Stadtpfarrer Georg Flierl feiert 60. Geburtstag
Als guter Mensch unterwegs sein

Weil er sich der Ewigen Anbetung und den Wallfahrten zu "Unserer lieben Frau von Tirschenreuth" besonders verpflichtet fühle, wechselte Georg Flierl von Eschlkam nach Tirschenreuth. Heute feiert der Stadtpfarrer und Regionaldekan seinen 60. Geburtstag. Bild: Grüner
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Tirschenreuth
22.04.2016
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"Der Titel Bischöflich Geistlicher Rat gilt in unseren Kreisen als Alterserscheinung", sagt der Tirschenreuther Pfarrer Georg Flierl. Am Samstag, 23. April, feiert er seinen 60. Geburtstag. Und alt wirkt er überhaupt nicht.

Geboren ist Flierl in Vilshofen bei Amberg. In der 1000-Seelengemeinde absolvierte er die Volksschule, bevor er Anfang der 1970er Jahre ins Gregor-Mendel-Gymnasium in Amberg wechselte. Bereits in der Volksschule zeichnete sich eine gewisse mathematische Begabung ab. Deshalb das mathematisch/naturwissenschaftliche Gymnasium. "Zu der Zeit war es nicht absehbar, dass ich einmal bei einem Studium im geisteswissenschaftlichen Bereich lande."

Einen bestimmten Berufswunsch hatte Georg Flierl während seiner Schulzeit nicht. "Nach dem Abitur folgte ja noch der Wehrdienst und bis dahin war noch so viel Zeit." Der Einberufungsbescheid zu einer Sanitätseinheit bei Fürstenfeldbruck ließ nicht lange auf sich warten. In der allerletzten Sportstunde seiner Schullaufbahn verletzte sich Georg Flierl beim Fußballspielen durch einen Pressschlag das Knie so sehr, dass es fast 15 Monate gedauert hat, bis alles wieder in Ordnung war. "Solange ich denken kann, bin ich Bayern-Fan, so sehr ich mich zwischendurch auch immer wieder über die Arroganz und Großspurigkeit einiger Vertreter des Vereins ärgere. Heute verfolge ich nur noch die Ergebnisse, um tiefer einzusteigen, reicht einfach die Zeit nicht."

Georg Flierl ist das älteste von fünf Geschwistern. Er war nie Ministrant oder in irgendeiner anderen Weise "in der Kirche groß auffällig geworden". In der Familie sei aber der sonntägliche Gottesdienstbesuch selbstverständlich gewesen. Mütterlicherseits war die religiöse Prägung stärker. Ein Cousin der Mutter war Missionar in Südafrika, einer ihrer Onkel Pfarrer.

"Wenn damals mein Heimatpfarrer Martin Liedl, ein gebürtiger Erbendorfer, in seinen Predigten für den Priesterberuf geworben hat, dachte ich immer, es muss mir doch jetzt jeder ansehen. Und mir wurde dabei richtig heiß, dass ich da gemeint bin. Was da in mir vorging, habe ich zu dem Zeitpunkt selbst nicht wirklich verstanden. Von Kollegen im Priesterseminar erfuhr ich später, dass mancher schon als Kind wusste, dass er Priester werden wollte."

Georg Flierl stammt aus einer Arbeiterfamilie, die zum Lebensunterhalt noch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieb. "Große finanzielle Sprünge waren da nicht möglich. Und auch wir Kinder mussten immer mitarbeiten. Erdäpfel graben und Unkraut jäten bei den Runkelrüben waren anstrengend, Kälber tränken immer ein schönes Erlebnis." Der Vater war Baggerführer im Kalkwerk am Ort, das der Maxhütte zulieferte. Die letzten 15 Jahre seines Arbeitslebens war er in der Hütte in Sulzbach-Rosenberg am Hochofen eingesetzt.

