. Man war buchstäblich am Boden zerstört. Doch der Traum vom Fliegen ließ die Mitglieder nicht los.

Der Aufstieg begann schließlich 1957 mit dem eigenen Fluggelände am Stadtrand von Tirschenreuth. Am 2. Juni 1957 konnte endlich der erste Segler am heutigen Flugplatz starten. Im Verlauf des 65-jährigen Vereinsbestehens lernten unzählige Flugsportbegeisterte beim SFC das Fliegen. Aber auch viele Landkreisbewohner und Urlauber konnten die Stadt und die umliegende Landschaft seitdem bei einem Rundflug von oben genießen. Auch heute - in einer Zeit, in der fast alle schon einmal mit einer großen Verkehrsmaschine in den Urlaub geflogen sind - bleibt ein Flug mit einem vergleichsweise kleinen Flieger ein ganz besonderes Erlebnis.

Wenn die Flieger des SFC ohne Passagiere und ohne Motor fliegen, zieht sich die Reise oft weit über die Landkreisgrenzen hinaus. "Nur mit der Kraft der Sonne - durch thermische Aufwinde - können Strecken über viele hundert Kilometer ohne einen einzigen Tropfen Benzin zurückgelegt werden", erklärt Ritz. Seit den ersten Segelfliegern aus Holz und Bespannstoff hat sich viel getan.

Ausbildung ab 14 Jahren


Heute werden Segelflugzeuge aus Kohlefaser- und Glasfaserverbundstoffen hergestellt und die Cockpits sind mit modernsten Instrumenten ausgestattet. Gleich geblieben ist allerdings die Faszination am Fliegen, die die Piloten aller Altersschichten auch heute noch in ihren Bann zieht. Bereits ab 14 Jahren kann mit der Ausbildung begonnen werden. Bei einer vierwöchigen Schnuppermitgliedschaft können Interessierte den Sport jederzeit unverbindlich ausprobieren.

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Mehr zur Geschichte des Vereins und viel Wissenswertes zum Flugsport:

www.flugplatz-tirschenreuth.de

Flugplatzfest am WochenendeKommendes Wochenende, am 30. und 31. Juli, lädt der Segelflugclub die Bevölkerung wieder zum traditionellen Flugplatzfest ein. Auch in diesem Jahr erwartet die Gäste ein umfangreiches Speise- und Getränkeangebot, eine große Tombola und Livemusik, erstmals mit der Band Timeless. Am Sonntag werden Gyrokopter und ein Hubschrauber erwartet und an beiden Tagen kann mit dem Motorsegler zu Rundflügen gestartet werden. Musikalisch abheben kann zudem am Samstagabend beim ersten "Aerosound" mit Barbetrieb und DJ Matze G. Am Sonntag um 9.30 Uhr ist Feldgottesdienst (bei schlechtem Wetter in der Flugzeughalle) mit anschließendem Weißwurstfrühschoppen.
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