Sitzung des Suchtarbeitskreises Tirschenreuth
Leidensdruck bei Führerscheinentzug ganz besonders hoch

Mit dabei im Landratsamt waren (von links) Landrat Wolfgang Lippert, Theresia Schwarz (Geschäftsführerin Suchtarbeitskreis) und Referent Thomas Wicke
Vermischtes
Tirschenreuth
19.05.2017
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Diplom-Psychologe Thomas Wicke warnte davor, die MPU auf die leichte Schulter zu nehmen. Bild: jr

Wer seinen Führerschein mit mehr als 1,6 Promille am Steuer oder unter dem Einfluss anderer Drogen verliert, muss in der Regel eine medizinisch psychologische Untersuchung (MPU) über sich ergehen lassen, um den "Lappen" zurückbekommt. Und die hat es in sich.

(jr) Der Suchtarbeitskreis des Landkreises beschäftigte sich sehr intensiv mit diesem Thema. Diplom-Psychologe Thomas Wicke, fachlicher Leiter vom TÜV-Süd München, referierte dazu im Landratsamt. Dabei machte er deutlich, dass man sich darauf gut vorbereiten muss. "Wer ohne Vorbereitung in eine MPU geht, hat nahezu keine Chance, diese zu bestehen."

Theresia Schwarz, Geschäftsführerin des Suchtarbeitskreises, sagte, dass das Thema MPU den Verantwortlichen schon lange unter den Nägeln brenne. Für Landrat Wolfgang Lippert war es gar "ein persönliches Anliegen", einmal einen Profi dazu zu Wort kommen zu lassen. Schließlich sei das Thema für viele Verkehrsteilnehmer wichtig. Der Landrat: "Hier wird viel erzählt, doch kaum einer weiß wirklich Bescheid." Klar sei auch, dass es nicht ganz billig sei, wieder an den Schein zu kommen. Der Landrat warf dabei auch die Frage auf, ob Leute, die sich nicht gewählt artikulieren könnten, hier im Nachteil seien.

"Ich bin jetzt seit 26 Jahren in dem Metier dabei", sagte Diplom-Psychologe Thomas Wicke, ein gebürtiger Hirschauer, der jetzt in München lebt. "Damit Betroffene den Führerschein wieder zurückbekommt, bieten wir Beratung und Kurse an", sagte Wicke. Er sprach von einem der ausgefeiltesten Systeme der Verkehrssicherheit, die es in Deutschland gibt. So gebe es seit 2014 eigene Seminare, womit belastete Autofahrer Punkte abbauen könnten.

Die MPU sei ohne Vorbereitung kaum zu schaffen. "Wer schlau ist kümmert sich rechtzeitig um Beratung und eventuell einen Kurs, wo er darauf vorbereitet wird." Zur MPU müssten Leute, die durch Alkohol und andere Drogen oder durch andere Dinge im Straßenverkehr, wie Aggression und Straftaten, aufgefallen seien. "Wer einen Unfall mit mehr als 1,6 Promille baut, muss zur MPU." Wer zweimal in fünf Jahren bei Trunkenheitsfahrten mit mehr als 0,5 Promille erwischt werde, müsse ebenfalls antreten. Dringend geboten sei der Test zudem bei einer Autofahrt nach der Einnahme von Drogen wie Cannabis oder bei acht Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.

Wicke rechnete vor: Um 1,6 Promille zu erreichen muss ein Mann mit 80 Kilogramm rund acht Halbe Bier oder acht Viertel Wein oder viele Schnäpse trinken. Der Männeranteil bei MPUs nach Alkohol liege bei 90 Prozent, bei Drogeneinnahmen bei 70 Prozent. "Bereits der einmalige Konsum von Betäubungsmitteln führt zur Nichteignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges." Hier in der Region sei vor allem Crystal Speed die gefährlichste Droge. "Sie führt zum psychischen und körperlichen Zusammenbruch", warnte Wicke. MPUs gibt es auch, wer zu viele Punkte in Flensburg hat. Bei bis zu fünf Punkten könnten noch Punkte durch Teilnahme an Kursen oder Lehrgängen abgebaut werden, darüber nicht mehr. Bei acht Punkten gibt es eine sechsmonatige Sperre. Die einzelnen Punkte verfallen nach einer Dauer von zweieinhalb Jahren wieder.

Aus Erfahrung berichtete Wicke, dass der Leidensdruck bei Führerscheinentzug groß ist. "Wer davon betroffen ist, muss sich rechtzeitig um die Teilnahme an einer MPU kümmern. Einfach nur so kommen und glauben, das schaffe ich, funktioniert mit Sicherheit nicht. Ohne Vorbereitung gibt es da fast keine Chance", sagte Wicke.

Aus der Erfahrung berichtete der Sprecher, dass rund 80 Prozent der Klienten mit Vorbereitung die MPU schaffen, ohne Beratung dagegen nur rund dreißig Prozent. So ein vorbereitender Kurs koste zwischen 600 bis 800 Euro. Ausdrücklich warnte Wicke vor Anbietern, bei denen solche Kurse bis zu 2000 Euro kosteten, aber wenig professionell abliefen.

Im Anschluss stellte sich Wicke den Fragen. Dabei wollten die Zuhörer vor allem wissen, wie eigentlich so eine MPU abläuft. Wicke: "Im Mittelpunkt steht das Gespräch des Klienten mit dem Psychologen, der dann seien Diagnostik abgibt." MPU werden in der Region in Weiden, Bayreuth und Hof angeboten. Auf Nachfrage, warum nicht in Tirschenreuth, sagte Wicke: "Weil es sich nicht rentieren würde."
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