Simandl-Kreuz kopiert und aufgestellt
Ein dauerhaftes Kunstwerk

"Wahrscheinlich was das Eis noch nicht dick genug und die Buben sind darin eingebrochen." Zitat: Historiker Harald Fähnrich
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Tirschenreuth
21.07.2016
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Nach der Segnung überreichte Bürgermeister Franz Stahl (links) einen Zuschuss an Vorsitzenden Robert Eisenmann. Bilder: Grüner (2)

Magdalena und Johann Simandl stifteten 1909, nach dem tragischen Tod ihrer beiden Buben, ein Flurkreuz. Das hing lange Zeit an der städtischen Fischerhütte beim Pflöcklteich. 1970 wurde es renoviert und im Fischereimuseum ausgestellt. Der Fischereiverein Stiftland hat eine Replik anfertigen lassen. Für die Hütte.

Historiker Harald Fähnrich erklärte bei der kirchlichen Segnung des neuen Kreuzes durch Stadtpfarrer Georg Flierl, was damals vorgefallen war. Der achtjährige August Simandl und sein sechsjähriger Bruder Hermann hatten am Heiligen Abend 1908 Schlittschuhe geschenkt bekommen. Klar, dass sie die am nächsten Tag gleich ausprobieren mussten. Zum Pflöcklteich zog es die beiden Jungs voller Tatendrang. Die Neugierde schien stärker gewesen zu sein als die Vorsicht. "Es ist anzunehmen, dass das Eis noch nicht dick genug war und die Buben darin eingebrochen sind", mutmaßte Fähnrich. Am 26. Dezember 1908 wurden sie tot aufgefunden. Der Pflöcklteich liegt am Ende des Fischerhüttenweges, wo heute die Hütte des Fischereivereins steht. Dort in der sogenannten "Beckenpeter-Loh" stand bis vor etlichen Jahren neben dem Pflöcklteich auch die alte Fischerhütte der Stadt.

Von den Eltern gestiftet


Die Eltern, des Glasmachergehilfen Johann Simandl und seine Ehefrau Magdalena stifteten ein Jahr nach dem Unfall ein Kreuz und durften es an der städtischen Hütte befestigen. Der verstorbene Kirchenpfleger und Stadtrat Anton Hamm nahm das Kreuz um 1970, als die Hütte abgerissen wurde, an sich. Er ließ es auf eigene Kosten restaurieren und überließ es dem Ur-Fischereimuseum.

FVS-Vorsitzender Robert Eisenmann freute sich darüber, dass so viele Mitglieder, Stadträte und Interessierte zur Segnung des Kreuzes gekommen waren. Die Jagdhornbläser der Kreisgruppe Tirschenreuth lieferten die passende Musik zu den Feierlichkeiten. Die Tirschenreuther Böllerschützen machten mit Lautstärke und viel Pulverdampf auf das Ereignis aufmerksam.

Für 3500 Euro restauriert


Eisenmann erklärte, warum der Verein 3500 Euro in eine Kopie des Kreuzes investiert hat. Als Ende der 1960er Jahre der FVS die Teichanlage pachtete, waren die Fischerhütte und auch das Kreuz bereits in einem sehr desolaten Zustand. Niemand wusste damals, was es mit dem Kreuz auf sich hatte, an welches Schicksal es erinnerte. 1970 erhielt der Verein unter dem damaligen Vorsitzenden Hans Hamm die Genehmigung für den Abriss und Neubau einer Fischerhütte. Hamms Bruder Anton war Pächter dieses Jagdbogens und bot an, das Kreuz abzunehmen und restaurieren zu lassen. Danach wurde es im ehemaligen Kloster im ersten Fischereimuseum ausgestellt. Im Nachhinein erwies sich dieser Umstand als Glücksfall, weil 1984 auf die Hütte ein Brandanschlag verübt wurde. Nach dem Wiederaufbau besann man sich auf das Kreuz und dachte an, es wieder an Ort und Stelle aufzustellen, was, aus welchen Gründen auch immer, nicht geschah.

Glücklicher Umstand


Ein glücklicher Umstand führte vor zwei Jahren dazu, dass das Originalkreuz, das im Depot des Fischereimuseums gelagert war, wieder in die Hände des Vereins kam. Dabei wurden kleine Beschädigungen festgestellt. Deshalb engagierten die Verantwortlichen den Tirschenreuther Kirchenmaler und Restaurator Matthias Krämer für eine professionelle Expertise.

Seine Einschätzung: "Die Reliefs sind in einem sehr schlechten Zustand. Die bei der Restaurierung verwendeten Farben sind ungeeignet. Den Jahreszeiten ausgesetzt, sind die Figuren in zwei Jahren restlos zerstört. Lasst Euch aus Lärchenholz Kopien der Reliefs anfertigen, die farbliche Fassung führe ich durch, dann habt Ihr ein Kunstwerk, das dauerhaft jedem Wetter standhält."

Original ins Museum


Gesagt, getan. Das Original-Kreuz hängt momentan noch in der Gerätehalle des FVS. Bei den Feierlichkeiten sagte aber Bürgermeister Franz Stahl zu, dass es in absehbarer Zeit wieder einen würdigen Platz in einem Bereich des Museumskomplexes finden wird.

Wahrscheinlich was das Eis noch nicht dick genug und die Buben sind darin eingebrochen.Historiker Harald Fähnrich
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