Spezielle Gästeführung
In der Tirschenreuther Unterwelt

Der Keller unter dem Maurus-Fuchs-Haus. Gästeführer Thomas Sporrer (rechts) erklärt anhand einer historischen Karte, wo in Tirschenreuth überall Keller zu finden sind. Im Mittelalter verlief ein regelrechtes Keller-Labyrinth unter dem Marktplatz. Viele Keller sind heute aufgelassen und verfüllt. Bilder: Grüner (6)
Vermischtes
Tirschenreuth
21.10.2016
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Hier ist nichts Gold, was glänzt (links). Aus diesem Holzrohr wurde vor Jahrhunderten Zoigl abgefüllt (Mitte): Mit Hammer und Meißel wurden die Keller aus dem Gestein geschlagen (rechts).

Keller erzählen Geschichte. Zumindest, wenn Gästeführer sie interessant zu vermitteln vermögen. So wie in der Kreisstadt, wo Cornelia Stahl und Thomas Sporrer heuer etwa 600 interessierte Besucher in die Zeit des Mittelalters zurückversetzt haben.

Die Führungen "Kellerschätze-Schatzkeller" waren eine einmalige Sache. Zumindest in den kommenden Jahren werde es keine weiteren geben, erklärten Stahl und Sporrer. Drei interessante Keller waren es, die besichtigt wurden. Der im Anwesen Stichanerstraße 1, wo der berühmte Kirchenmaler Maurus Fuchs gelebt hat, der am Unnaplatz 10 unter dem heutigen Maximilianquartier im ehemaligen Zahn-Anwesen und der in der Hochwartstraße 7 im sogenannten Mehlerhaus. Als vierter Keller, der der ehemaligen Brauerei Kühn, wurde dann noch in der Gaststube im "Spannantonisephen-Haus" virtuell per Multimediapräsentation vorgestellt.

Die spannende Zeitreise begann im Geburtshaus des Kunstmalers Maurus Fuchs. Er wurde 1771 geboren, lebte lange Zeit hier und verstarb dort 1848. Der typische Tirschenreuther Kellerraum wurde von Anfang an von den Besitzern genutzt, erklärten die Gästeführer. Er präsentiert sich mit einem Tonnengewölbe, einem kleinen Nebenkeller und einem Lehmstampfboden.

Viele Keller verfüllt


In östlicher Richtung führt er in Richtung Klettnersturm. Er verlief einst mindestens bis in die Regensburger Straße. Als in den 1960er Jahren die Zufahrtsstraße zum Marktplatz neu gebaut wurde, mussten große Teile der Keller aufgelassen und verfüllt werden. Es waren in der Hauptsache Bierkeller, Lager für Lebensmittel, aber auch Schutzräume in Kriegszeiten.

Die Entstehung der Tirschenreuther Keller könne nicht mehr zweifelsfrei ermittelt werden. In der alten Posthalterei am Marktplatz (Gleißner-Haus) befindet sich am böhmischen Kreuzgewölbe im Keller ein Zimmermannszeichen mit der Jahreszahl 1574. Es werde davon ausgegangen, dass die Tirschenreuther Bürger die Keller wohl im ausgehenden Spätmittelalter (15./16. Jahrhundert) errichten ließen.

Mit Hammer und Meißel wurden sie in den Tirschenreuther Gneis und Granit getrieben. Mehr als Essen und Trinken hätten die Taglöhner, die diese schwere Aufgabe erledigt haben, wohl nicht für ihre Arbeit bekommen, erläuterten die Gästeführer. "Wer damals einen Keller hatte, der hatte auch Geld. In Tirschenreuth waren das nur die Ackerbürger rund um den Marktplatz."

Skelett und Schatztruhe


Der Gebäudekomplex am Maximilianplatz 23 entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Bankier Josef Zahn hatte hier sein Bankhaus, sein Bruder betrieb im angrenzenden Haus ein Kaufhaus. Als Heimerl-Areal war es einige Jahre im Besitz von Metzgermeister Alfons Heimerl. Heute heißt der Komplex "Maximilianquartier". Der Keller wurde schon vor Jahrzehnten verschlossen, bis auf ein Loch, wo ein Erwachsener gerade mal so durchpasst. Dort endet für die Teilnehmer auch der Weg durch den Keller. Aber die Gästeführer wollen ja auch unterhalten und hatten da eine Idee. Mittels Leiter stiegen sie vor den Führungen immer hinab und brachten mit Strahlern Licht ins Dunkel.

Freilich die Goldstücke, die Edelsteine und der Schmuck in der Schatzkiste, entpuppten sich dann doch als unecht und auch die skelettierte Hand, die sich an einer uralten Bierflasche festhält, ist nur aus Plastik und gehört zu einem Modell, das in einer Physiotherapie-Praxis steht.

Der Keller des sogenannten "Mehlerhauses" in der einstigen Schmiedgasse (Hochwartstraße) diente einst als Lagerstätte für das Zoigl-Bier. So wie damals wird das beliebte Bier heute auch ausgeschenkt. Denn 2005 kaufte und sanierte Steffi Stahl das Anwesen. Im Obergeschoss hat die Familie das "Franz-Josefs-Atelier" eingerichtet, wo die Kellerführung bei Brotzeit, Zoigl und Kartenspiel endete.

Recht und Ordnung


Auch im kommenden Jahr gibt es wieder eine Themenführung. Die befasst sich dann mit Recht und Ordnung in Tirschenreuth. Daneben bieten die Tirschenreuther Gästeführer noch jede Menge andere Führungen, darunter auch eine mit E-Bike und Bussen an.

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Weitere Informationen:

www.stadt-tirschenreuth.de
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