Noch nicht im Reinen


Nach dem Abitur 1976 studierte Georg Flierl zwei Semester Medizin in Ulm. "Ich war damals noch nicht ganz im Reinen mit mir, wie es weitergehen soll." Als seine Knieverletzung ausgeheilt war, absolvierte er seinen 15-monatigen Grundwehrdienst in Erntebrück, im Rothaargebirge bei Siegen und Hof-Döbraberg bei der Luftwaffe. "Während dieser Zeit hat sich mein Entschluss pro Priesterseminar immer mehr gefestigt." Flierl studierte in Regensburg und absolvierte dazwischen seine Freisemester an der Gregoriana in Rom. Wohnen konnte er im "Campo Santo Teutonico" im Schatten des Petersdoms. "Blauäugig und ahnungslos ging ich dorthin." Mit seinem 127-er Fiat fuhr er in der Früh um fünf los und stand zwölf Stunden später auf der Via Aurelia achtspurig im Stau. "Was für ein Kontrast zur Oberpfalz!"

Entzugserscheinung


Das war Anfang September 1980. Bis Weihnachten dauerte es, bis er sich einigermaßen akklimatisiert und italienisch gelernt hatte. "Die Vielfalt der Eindrücke war anstrengend, aber es war das bereicherndste Jahr meines Lebens." Wieder zurück in der Oberpfalz hatte er Entzugserscheinungen. "War ich fast ein Jahr täglich auf dem Petersplatz unterwegs gewesen, wo immer viele Menschen sind, stand ich plötzlich wieder in meinem Dorf in der Oberpfalz."

Sein Pastoraljahr verbrachte Georg Flierl 1983 in Landshut St. Wolfgang bei Pfarrer Jakob Brenner. Die Diakonenweihe war Anfang März 1984 in Ammerthal bei Amberg, die Priesterweihe in der Regensburger Dominikanerkirche am 30. Juni 1984. Auch der Tirschenreuther Reinhard Forster und der heutige Wunsiedler Pfarrer Günther Vogl waren im gleichen Kurs beziehungsweise Weihekollegen. Als Kaplan war Georg Flierl drei Jahre in Tirschenreuth und zwei Jahre in Sulzbach-Rosenberg. Dann folgten elf Jahre als Pfarrer in Eschlkam im Bayerischen Wald. Seit 2000 ist Georg Flierl Stadtpfarrer in Tirschenreuth und aktuell auch Regionaldekan. Er bewarb sich auf die Stelle, weil er sich gegenüber der ewigen Anbetung und den Wallfahrten verpflichtet fühlte, deren Beginn in seine Kaplanszeit zurückreichen.

Es sei keine leichte Entscheidung gewesen, weil er in Eschlkam, die Pfarrei hatte er mit 33 Jahren übernommen, stark verwurzelt gewesen sei. An Tirschenreuth schätzt er, dass viele Leute auch heute noch tief im Glauben verwurzelt sind. Zudem habe ihn noch nie ein Gotteshaus so berührt, wie die Tirschenreuther Pfarrkirche. "Auch ist es nach wie vor ein tolles Arbeiten mit den jungen Leuten in den Schulen. Hier ist die Welt schon noch ganz gut in Ordnung."

Wenn er sich etwas wünschen dürfte? "Dass alle zum Gottesdienst am Sonntag kommen. An Ruhestand denkt Georg Flierl nicht. Von Amtswegen darf er noch zehn Jahre weitermachen. Er hofft, dass auch weiterhin das Gottvertrauen in den Familien weitergeben wird, dass sich die Gläubigen bewusst sind, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, und die Leute versuchen, als gute Menschen im Leben unterwegs zu sein.
Auch ist es nach wie vor ein tolles Arbeiten mit den jungen Leuten in den Schulen. Hier in der Region ist die Welt schon noch ganz gut in Ordnung.Pfarrer Georg Flierl
Was da in mir vorging, habe ich zu dem Zeitpunkt selbst nicht wirklich verstanden. Von Kollegen im Priesterseminar erfuhr ich später, dass mancher schon als Kind wusste, dass er Priester werden wollte.Pfarrer Georg Flierl
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