Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft
Punktsieg für die Provinz

Franz Stahl hat durchaus Grund zum "strahlen". In einem Vergleich der "Süddeutschen Zeitung" zwischen Tirschenreuth und München punktet die Kreisstadt. Dabei weiß Stahl natürlich, dass der Vergleich "hinkt". Doch freut den Bürgermeister vor allem, dass die Einwohner mit ihrer Stadt, und damit auch seinen Bemühungen, immer zufriedener sind. Bild: Schirmer
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Tirschenreuth
17.08.2016
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Provinz kontra Zentrum, da hinkt das Land meist hinterher. Wer nur in den Geldbeutel schaut, der erlebt eine Überraschung. Vor allem ein Münchner im himmlischen Norden.

Von Werner Schirmer

Die Studie des "Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)" hat Mitte des Jahres den dramatischen Preisanstieg von Nord nach Süd in Erinnerung gerufen. Wenig überraschend: In der "Provinz" ist das Leben noch bezahlbar. Sprich, die etwas niedrigeren Löhne lassen am Ende des Monats und nach der Ableistung aller Grundkosten dann doch etwas mehr Geld im Portemonnaie übrig. Laut Studie gibt es in ganz Deutschland keinen Ort, an dem ein Arbeitnehmer mehr für sein Geld bekommt.

Nur Wasser ist teurer


Ein Münchner Journalist hat vor kurzem den "Selbstversuch" unternommen, mit einem Ausflug in die "billigste Stadt" in der Republik. Und siehe da: Für Wohnen, Strom oder eben Essen und Trinken muss in Tirschenreuth im Vergleich zu München deutlich weniger ausgegeben werden. Und dabei hat sich der Probant noch nicht einmal im konkurrenzlos günstigen Kulturgut, der Zoiglwirtschaft, auftischen lassen. Am Ende des Preisvergleiches muss Tirschenreuth gegen München im 11-Punkte-Katalog nur einmal den Kürzeren ziehen. Das Wasser ist in der Landeshauptstadt (1,64 Euro/Kubikmeter) 13 Cent billiger als in Tirschenreuth. Von der Qualität steht in dem Vergleich aber nichts. Doch München bleibt eben München, ist teuer und überlaufen, erlebt aber dennoch einen anhaltenden Bevölkerungszuwachs. Anders als Tirschenreuth, das laut Prognosen in zehn Jahren wohl 1000 Leute weniger und dann nur mehr 8300 Einwohner zählen wird. Franz Stahl darf sich seinen Besuchen aus München erklären - und auf die Zufriedenheit seiner Einwohner verweisen.

Klein aber fein


Dabei sind Franz Stahl die Vorzüge der Metropole bekannt, gerade im kulturellen Bereich. Aber den zu nutzen braucht es eben auch Spielraum im Geldbeutel. Und Tirschenreuth kann kleiner, aber durchaus fein dagegenhalten. Mit Museumsquartier, Kino oder dem Fischhofpark. Die Aussagen im Fortschreibungsprozess zum "Stadtumbaukonzept" bestätigen die positive Haltung: Gut 90 Prozent sehen die Zukunft ihrer Stadt positiv. Franz Stahl setzt sowieso auf Tirschenreuth. Veränderungen hat das Stadtoberhaupt schon einige auf den Weg gebracht und dabei sogar den Haushalt im Blick behalten. Und das soll so weitergehen, etwa mit dem Neubau des Feuerwehrhauses, der Umsiedlung des Bauhofs und Investitionen in den Schulsektor. Und das sind noch lange nicht alle Pläne des rührigen Bürgermeisters.

Kein Vergleich möglich


Mit seiner Beurteilung ist Stahl nicht allein. "Ich habe viele positive Reaktionen erhalten, per Anruf oder E-Mail", schildert der Bürgermeister. Sogar auf dem Wiesenfest in Kemnath sei es Thema gewesen. Staatssekretär Albert Füracker hätte dort in seiner Rede betont, dass der ländliche Raum viel zu bieten hat. Die Reaktion hätten Stahl bestärkt, dass er das Gefühl der Leute getroffen hat. Natürlich könne man einen Vergleich nicht wirklich vornehmen, weiß der Bürgermeister und setzt schmunzelnd nach: München kann man nicht mit uns vergleichen!

Dabei kann Stahl auch dem Problem des Bevölkerungsverlustes interessante Zahlen entgegenhalten. Demnach verzeichnet Tirschenreuth seit 2003 bis heute 5160 Zu- und 4780 Wegzüge. Für die negative Gesamtbilanz sorgen die Geburten und Sterbefälle. Seit 2003 werden hier 917 Geburten und 1757 Sterbefälle aufgelistet. Freilich ist die Überalterung ein deutsches Problem, das nicht nur Tirschenreuth trifft. Hier wiederum kann München mit anhaltendem Zuwachs punkten.

Ich habe viele positive Reaktionen erhalten.Bürgermeister Franz Stahl
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