Stellschrauben und Spielräume

Das Team des Forschungsverbundes mit (von links) Christian Wolff, Professor Dr. Lothar Koppers, Tobias Kirschke (Sachsen), Dr. Susanne Stangl (Tirschenreuth), Felix Drießen (Wittenberg), Helke Wendt-Schwarzburg, Dr. Till Ansmann, Sven Wurbs (Inter 3 Berlin), Bürgermeister Andreas Claus, Yvonne Raban (Uebigau-Wahrenbrück), Florian Rüth (Tirschenreuth), Dr. Susanne Schön (Inter 3 Berlin), Kathrin Wichmann (TU Berlin), Cornelia Siebke, Jens Walter (BTU Cottbus) und Professor Dr. Johann Köppel (TU Berlin). Bil
Vermischtes
Tirschenreuth
10.06.2016
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"Die Energiewende muss von den Bürgern gewollt, von den regionalen Betrieben gemacht und von den Kommunen gemanagt werden." Mit dem Credo ist eine dreijährige Forschungsarbeit im Landkreis gestartet. Zeit zur Rückschau und zum Ausblick.

Mit den Themen Klimaschutz, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz wollen die Regionalmanager des Landkreises das "Projekt W3" nahtlos fortführen. Schließlich war der Landkreis Tirschenreuth neben der Stadt Uebigau-Wahrenbrück und dem Landkreis Wittenberg als eine von drei Praxisregionen für die regionale Energieflächenpolitik ausgewählt worden, betreut von Dr. Susanne Schön vom koordinierenden Büro "inter 3". Bei der Abschlussveranstaltung ging es jetzt um "Stellschrauben und Spielräume". Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier brachte die Herausforderungen für Kommunen dabei nochmals auf den Punkt: "Die Energiewende muss bei den Menschen vor Ort ankommen."

Flächen gesucht


Ob Solarenergie, Windkraft oder Biomasse - "Erneuerbare Energien suchen Flächen". Und das bevorzugt auf dem Land, wo die auch zur Verfügung stehen. Deshalb suchten die Forschungspartner Instrumente, um unter ökologischen, wirtschaftlichen und Akzeptanz-Gesichtspunkten geeignete Flächen zu finden. Und das mit möglichst viel Mehrwert für die jeweilige Region. "Eins war von Anfang an klar", sagte Regionalkoordinatorin Dr. Susanne Stangl: "Die für den Klimaschutz notwendige Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Dabei wird die Gesellschaft sowohl Lasten auf sich nehmen müssen, als auch vom Nutzen profitieren. Leider geschieht dies nicht immer ausgewogen."

Landrat Wolfgang Lippert hob bei der Abschlussveranstaltung die direkte Einbindung von regionalen Praxispartnern ins Forschungsprojekt hervor. "Da war ein steter Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis." Regionalkoordinatoren fungierten dabei als Ansprechpartner vor Ort und sorgten für Transparenz.

Dabei wurden mit den regionalen Akteuren eigene Wege in Richtung Energiewende erprobt: Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück hat das Transfer- und Transformationszentrum "Erneuerbare Energien" in der Brikettfabrik Louise weiter ausgebaut. In der Region Anhalt, zu der der Landkreis Wittenberg gehört, haben sich regionale Akteure zur Energieavantgarde Anhalt (EAA) zusammengeschlossen, die mit dem Aufbau eines regionalen Stromsystems die Energiewende vorantreiben will. Und im Landkreis Tirschenreuth hat sich eine Bürgergenossenschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz gegründet.

Die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung nutzten schließlich auch die Möglichkeit zur Diskussion. Nachdem Albert Köstler, Vorsitzender der BI Gegenwind Stiftland, sich in seinem Appell für den Schutz der Landschaft und der Gesundheit der Menschen gegen den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien ausgesprochen hatte, gab Josef Siller, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz, zu bedenken, dass die Klimaerwärmung die größte Bedrohung für die Menschen weltweit darstellt und gerade deshalb die Notwendigkeit eines behutsamen und nachhaltigen Ausbaus der Erneuerbaren Energien auch in der Region besteht.

Massive Schäden


Dies nahm Andreas Claus, Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück, seinerseits zum Anlass, "Energiewende-Skeptiker" in seine Heimatregion einzuladen, damit diese selbst erfahren können, wie dort der Abbau von Braunkohle massiv zur Landschaftszerstörung und gesundheitlichen Belastung der Bürger in der Region Lausitz beigetragen habe.

Vorbehalte nur im DetailAls wichtigen Erfolg für den Landkreis Tirschenreuth erachteten die Projekt-Teilnehmer, "dass es gelungen ist, das Thema Erneuerbare Energien trotz wiederkehrender negativer Schlagzeilen zu a Windkraft- und Stromtrassenbau auch positiv besetzen zu können". Nicht zuletzt mit der Gründung der "TIR Energie eG", die sich in Zukunft auch um Energieeffizienzprojekte kümmern will. "Die vielen Gespräche mit regionalen Akteuren zeigten auch, dass eine Mehrheit der Befragten sich für Erneuerbare Energien ausspricht, wenn es auch Vorbehalte im Detail gibt."

Mit der Förderung des Bereiches Klimaschutz und Energie im Regionalmanagement kann Regionalkoordinatorin Dr. Susanne Stangl an ihre bisherige Arbeit anknüpfen. "Der Schwerpunkt wird zukünftig auf Netzwerktätigkeit, Energieeffizienz und nachhaltige Mobilität liegen." Der Landkreis ist seit Anfang Mai Partner im ersten bayerischen kommunalen Energieeffizienznetzwerk und will zudem ein "kreiseigenes" Netzwerk aufbauen.

Hohe Priorität hat auch die Entwicklung eines regionalen E-Mobilitätskonzeptes zusammen mit dem Landkreis Neustadt und der Stadt Weiden. Die Unterstützung bzw. die gemeinsame Umsetzung von EE-Projekten mit der "TIR Energie eG" steht auch auf der Agenda. Und schließllich sollen die im Forschungsprojekt entwickelten Instrumente auch in den Kommunen eingeführt und dort zur Anwendung kommen. Die Energieagentur Nordoberpfalz wird dabei weiterhin bei der Beratung zur kommunalen Energieflächenpolitik eingebunden sein.
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